Schulpolitik

Gesamtschule Rheinbach bekommt Zweigstelle in Alfter

Rheinbach/Alfter. Rheinbacher Gesamtschule soll zum Schuljahr 2019/2020 eine dreizügige Zweigstelle in Oedekoven bekommen. Vereinbarung holt auch Bornheim mit ins Boot. Nebenstelle braucht 75 Anmeldungen.

Seit fast zwei Jahren ist die Schulglocke der Hauptschule in Oedekoven verstummt. Wegen rückläufiger Anmeldezahlen hatte der Alfterer Rat im Frühjahr 2016 beschlossen, sie zu schließen. Damit die Räumlichkeiten an der Straße „Am Rathaus“ nicht leer stehen, nutzt die Waldschule aus Witterschlick, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“, diese momentan als Teilstandort. Schon ab dem Schuljahr 2019/2020 könnte in Oedekoven eine dreizügige Zweigstelle der Rheinbacher Gesamtschule einziehen, wie Raffael Knauber, Erster Beigeordneter der Stadt Rheinbach, am Mittwochabend im Ausschuss für Schule, Bildung und Sport berichtete.

Eine Besichtigung des Gebäudes in Oedekoven vor wenigen Tagen habe die Erkenntnis zu Tage gefördert, dass die Räume „sehr gut geeignet“ sind, so Knauber, und sich zudem in einem „guten baulichen Zustand“ befinden – mit Ausnahme allerdings der Fachräume. Hintergrund: Ende Februar hatten die Alfterer und die Rheinbacher Politik das Verfahren für die Einrichtung einer Zweigstelle der Gesamtschule Rheinbach in Oedekoven auf den Weg gebracht (der GA berichtete).

Wenn die Bezirksregierung in Köln den entsprechenden Antrag genehmigt, wäre dies ein erster Schritt, die angespannte Lage wegen der vielen Anmeldungen für die 2014 gegründete Gesamtschule ein Stück zu entschärfen (siehe Kasten). Alleine während des Anmeldeverfahrens für das Schuljahr 2018/2019 hatte die Gesamtschule 50 Absagen erteilen müssen.

Geplant ist, dass in der Alfterer Dependance nicht nur Kinder aus Alfter zum Zuge kommen: Mit einer Beschulungsvereinbarung mit der Stadt Bornheim könnten auch Schüler aus der Vorgebirgsstadt für die erforderlichen 75 Anmeldungen zur Einrichtung der Dependance mitgezählt werden. Die abschließende Zustimmung durch die Bezirksregierung sowie einige Ertüchtigungsarbeiten vorausgesetzt, könnten sich Mädchen und Jungen ab Februar 2019 für die Gesamtschuldependance in Alfter anmelden, hofft Knauber.

Eine Linderung der angespannten Anmeldelage könnte es auch auf gesetzlicher Ebene geben. Im März hatte der Rheinbacher Rat eine entsprechende Resolution an die NRW-Landesregierung gesandt, die zwei Forderungen beinhaltet: Im Landesparlament soll einerseits umgehend das Schulgesetz geändert werden, um die Sekundarschule der Gesamtschule bis Klasse zehn gleichzustellen. Dann nämlich hätten Schüler, in deren Kommune eine Sekundarschule existiert, kein Recht mehr, in die Sekundarstufe eins der Gesamtschule in einer Nachbarkommune aufgenommen zu werden, wenn deren Aufnahmekapazität überschritten ist. Außerdem forderte der Rat die schwarz-gelbe Landesregierung auf, die Kosten für Schulerweiterungen zu übernehmen, wenn damit ein regionaler Bedarf an Schulplätzen an der Gesamtschule in Rheinbach gedeckt werden soll.

Während einer Schulausschusssitzung des Städte- und Gemeindebundes NRW hatte Knauber die Gelegenheit, Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die aus Rheinbacher Sicht gesetzliche Schieflage zu erläutern. Und: Am Rande einer Veranstaltung zur Digitalisierung von Schulen hatte Knauber außerdem mit Gebauer sowie mit Schulstaatssekretär Mathias Richter (FDP) über die Forderungen der Ratsresolution sprechen können, berichtete Knauber. „Ich denke, wir konnten deutlich machen, dass wir eine konstruktive Haltung zu dem Thema erwarten und nicht einfach abgebügelt werden möchten“, sagte der Erste Beigeordnete. „Ich hatte den Eindruck, dass die Leitung des Ministeriums durchaus gesprächsbereit ist“, so Knauber. Ihren geknüpften Gesprächsfaden wollen Richter und Knauber in einem Telefonat nach Pfingsten erneut aufnehmen. „Ich bin gespannt, was die Bemühungen des Staatssekretärs ergeben.“

Was das Raumkonzept für eine künftig sechszügige Gesamtschule angeht, berichtete Fachbereichsleiter Wolfgang Rösner, dass dazu nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wurde. In etwa acht Wochen sollen erste Ergebnisse vorliegen, so Rösner.