Landwirtschaft im Winter

Bei Bauer Mandt in Alfter ist immer Saison

Im mobilen Stall sind an die 1000 Hühner zu versorgen. Jeden Tag sehen Karlheinz (links) und Markus Mandt nach dem Rechten.

Im mobilen Stall sind an die 1000 Hühner zu versorgen. Jeden Tag sehen Karlheinz (links) und Markus Mandt nach dem Rechten.

ALFTER. Auch in den kalten Monaten fällt auf dem Hof am Taubenweiherweg viel Arbeit an. Dazu gehören Baumschnitt, Renovierungsarbeiten und die Ernte von Wintergemüse wie Grünkohl und Porree.

„Im Januar viel Regen und wenig Schnee tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“, lautet eine Bauernregel, die ziemlich gut auf die Witterungsverhältnisse des ersten Monats des neuen Jahres passte. Doch jetzt im März, nach reichlich Frost und Temperaturen im zweistelligen Bereich, sieht die Lage schon wieder ganz anders aus – auch auf dem Hof der Familie Mandt in Alfter, den die Eltern Heike und Karlheinz mit ihrem Sohn Markus bewirtschaften.

Seit 1912 liegt das Gebäude am Hang des Vorgebirges in der Nähe des Alfterer Schlosses. Im Hofladen gelangen saisonales Obst und Gemüse sowie Eier der Freilandhühner direkt in den Verkauf. In den Wintermonaten stemmen der 23-jährige gelernte Gartenbauer Markus Mandt und sein Vater zu zweit die Arbeit auf dem zwölf Hektar großen Areal. Mutter Heike ist mit einem kleinen Team aus Mitarbeiterinnen für den Hofladen zuständig.

Zwei bis sechs Erntehelfer kommen erst mit dem Beginn der Spargelsaison auf den Hof. „Wir versuchen, so viel wie möglich allein zu machen“, sagt Markus Mandt. Von Winterruhe kann daher überhaupt keine Rede sein. Doch wie sieht das Tagwerk eines Landwirtes in der kalten Jahreszeit aus?

Mobiler Hühnerstall

Keine Langeweile aufkommen lassen schon allein die 1000 Hühner, die im mobilen Hühnerstall täglich versorgt werden müssen. Außerdem muss das „Hühner-Mobil“, das die Mandts im vergangenen Frühjahr anschafften, regelmäßig umgesetzt werden, damit die Tiere immer frischen Boden unter den Krallen haben. „Zwar bekommen die Tiere über ein Futterband automatisch Futter und Flüssigkeit. Aber die Technik entbindet uns nicht davon, ständig nach dem Rechten zu sehen.“

Und die 700 bis 800 Eier aus dem Stall wollen schließlich auch eingesammelt und nach Größe sortiert werden. Um die Weihnachtszeit herum oder vor Ostern, wenn viel gebacken wird, ist der Bedarf manchmal trotzdem größer als das Angebot. „Nach dem jüngsten Eierskandal ist die Nachfrage stark gewachsen.“

Aber nicht nur die Hühner halten die Familie auf Trab. Typische Wintertätigkeiten sind der Baumschnitt, Renovierungsarbeiten und die Instandhaltung der Bodenbearbeitungsmaschinen. Auch das Wintergemüse wie Grünkohl, Porree, Wirsing und Feldsalat muss geerntet und in den Verkauf gebracht, Kartoffeln müssen sortiert und verpackt werden.

„Bei uns ist eigentlich immer Saison“, erklärt Karlheinz Mandt. „Während sich die großen Betriebe auf wenige Sorten spezialisieren, sind wir als kleiner Familienbetrieb vielfältig aufgestellt. So können wir unsere Kunden das ganze Jahr über mit frischen Produkten versorgen.“ Das Wetter spielt für die Landwirte also nicht nur im Sommer eine wichtige Rolle.

Ohne Büroarbeit geht es nicht

Als Vorbereitung auf die Spargelsaison wurde bisher das abgestorbene Laub vom vergangenen Jahr entfernt. Als nächster Schritt wird nun im März mit der Dammfräse der typische Spargeldamm geformt und mit Folie abgedeckt.

Eine weitere Tätigkeit, die Karlheinz Mandt zu seinem Leidwesen das ganze Jahr über beschäftigt, ist die Büroarbeit. Besonders hadert er mit den strengen Dokumentationsvorschriften. „Vom Aufstellen einer Mausefalle bis zur Toilettenreinigung muss alles schriftlich festgehalten werden.“ Für einen kleinen Familienbetrieb, der sich keine Bürokraft leisten könne, sei diese Last zu groß. „Es ist eine Verschwendung von Ressourcen, ständig über den Papieren zu hocken“, findet er. „Die Bürokratie ist ein Geschwür, eine typisch deutsche Krankheit.“ Und das nicht nur im Winter.