Traditionsbetriebe im Vorgebirge

Chef der Firma Lülsdorf will noch nicht aufhören

Alfter-Oedekoven. Erst in Duisdorf, dann in Oedekoven: Seit 1923 handelt die Firma Lülsdorf mit Farben, Tapeten und Teppichböden. Einen Nachfolger hat der aktuelle, über 80-jährige Chef Ernst Lülsdorf nicht.

Schon sein Lehrmeister beim Bonner Farbenhändler Mirgel versprach dem damals 15-jährigen Ernst Lülsdorf: „Aus Ihnen mach‘ ich was!“. Das daraus nach dem Ende seiner Lehrzeit nichts wurde, lag daran, dass Lülsdorf seine Talente für sich selber nutzte, anstatt weiterhin mit dem Fahrrad für Mirgel Bodenpflegemittel anzupreisen und auszuliefern. Schließlich verkaufte auch sein Vater Peter Lülsdorf in seinem kleinen, 1923 gegründeten Geschäft in der Alte Straße in Duisdorf Farben und Lacke. Dort stieg der kaum 18 Jahre alte Sohn 1954 ein.

Und Vater Peter Lülsdorf muss ein findiger Kaufmann gewesen sein: Er mischte dem damals viel gefragten Fußbodenöl einen „geheimen“ Duftstoff bei, was dessen Absatz erheblich ankurbelte. Kaum eine Schule oder ein Amtsgebäude, das nicht das Lülsdorfsche Öl haben wollte. Es dauerte noch etwa zehn Jahre, bis der Sohn das Geschäft des Vaters übernehmen konnte.

Dem Bau einer Auffahrt zum Konrad-Adenauer-Damm musste das Haus mit dem Ladenlokal in Duisdorf weichen. Damit er seine Kunden nicht verlor, schaffte Ernst Lülsdorf eine Interimslösung in der nahe gelegenen Bäckerei Rösberg Am Burgweiher und konnte schon kurze Zeit später einen durch ein Scheidungsverfahren stillliegenden Rohbau an der Alfterer Straße in Oedekoven günstig erwerben. Aus den damals etwa 150 Quadratmetern wurden bald mehr als 500. 1974 sollte sein Betrieb von einem Fachmagazin zum besten Fachgeschäft Deutschlands gekrönt werden.

Spezielle Fußbodenöl-Rezeptur

Seit mehr als 60 Jahren lenkt Ernst Lülsdorf einzig und alleine die Geschicke seines Raumausstatter-Fachgeschäfts. Und wer dabei erfährt, wie er dies macht, kommt schnell zu dem Schluss, dass es auch niemand so erfolgreich hätte betreiben können, wie der Chef selber. Lülsdorf erkannte schon früh, wie wichtig es ist, sich überall bekannt und beliebt zu machen. Er wurde Mitglied in nahezu jedem Duisdorfer Verein und geizt bis heute nicht mit Spenden und Zuwendungen in sozialen Bereichen. Auch der VfL Alfter trug einst seinen Namen auf dem Trikot. Die Stadt Bonn ist seit 40 Jahren sein Kunde.

Drei Generationen von Einkäufern hat er dort kennengelernt: „Die ersten hatten Asbest-Bodenbeläge verlangt, die nächsten ließen sie entfernen und PVC verlegen, was wiederum deren Nachfolger gegen Kautschukböden austauschen ließen“, blickt Lülsdorf zurück. Er war im Elferat von Karnevalsvereinen ebenso zu finden wie in der Sepp-Herberger-Stiftung. Er spielte Skat auf höchstem Niveau (viermal Deutscher Meister) und war dadurch mit Fußballnationalspielern bis hin zu Bonner Ministern per Du. Kaum jemand, der nicht bei ihm die Bodenbeläge bestellte.

Zeitweise arbeiteten 15 Bodenverleger für ihn. In Berlin stattete er ganze Wohnblöcke mit Teppichböden aus. „Da waren wir ganz oben“, freut sich Lülsdorf. Damals entstand sein Ruf, alles und in jedem Umfang machen zu können. Die Gebäude in Oedekoven wuchsen. Tonnenweise stapelten sich bis zu 800 Teppichrollen in neuer Halle und in einem zusätzlichen Bayernzelt hinter dem Geschäft. „Das hat sich heute alles geändert.“

Mit den Baumärkten und dem Trend, immer weniger Teppichböden zu verlegen und Tapeten zu kleben, ging auch eine Raumausstatter-Ära zu Ende. Doch Lülsdorf bleibt zuversichtlich. Gerade modernisiert er seine Geschäftsräume von Grund auf. Auch mit über 80 Jahren hat er täglich neue Ideen. „Mich müssen die hier raustragen“, sagt er und lacht. Seine Tochter lebt in Berlin und hat kein Interesse, in seine Fußstapfen zu treten. „Wahrscheinlich werde ich es an meine Mitarbeiter übergeben.“ Aber vorstellen kann er sich das noch nicht.