Deutsch-französische Partnerschaft

Gielsdorferin verbindet zwei Nationen

Marie Dominique Würdig-Picard ist neue Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Alfter/Châteauneuf.

Marie Dominique Würdig-Picard ist neue Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Alfter/Châteauneuf.

Alfter. Marie Dominique Würdig-Picard aus Alfter lebt die deutsch-französische Freundschaft. Zu beiden Ländern hat sie eine besondere Beziehung. Auch darum hat sie ein besonderes Amt übernommen.

Die deutsch-französische Freundschaft ist für sie keine bloße Theorie. Marie Dominique Würdig-Picard ist die neue Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Partnerschaft Alfter und Châteauneuf, der französischen Partnerstadt der Gemeinde. Die Geschichte der beiden Länder und ihrer Beziehung zueinander spiegelt sich in der Familiengeschichte der 68-Jährigen. Und die in Gielsdorf lebende Französin lebt die Völkerverständigung im Privaten wie im Beruflichen.

Ziel der seit 1979 bestehenden Partnerschaft zwischen Alfter und Châteauneuf-sur-Charente sowie dem 1980 in Alfter gegründeten Förderverein ist die Festigung der deutsch-französischen Freundschaft durch persönliche Begegnungen. Dabei waren die Erfahrungen von Würdig-Picards Familie mit den Deutschen zunächst durch den Krieg geprägt. Beide Großväter kämpften im Ersten Weltkrieg, Würdig-Picards Vater war im Zweiten Weltkrieg fünf Jahre lang Kriegsgefangener in Norddeutschland. Ihre Mutter war 15 Jahre alt, als der Krieg begann. „Sie sagte immer: Ich habe fünf Jahre meiner Jugend mit der Angst vor Bombenangriffen verbracht“, erinnert sich Würdig-Picard.

„Meine Familie war total für Europa“

Und gerade deshalb: „Meine Familie war total für Europa“, sagt sie. Als Schülerin lernte sie auf Wunsch der Eltern Deutsch und Latein als erste Fremdsprachen. Als sie zehn war, ermunterten die Eltern sie zu einer Brieffreundschaft mit einem deutschen Mädchen, die regelmäßige Besuche nach sich zog. Ihre Brieffreundin Renate, die dringend ihre Französischnote aufbessern wollte, kam jedes Jahr im Juli von Eschweiler vier Wochen nach Frankreich zur Familie Picard.

Der erste Besuch steht Würdig-Picard noch sehr deutlich vor Augen. Renates Mutter Katja brachte die Tochter nach Boulogne an die französische Nordsee, wo die Familie Urlaub machte. Auch die Großeltern von Marie-Dominique waren dabei. „Ich bin immer noch sehr bewegt, wenn ich das erzähle“, so Würdig-Picard: „Beim Abschied umarmten mein Vater und mein Großvater Katja mit Tränen in den Augen und sagten: Nie mehr wieder!“ Das hat die damals Zehnjährige tief berührt, weil sie die beiden Männer noch zu keinem anderen Anlass hat weinen sehen, nicht vorher und nicht nachher.

Lehrerin in Bonn

Im Gegenzug besuchte Marie-Dominique die deutsche Familie den ganzen August über und begleitete Renate zur Liebfrauenschule in Bonn. Da ihre Brieffreundin fünf Jahre älter war, kam sie allerdings in eine andere Jahrgangsstufe. Der Unterricht faszinierte sie, weil Lehrer und Schüler im Gespräch waren und die Schüler nicht nur von der Tafel abschreiben mussten. Auch andere Dinge waren ihr neu: „Ich lernte, wie man einen Knicks vor Nonnen macht.“ Und in der neuen Klasse waren „alle unheimlich nett zu mir“.

Als ihre deutsche Freundin ein Studium begann, wurde sie an deren Cousine in Niederbachem „weitergereicht“, mit der sie den Austausch fortführte. Bis heute hat Würdig-Picard zu beiden Frauen engen freundschaftlichen Kontakt.

Die Verbindung zu Deutschland war ihr auch noch wichtig, als sie ihr Studium der Germanistik und Romanistik abgeschlossen hatte. Sie bewarb sich auf eine Stelle als Lehrerin in Deutschland und arbeitete zunächst drei Jahre am Bonner Helmholtz-Gymnasium als Französisch-Lehrerin. Mit ihrem deutschen Mann bekam sie zwei Söhne, die Familie ließ sich 1979 in Gielsdorf nieder. Heute arbeitet die leidenschaftliche Lehrerin an der Waldorfschule Bonn. 30 ihrer Schüler beteiligen sich am Austausch mit der Partnerstadt, der immer am langen Himmelfahrts-Wochenende stattfindet, abwechselnd in Alfter und Chateauneuf.

„Ich bin verliebt ins deutsche Schwarzbrot“

Würdig-Picard ist begeistert von der guten Stimmung im Verein und der Kompetenz des Vorstands. In den nächsten Jahren möchte sie den Austausch auf weitere Bevölkerungsgruppen ausdehnen. Eine Idee ist die Zusammenarbeit des Kulturkreises mit einer Kultur-Gruppe in der französischen Stadt, eine andere eine Chor-Partnerschaft.

Mit ihrem Nachbarn, dem Musiker Christian Ottens alias Yassmo' hat sie auch schon eine Kooperation von Jazzbegeisterten angedacht. Für Würdig-Picard ist Gielsdorf mittlerweile ein Stück Heimat. Und neben den Menschen, der Kultur und der Landschaft der Region mag sie eines ganz besonders: „Ich bin verliebt ins deutsche Schwarzbrot.“