Tag des offenen Denkmals

Führungen informieren über Villa Rustica und Schloss Alfter

Alfter/Bornheim. Was macht ein Bauwerk zum Denkmal, warum ist es erhaltenswert und wann wird es zu einer unbequemen Angelegenheit? Mit dieser Fragestellung haben sich in Alfter und Bornheim zahlreiche Bürger am "Tag des Offenen Denkmals" beschäftigt.

Einen Blick hinter die Kulissen werfen konnte man bundesweit unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?". Der Förderverein "Haus der Alfterer Geschichte" nahm dies zum Anlass für zwei geführte Rundgänge zu Stätten, die unbequeme Fragen zur Historie, zum Denkmalschutz oder zu Unterhaltungskosten aufwerfen können.

So gibt es auch eine Kehrseite des imposanten Alfterer Schlosses, das 1721 von Graf Franz Wilhelm von Salm neu erbaut worden war und heute ein Wahrzeichen des Ortes ist. Doch es ist auch ein unbequemes Denkmal, denn allein durch seine Größe ist die Unterhaltung sehr kostspielig.

Darüber informierte beim Rundgang Luise Wiechert, die im Auftrag der Grafenfamilie Wolff Metternich zur Gracht als Schlossverwalterin tätig ist. "Der Erhalt des Schlosses als ein Teil der Familiengeschichte ist auch dem Eigentümer wichtig", erläuterte Wiechert.

"Doch der Unterhaltungsbedarf spielt sich mit 2500 Quadratmetern plus 800 Quadratmetern Innenhof in größeren Dimensionen ab als bei einem Einfamilienhaus." Allein in die Fassaden- und Fenstersanierung seien in den Jahren 2004 bis 2009 etwa 730.000 Euro gesteckt worden, die jüngste Erneuerung des Innenhofes und des darunter liegenden Kohlenkellers habe weitere knapp 160.000 Euro gekostet.

Der Denkmalschutz werde dabei zwar als Partner verstanden, doch es gebe immer wieder Interessens-konflikte zwischen dem, was man machen wolle, und dem, was erlaubt sei. Das Alfterer Schloss war von 1930 bis 1961 der Sitz der Familie von Fürst Franz Josef Altgraf zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck.

In den 60er Jahren zog zunächst das Sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut der Konrad-Adenauer-Stiftung ein, von 1973 bis 2008 nutzte es die Alanus Hochschule für den Fachbereich Architektur und als Wohnheim für Studenten. Mit dem Neubau des Campus II am Buschdorfer Weg wurde die Außenstelle im Schloss aufgegeben. Es steht seit Anfang 2009 leer.

Weitere Stationen des Rundgangs in Alfter waren der Gemeindefriedhof, wo ein Grabstein an russische Zwangsarbeiter in Alfter erinnert; der von Landwirt Wilhelm Maucher angelegte Friedensweg unterhalb der ehemaligen Ausflugsgaststätte "Heimatblick", der Broichpark in der Ortsmitte, der als Standort für ein Hochwasserrückhaltebecken im Gespräch ist, und das Kriegerdenkmal am Herters-platz.

Auch in Bornheim präsentierten sich zum Tag des offenen Denkmals zwei Objekte: In Hersel lud die Familie Antwerpen zur Besichtigung des Marienhofs ein. Besucher konnten sich über den Gutshof mit spätklassizistischem Herrenhaus, der heute eine Kellerei mit Weinhandlung beherbergt, informieren. Bei einem Glas Wein konnten sie landwirtschaftliche Geräte, eine große Ofensammlung und Antiquitäten bewundern.

Rund 60 Interessierte hatten sich auf den Weg nach Borheim-Botzdorf gemacht. Dort empfing der Archäologe Cornelius Ulbert seine Zuhörer "im Badezimmer". Denn dieser Teil des römischen Landguts aus dem zweiten Jahrhundert soll mit Fördergeldern des Projekts "Grünes C" dauerhaft erhalten werden. "Das Warmbad ist eine echte High-Tech-Anlage", sagte Ulbert. Wie gut Bornheims "Villa Rustica" zum Schwerpunkt "unbequeme Denkmale" passte, erklärte der Archäologe, der die Freilegung des Fundes seinerzeit leitete, zu Beginn seines Vortrags:

Bei einer Bodenuntersuchung, die erfolgt, wenn Ackerland in Bauland umgewandelt werden soll, wurden 1998 am Hang unweit der Aeltersgasse Dachziegelscherben gefunden, die das Amt für Boden- und Denkmalpflege dazu veranlasste, das Gebiet näher zu untersuchen. Der Haken: Die Bauherren, die die Grundstücke bereits erworben hatten, mussten die archäologischen Untersuchungen selbst zahlen.

Doch die Ausgrabungen waren ergiebig: Münzen, ein gut erhaltener Töpferofen, der geborgen wurde und heute auf seine Ausstellung im Museum wartet, sowie ein Geschirrregal samt zerbrochenem Inhalt, stellten außergewöhnliche Funde dar. "Wie Sie sehen, tut sich etwas", sagte Ulbert mit Blick auf die neue Überdachung der Badanlage der Villa Rustica. "Ich muss sie heute nicht im Regen stehen lassen!"