Obstbau im Rhein-Sieg-Kreis

Der Frost zerstörte die Hälfte der Blüten

Christiane und Benedikt Mager beim Ausdünnen und Beschnitt ihrer Apfelbäume in Impekoven. Im Hintergrund Vater Andreas Mager.

Christiane und Benedikt Mager beim Ausdünnen und Beschnitt ihrer Apfelbäume in Impekoven. Im Hintergrund Vater Andreas Mager.

Alfter-Impekoven. Obstbauern wie Familie Mager aus Impekoven sind abhängig von der Witterung. Die frühe Blüte der Bäume wirkte jedoch verhängnisvoll, da der Frost die Hälfte wieder zerstörte.

Bei den Magers auf dem Naturhof Wolfsberg in Impekoven steht das Ausdünnen der Äpfel an den Bäumen an, bei dem überzählige Früchte entfernt werden. In diesem Jahr brauchen sie – im Gegensatz zu den Vorjahren – über ihre Stammbelegschaft hinaus keine zusätzlichen Saisonkräfte. Denn ihnen machen wie den meisten Obstbauern die Wetterverhältnisse zu schaffen.

Ein ungewöhnlich warmer März sorgte für eine frühe Blüte an den Bäumen, zwei bis drei Wochen früher als in den Vorjahren, so Andreas Mager. „Am 19./20. April gab es dann die kältestmöglichen Temperaturen an polarer Luft, die kommen können“, so Mager.

Die Folge: Temperaturen von minus vier bis minus sieben Grad, es wurde frostig. Für die Obstbauern eine Katastrophe. Denn durch das frühe Austreiben waren die Bäume schon in der Blüte, schildert Junior-Chefin Christiane Mager (29). Und die Blüten waren sehr frostempfindlich. In der Eifel zum Beispiel, wo die Obstbäume erst später voll blühten, habe es keine Frostschäden gegeben.

Erzeugerpreise steigen durch Verlust bei der Ernte

Die Obstbauern im Rheinland werden beim Kernobst aber nur 30 bis 50 Prozent des normalen Ertrages ernten, sagt Andreas Mager. Die Biobauernhöfe seien am unteren Rand angesiedelt. Ihre Bäume sind weniger widerstandsfähig, unter anderem, weil Biobauern nicht mit Mineraldünger arbeiten. Ausgenommen ist aber der Niederrhein, wo es weniger kalt und bedeckter gewesen sei.

Weil die Bauern weniger Äpfel haben, steigen die Erzeugerpreise. Die Magers erwarten eine Steigerung um 50 bis 80 Prozent. Die Preise in den Läden würden sich allerdings nicht verdoppeln, meint Andreas Mager. Für die Familie bedeuten die Folgen der Wetterbedingungen trotzdem Einschränkungen. In diesem Jahr tätigen sie keine Investitionen, die nicht unbedingt notwendig sind. In den nächsten Jahren wollen sie den Frostschutz ausbauen.

Die Magers konnten immerhin die Hälfte ihrer Bäume mit Frostschutzberegnungsanlagen schützen. Dabei werden die Blüten mit Wasser besprüht. Gefriert es, wird Kristallisationswärme freigesetzt, sodass die Blüten in der Regel vor Frostschäden geschützt sind. In der Region konnten aber insgesamt nur zehn Prozent der Blüten auf diese Weise vor dem Erfrieren gerettet werden – es fehlt an Wasser. In Regionen, wo es keine größeren Gewässer gibt, können Windmaschinen die Lösung sein, so etwa in Meckenheim, Rheinbach und Wachtberg. Das Funktionsprinzip: Luft in Bodennähe ist kälter als die oberen Luftschichten. Die etwa zehn Meter hohen Maschinen verwirbeln mit einem Propeller die Luftschichten, sodass die wärmere Luft auch in die unteren Schichten vordringt.

Verständnis von der Bevölkerung erhofft

Dabei müssen Mindestentfernungen zur Wohngebieten eingehalten werden – auf einem Hof wie auf dem der Magers könnten sie ohnehin nicht eingesetzt werden. Das Problem: Die Windmaschinen sind sehr laut und stoßen deshalb auf wenig Akzeptanz bei den Nachbarn. Der Provinzialverband rheinischer Obst- und Gemüsebauer, bei dem Christiane und Andreas Mager kooptierte Vorstandsmitglieder sind, will deshalb über die Lage der Obstbauern informieren. „Wir brauchen Verständnis aus der Bevölkerung“, sagt Andreas Mager. Die Wetterbedingungen würden sich durch den Klimawandel verändern. „Einen Totalausfall können wir uns nicht leisten“, so der Obstbauer.

Deshalb hat der Provinzialverband auch schon eine Tour für politische Entscheidungsträger wie Landrat Sebastian Schuster und die Bürgermeister zu Obstbauern im Rhein-Sieg-Kreis veranstaltet. Das Ziel: Unterstützung der Mandatsträger bei Genehmigungsverfahren etwa für Regenrückhaltebecken, Brunnenbohrungen, Windräder oder geschützten Anbau.

Obwohl ihre Arbeit auch von Faktoren abhängt, die sie nicht kontrollieren können: Christiane und ihr Bruder Benedikt Mager (26) haben sich entschieden, den elterlichen Biohof mit Apfel- und Birnenplantagen auf knapp 30 Hektar Fläche weiterzuführen und sind als Junior-Chefs in den Betrieb eingestiegen. Beide sind gut qualifiziert: Christiane hat einen Master in Agrarwissenschaften, Benedikt ist Meister im Fachbereich Obstbau.

„Mir macht es sehr viel Spaß, weil ich die Arbeit als bunt empfinde“, sagt Christiane. „Man arbeitet draußen an der Pflanze, im Hofladen, in der Werbung, man führt Veranstaltungen durch. Ich mag auch die Selbstständigkeit.“ Zwar müsse sie zum Teil mehr als Freunde mit einem geregelten Job arbeiten, aber gleichzeitig sei sie flexibler in der Zeiteinteilung.

„Man erarbeitet etwas, entwickelt es, und wenn man sein Ziel erreicht hat, macht das sehr zufrieden“, sagt Benedikt. Für ihn war es schon immer klar, dass er den elterlichen Betrieb einmal weiterführen möchte. „Als ich klein war, bin ich auf dem Trekker mitgefahren und habe mit meinen Freunden auf dem Hof Fangen gespielt. Später bin ich mit dem Traktor über den Hof gefahren und habe am Wochenende mitgearbeitet“, sagt er. Bei Christiane hat die Entscheidung etwas länger gedauert – sie hat sich während ihres Studiums dafür entschieden.