Integration in Alfter

Flüchtlingsmädchen sucht für den Schulbeginn Unterstützung

Alfter-Witterschlick. Weil in Witterschlick OGS-Plätze fehlen, sucht eine marokkanische Flüchtlingsfamilie zum Schuljahresbeginn 2017/18 dringend eine Hausaufgabenbetreuung.

Nourhanes ganzer Stolz ist eine Lücke: Dort, wo vor Kurzem noch weiße Schneidezähnchen blitzten, offenbart ein freundliches Lächeln nun zwei Leerstellen. Mit Freude fiebert die Sechsjährige ihrer Einschulung entgegen: Ab Sommer wird das Mädchen die erste Klasse der Grundschule Witterschlick besuchen.

Doch Nourhanes Mutter Najat Salmi (40) macht sich große Sorgen: Vor zwei Jahren kam die Familie von Marokko nach Deutschland und landete zunächst in einer Unterkunft in Oedekoven, bevor eine Wohnung in Witterschlick gefunden wurde.

Während die älteste Tochter im Kindergarten Freunde fand und dadurch zügig die deutsche Sprache erlernte, wartet Mutter Najat noch auf einen Deutschkursus und kann sich nur schwer verständigen. Um Nourhane einen optimalen Start in die Schule zu sichern und ihr weiterhin eine gute Integration und Kontakt mit Gleichaltrigen zu ermöglichen, meldete sie ihre Tochter zur Betreuung in der Offenen Ganztagsschule (OGS) an. Weil es dort jedoch in diesem Jahr mehr Anmeldungen als Plätze gab, ging die Familie leer aus.

„Die Arbeit mit Wartelisten kann nur ein Übergang sein“

Wie der General-Anzeiger bereits berichtete, stößt die OGS an der Witterschlicker Grundschule an die Grenzen ihrer räumlichen Möglichkeiten: Von 40 OGS-Anmeldungen konnten – Stand Anfang Mai – 13 Wünsche nicht berücksichtigt werden. Bei der Vergabe der Plätze wurden Geschwisterkinder und Kinder erwerbstätiger Alleinerziehender bevorzugt. Die übrigen Plätze wurden per Losverfahren vergeben.

„Da sich insgesamt ein geänderter Bedarf in der Ganztagsbetreuung abzeichnet, ist eine Anpassung dieses Kriterienkataloges in Zusammenarbeit mit den Schulen und dem OGS-Träger geplant“, erklärt Maryla Günther, Pressesprecherin der Gemeinde Alfter, auf Nachfrage des General-Anzeigers.

Um das Problem abzumildern, habe der Träger des Betreuungsangebotes, die Katholische Jugendagentur (KJA), die Kurzzeitbetreuung bis 13 Uhr um zwölf Plätze auf insgesamt 30 Plätze erweitert. „Diese Kurzzeitbetreuungsplätze und alternative Betreuungsangebote durch Tagesmütter sind den Eltern auf der Warteliste durch die Schulleitung bereits angeboten worden“, so Günther.

Kontakt zu anderen Kinder für die Integration wichtig

Die Sorge, die Nourhanes Mutter beschäftigt, betrifft vor allem die Hausaufgaben. „Wie soll ich meiner Tochter helfen, wenn ich die Sprache nicht beherrsche?“, fragt die dreifache Mutter, die in ihrem Heimatland als Friseurin gearbeitet hat. „Es ist aber nicht nur die Hausaufgabenbetreuung, die für Nourhane wichtig wäre“, betont Johanna Telieps, die die marokkanische Familie im Kindergarten kennenlernte und unterstützt. „Es sind vor allem der Kontakt zu anderen Kindern und die vielfältigen Angebote, die Nourhane guttun und zu ihrer Integration beitragen würden.“

All dies könnten die Eltern zu Hause nicht leisten. Versuche, doch noch einen OGS-Platz für das Mädchen zu organisieren, blieben nach Angaben der Familie bisher erfolglos. Allgemein bestehe laut Gemeinde die Chance, nachzurücken, wenn Plätze – etwa wegen Wegzugs – gekündigt würden. Hier rutschen die Familien auf der Warteliste dann in festgelegter Reihenfolge nach.

Platzproblem soll bald gelöst sein

Zur Sorge, das Mädchen finde keine Unterstützung bei den Hausaufgaben, erklärt Günther: „Grundsätzlich wird bei allen Grundschülern, sofern sich ein Unterstützungsbedarf ergibt, individuell auf den einzelnen Bedarf und die Bedürfnisse des Kindes reagiert, beispielsweise durch Unterstützung einer Sprachpatin oder individuelle angepasste Hausaufgaben.“

Wie Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher bereits im Mai versichert hatte, soll das Platzproblem in der OGS baldmöglichst in den politischen Gremien Alfters auf den Tisch kommen. „Die Arbeit mit Wartelisten kann nur ein Übergang sein und nicht der Dauerzustand. Darin sind sich alle Beteiligten einig.“ Die marokkanische Familie hofft derweil auf Unterstützung durch eine private Hausaufgabenhilfe.

Wer sich vorstellen kann, Nourhane ab Beginn des Schuljahres 2017/2018 nachmittags bei den Hausaufgaben zu unterstützen, kann sich unter ismailnajat76@gmail.com mit Najat Salmi in Verbindung setzen.