Pflanzenwelt des 16. Jahrhunderts

Ausstellung "Pflanzen in der Bibel" im Haus der Alfterer Geschichte

Alfter. Die Ausstellung „Pflanzen in der Bibel“ von François Traudisch im Haus der Alfterer Geschichte zeigt Blätter des bekannten „New Kreuterbuch 1543“. Ersteigert hat der 86-jährige Theologe und Publizist diese bei Auktionen.

Wein gehört dazu, genauso wie Weizen, Gerste und die Olive: Sie kommen alle als Pflanzen in der Bibel vor. Oft werden sie auch mit symbolischer Bedeutung verwendet. Bäume stehen für Kraft, der Granatapfel für Fruchtbarkeit.

Grund genug für den Alfterer Theologen und Publizisten François Traudisch, sich dem Thema zu widmen und die Ausstellung „Pflanzen der Bibel“ zu konzipieren, die bis 28. Januar im Haus der Alfterer Geschichte zu sehen ist. Bei Traudischs Exponaten handelt es sich um kolorierte Originalholzschnitte aus dem bekanntesten Pflanzenbuch der Renaissance, dem „New Kreuterbuch 1543“ von Leonhart Fuchs. Er war Mediziner und Botaniker und zählt mit Otto Brunfels und Hieronymus Bock zu den „Vätern der Pflanzenkunde“.

Seit vier Jahren hat der 86-jährige Traudisch einzelne Blätter des Werks auf Auktionen ersteigert. „Und dann habe ich mir überlegt, eine Ausstellung zu machen“, erklärte der Sohn einer Wiener Familie, der im schweizerischen Montreux zur Welt kam, bei der Eröffnung. Die Faksimiles sind hinter Glas eingefasst, auf manchen sind Gebrauchsspuren zu sehen. Passend zu jeder Pflanze hängt daneben ein entsprechendes Zitat aus der Bibel.

Von der Kümmelsteuer im Neuen Testament

Ob es sich um den Feigenbaum, der als erste Pflanze im Buch Genesis bei Adam und Eva erwähnt wird, handelt, die Linse, die als Hülsengericht bei Jakob und Esau eine große Rolle spielt, oder den Wiesenkümmel, der im Neuen Testament bei Matthäus 23,23 als „Kümmelsteuer“ Erwähnung findet – die Schau gibt einen Einblick in die bekannte Pflanzenwelt des 16. Jahrhunderts.

Das Werk von Leonhart Fuchs (1501-1566) erschien 1542 in lateinischer und 1543 in deutscher Sprache und galt bis in die Neuzeit als Standardwerk für Mediziner und Apotheker. In beiden Ausgaben werden jeweils mehr als 400 europäische und 100 exotische Pflanzen beschrieben und in 511 Holzschnitten dargestellt. Eine kleine Auswahl zeigt die Alfterer Ausstellung.

Deutlich wird dabei auch, dass Fuchs nicht nur die auch in der Antike schon bekannten Pflanzen chronologisch aufgelistet hat, sondern auch Heilkräuter und deren Verwendung im Krankheitsfall beschrieben hat. „Fuchs empfiehlt zum Beispiel Melisse bei Unruhezuständen und Darmbeschwerden“, sagte Traudisch in seinem komprimiert gehaltenen Vortrag. Als Bonmot erzählte er, dass Leonhart Fuchs auch Namensgeber der 1701 auf Hawaii entdeckten Pflanze „Fuchsia“ sei.

Interessiert verfolgten die rund 30 Zuhörer die geografischen und pharmazeutischen Ausführungen. Hier und da gab es bei der Beschreibung einer Krankheit auch mal einen Lacher. „Sie haben das Publikum sowohl durch den Inhalt als auch durch die Präsentation unterhalten“, dankte die stellvertretende Bürgermeisterin Luise Wiechert dem Referenten.

Stolz auf ihren Vater waren auch Tochter und Schwiegersohn, Iris Traudisch und Hartmut Schröter, die mit Enkel und Urenkel zu der Eröffnung gekommen waren. „Ich finde es toll, dass Du so etwas in Deinem Alter auf die Beine gestellt hast“, sagte Traudisch. Als letzte Veranstaltung in diesem Jahr bot das Haus Alfterer Geschichte seinen Besuchern einen wissenschaftlich-visuellen Hochgenuss.

Die Ausstellung „Pflanzen in der Bibel“ ist noch bis Sonntag, 28. Januar, dienstags und donnerstags in der Zeit von 16 bis 18 Uhr im Haus der Alfterer Geschichte, Hertersplatz 19, zu sehen. Termine können auch nach E-Mail an kontakt@hdag.info mit dem Förderverein vereinbart werden.