Eiserner Mann im Kottenforst

"Den Zerstörern die Stirn bieten"

RHEIN-SIEG-KREIS. Der oder die Täter hatten ganze Arbeit geleistet. In den Nächten zum 5. und 6. Februar zerstörten sie mit einem in Alfter-Impekoven gestohlenen Radlader zwei Schutzhütten im Kottenforst, kippten Holzstapel um und beschädigten Waldwege und Schilder. Förster Horstmar Schöne schätzt den Gesamtschaden auf mindestens 20.000 Euro. Und die trägt der Steuerzahler, denn für Vandalismusschäden haftet keine Versicherung.

Die mit der Schaufel aus den Angeln gehobene Hütte am Eisernen Mann wird das Regionalforstamt mit eigenen Kräften ersetzen. Etwa vier mal vier Meter soll die neue Holzkonstruktion messen, die die Meister des Forstamtes mit zwei Auszubildenden im September und Oktober bauen werden, kündigt Förster Schöne an. Allein die Materialkosten beliefen sich auf 4000 Euro, so Schöne. Hinzu kommen die Kosten für die Arbeitsstunden. Die Hütte wird einen quadratischen Grundriss haben und auf der der alten Hütte gegenüber liegenden Seite aufgestellt werden.

Mit dem Vandalismus will sich der Buschhovener Pensionär Peter Haarhaus nicht abfinden und hat die "Initiative Zukunft - der Eiserne Mann" gegründet. "Wir sollten den Zerstörern die Stirn bieten", sagte er jetzt bei einem Treffen am Eisernen Mann. Dazu hatte er Förster Schöne und Vertreter aus den an den Kottenforst angrenzenden Orten eingeladen, um zu überlegen, wie man das Gelände um den Eisernen Mann verschönern kann. Mit dabei waren der Dünstekovener Ortsvorsteher Ralf von der Stein, Maria und Georg Schmidberger vom Arbeitskreis Heimat in Heimerzheim sowie Georg Melchior und Josef Scholten vom Heimatverein Alfter.

Haarhaus lädt alle handwerklich begabten Bürger ein, sich am Samstag, 22. August, zum Aktionstag am Eisernen Mann einzufinden. Von 8 bis 12 Uhr soll dort zunächst das Gelände gesäubert werden. Dann wollen sich die Helfer den Bänken und Tischen widmen. Sie sollen aufgearbeitet werden. Das heißt: Sie werden vom Moos befreit und abgehobelt. Wo sich in Löchern Feuchtigkeit gesammelt hat, wird das Holz durchbohrt, damit das Wasser ablaufen kann. Deshalb wünscht sich Haarhaus, dass auch ein Tischler oder Dachdecker beim Aktionstag mitmacht. Und er schlägt vor, dass jeder Ort sich eine Bank vornimmt. Die Helfer sollten mit dem Rad kommen, Mineralwasser wird gestellt. Auch Kinder sind willkommen. Für sie ist eine kleine Waldführung vorgesehen.

Mitglieder des Heimatvereins Buschhoven haben bereits die Infotafel überarbeitet, der Heimatverein Alfter hat den Wegweiserstein aufgearbeitet. Das Forstamt wird morsche Äste entfernen und einen neuen Mülleimer aufstellen.

Wenn die neue Hütte steht, will Haarhaus zu einem großen Einweihungsfest einladen. Und ihm schwebt vor, Paten-Teams zu bilden, die immer mal wieder am Eisernen Mann nach dem Rechten schauen. Auch die Hütte am Sangerkreuz bei Gielsdorf war im Februar zerstört worden, mindestens sechs Holzstapel wurden umgestoßen und zahlreiche Bäume angekratzt.

Der Schaden wurde mit einem gelben Caterpillar-Radlader angerichtet. Das etwa 5,8 Tonnen schwere und 72 PS starke Fahrzeug war in der Nacht zum 5. Februar von der Bahnbaustelle am Ahrweg in Alfter-Impekoven gestohlen worden. Es war damals vermutet worden, dass der Dieb nicht zum ersten Mal mit solch einem Gefährt unterwegs war, denn er knackte den Fahrzeug-Code und öffnete die Wegfahrsperre.

Von Impekoven aus machte sich der Unbekannte auf in Richtung Kottenforst. Zuerst nahm er sich die Schutzhütte am Sangerkreuz vor, machte sie mit der Schaufel dem Erdboden gleich. Der Holzkasten mit dem Marienbild neben der Hütte und das Kreuz selbst mit dem Corpus Christi blieben unangetastet.

Am Eisernen Mann fuhr er sich beim ersten Versuch, die Hütte zu zerstören, fest. So entdeckte Schöne den Radlader, der mit den Hinterreifen tief im Schlamm steckte, am Donnerstagmorgen. Zu diesem Zeitpunkt war die Hütte noch heil. Weil auf die Schnelle kein Spezialfahrzeug zur Bergung des Radladers aufzutreiben war, verschob Schöne die Aktion auf Freitagmorgen. Was der Förster nicht ahnen konnte: Der Dieb kehrte in der Nacht zum Freitag zurück zum feststeckenden Radlader, befreite diesen mit Hilfe eines Buchenstamms aus dem Schlamm und setzte sein Zerstörungswerk fort.

Er fuhr über die Breite Allee durch den Wald in Richtung Römerhof bei Brenig, wo er Holzstapel umstieß sowie Bäume ankratzte, Randpfosten umfuhr und Wege angrub. Auf dem Pützweg zwischen Breiter Allee und dem Kamelleboom ging dem Radlader der Sprit aus. Dort stellte die Polizei das Fahrzeug sicher.

Trotz gesicherter Spuren und intensiver Ermittlungen hat die Bonner Polizei bis heute keinen konkreten Verdacht. Hinweise an die Rufnummer 0228/150.

Der Eiserne Mann

Der Eiserne Mann steht im Kottenforst, etwa zwei Kilometer östlich von Dünstekoven auf einer Lichtung. Dort treffen fünf Wege aufeinander. Der Barren aus Roheisen ist 2,18 Meter lang und steckt mit seinem Anker einen Meter tief in der Erde. Der Archäologe Klaus Grewe hat 1978 bei einer Ausgrabung herausgefunden, dass die Gusstechnik auf eine Herstellung im späten Mittelalter deutet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Eiserne Mann 1625 als Grenzmarkierung zwischen Heimerzheim und Alfter. 1727 wurde er unter Kurfürst Clemens August an seine heutige Stelle versetzt. Er diente als Markierungspunkt beim Bau des Schneisensystems für die Parforcejagd.