Abbaugebiet Schenkenbusch

Es bleibt beim Nein zum Tontagebau in Witterschlick

Hier am Lüsbacher Weg soll das Tontagebaugebiet Schenkenbusch um 17,5 Hektar vergrößert werden. FOTO: AXEL VOGEL

Hier am Lüsbacher Weg soll das Tontagebaugebiet Schenkenbusch um 17,5 Hektar vergrößert werden. FOTO: AXEL VOGEL

Alfter-Witterschlick. Alfters Kommunalpolitiker lehnen Erweiterungspläne von Sibelco weiter ab. Am Montag beginnt die Bürgerbeteiligung.

Luise Wiechert nannte es „ein ganz klares Zeichen an die übergeordneten Behörden, was der Wille der Gemeinde Alfter ist“. Zuvor hatte der Ausschuss für Gemeindeentwicklung, dessen Vorsitzende die CDU-Ratsfrau ist, am Donnerstagabend rund eine Stunde über die geplante Erweiterung des Tontagebaus Schenkenbusch in Witterschlick gesprochen. Dabei erneuerten die Ausschussmitglieder ihre Ablehnung des Vorhabens. Einstimmig beschlossen die Kommunalpolitiker den Entwurf der Stellungnahme Alfters für das Genehmigungsverfahren, den sie mit verschiedenen Aspekten ergänzten.

Bekanntlich plant das Unternehmen Sibelco aus Ransbach-Baumbach (Westerwald) sein 43 Hektar großes Tonabbaugebiet in Witterschlick um 17,5 Hektar nach Norden auszudehnen (siehe Grafik). Für Abbau und Rekultivierung veranschlagt Sibelco 40 Jahre. Während die Arbeiten in der sogenannten Norderweiterung in zwei Jahren beginnen könnten, soll südlich des Lüsbacher Wegs noch bis 2023 Ton ausgebaggert werden.

Wie berichtet, hat die für Bergbauangelegenheiten zuständige Bezirksregierung Arnsberg die Bekanntmachung des Rahmenbetriebsplans nun veröffentlicht. Die Unterlagen dazu liegen ab Montag im Alfterer Rathaus zur Einsicht- und Stellungnahme aus. Die Bürger haben danach einen Monat Zeit für ihre Eingaben.

Ausdehnung um 17,5 Hektar nach Norden

Die Gemeinde muss ihre Stellungnahme bereits bis zum 1. März einreichen. In dieser spricht sie sich weiterhin gegen die Vergrößerung aus. Sofern sich das nicht verhindern lässt, hat die Gemeinde einen umfangreichen Forderungskatalog formuliert.

Tonabbau in Witterschlick

Tonabbau in Witterschlick

Dieser basiert auf dem Beschluss, den die Kommunalpolitik bereits Ende Juni 2010 getroffen hat und 14 Forderungen beinhaltet – darunter 300 Meter Abstand zur Wohnbebauung, die Anlage eines Grünstreifens, die Aufrechterhaltung der Wegefunktion des Lüsbacher Wegs, umfassende Rekultivierungsmaßnahmen und ein aktives Oberflächenwassermanagement.

In der Sitzung hoben die Ausschussmitglieder verschiedene Aspekte hervor. Barthel Schölgens (CDU) betonte etwa die Notwendigkeit des Grünstreifens zwischen Abbaugebiet und Wohnbebauung. Weiter schlug die CDU vor, den Aushub aus dem geplanten Baugebiet „Buschkauler Feld“ zur Verfüllung des Tonabbaugebiets zu nutzen. Wilhelm Windhuis (Grüne) verlangte unter anderem ein hydraulisches Gutachten für das Gebiet und unterstrich, dass eine konkrete Summe als Sicherheitsleistung für Rekultivierungsmaßnahmen von Sibelco eingefordert werden müsse. Auch Fridhelm Marx (SPD) hatte die Sicherheitsleistung im Blick. Überdies könne eine „vernünftige Zufahrtsregelung“ nur über die Schmale Allee erfolgen.

Paul Breloh (FDP) griff eine Initiative des Witterschlicker Heimatforschers Klaus Trenkle auf und dring unter anderem auf die Begleitung der Erweiterung durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, um archäologische Funde gegebenenfalls zu sichern. Weiter unterstrich Breloh die Forderung nach 300 Metern Abstand.

Bürgerinitiative will ihre Arbeit intensivieren

Grünen-Ratsherr Windhuis lobte darüber hinaus die von der Verwaltung erarbeitete Stellungnahme: „Die Vorlage ist ganz hervorragend.“ CDU-Fraktionschef Schölgens sagte, es sei wichtig, die Ablehnung aufrechtzuerhalten. „Die Chancen, das durchzusetzen, liegen aber nicht bei 100 Prozent“, fügte er hinzu. Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher führte aus, dass er den Eindruck habe, dass bei der Bezirksregierung Arnsberg die Sensibilität für das Thema „deutlich gewachsen“ sei. Die Gemeinde müsse weiter darlegen, dass man die Erweiterung ablehne. Schumacher: „Ich habe den Eindruck, dass diese Botschaft in Arnsberg ankommt.“

Claudia Gerhardi, Leiterin des Fachbereichs Planen, Entwickeln und Bauen bei der Gemeinde, sagte, dass jede Stellungnahme von der Bezirksregierung gleich gewichtet werde. Dass die Unterlagen zur Erweiterung im Rathaus ausliegen, stellt Gerhardi zufolge keine Verbindung zu Sibelco her: „Wir sind nicht der Rechtfertiger der Pläne des Unternehmens.“

Am Tag nach der Sitzung zeigte sich Reinhard Harzer, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Erweiterung, etwas enttäuscht. Die Vorlage der Verwaltung sei gut, sagte er am Freitag dem General-Anzeiger. Allerdings habe er sich von der Politik mehr Engagement in der Sitzung gewünscht. „Das ließ zu wünschen übrig“, so Harzer. „Der Verwaltung muss der Rücken gestärkt werden.“ Im Jahr 2010 hatte die Bürgerinitiative 700 Unterschriften gegen die Erweiterung gesammelt. Nun wolle man die Bürger erneut informieren und möglicherweise wieder eine Versammlung einberufen.

Durch die Vergrößerung werde wertvolles Land vernichtet, so Harzer: „Dort entsteht ein Loch, die Gemeinde hat nichts davon.“ Auch bezweifelt er die geplanten Maßnahmen zur Rekultivierung. Die früheren Abbaugebiete seien nie rekultiviert worden. Dort liege unter anderem Sondermüll im Boden, man könne sie nicht betreten. Ebenso zieht er die Aussage von Sibelco in Zweifel, dass der geringste Abstand zur Wohnbebauung 170 Meter betragen soll (der GA berichtete). Er könne die Rechnung nicht nachvollziehen. Überdies bedeute Wohnbebauung nicht Grundstücksgrenze.