Auf dem Campus der Alanus Hochschule

Ausstellung "Feral" in Alfter

Alfter. Eine Frau im Farnwald oder ein von Schlamm bedeckter junger Mann in einem Tümpel: Die Ausstellung „Feral“ auf dem Campus I der Alfterer Alanus Hochschule vereinigt 40 sehenswerte Farbdrucke junger Künstler.

Man kennt die Szenen von klassischen Gemälden: Da baden Jungfrauen an einer Quelle, oder wilde Krieger tauchen angsteinflößend aus dem Gebüsch auf. In der Ausstellung „Feral“, die in der Galerie der Cafeteria im Johannishof der Alanus Hochschule zu sehen ist, wird die romantisch verklärte Sichtweise auf Ursprünglichkeit und Wildheit durch die harte Realität einer fotografisch genauen Wiedergabe von inszenierten Menschen aufgebrochen. Rollentausch inbegriffen. Nun ist es eine „Kriegerin“, die wie eine wartend Beobachtende inmitten eines Farnwaldes steht, und aus der Jungfrau ist ein „Jüngling“ geworden, der sich nackt und mit Schlamm bedeckt im Wasser eines Tümpels reinigt.

„Wenn die jungen Leute so drauf sind“, sagt Kunstprofessorin Andrea Sunder-Plassmann anerkennend, brauche man sich keine Sorgen um die Zukunft zu machen. Sie beschreibt sich selber als „restlos überrascht“ über das, was den 23 Studierenden im Foto-Einführungskursus des ersten Semesters an der Kunsthochschule in Alfter gelungen ist. Als Dozentin für Fotografie und Neue Medien hatte sie den Kunststudenten von ihren Reisen erzählt. Das Bild, das sie von den 90er Jahren in Australien beschrieb, wo sie Umweltaktivisten begegnete, die ihr Leben als „Ferals“, als „Verwilderte“, im Wald verbrachten, um auf politische Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, muss auch ihre Studenten beeindruckt haben.

Der Kottenforst als Kulisse

Schon damals ging es in Australien um die Verhinderung der Rodung des besetzten Waldes, der letztlich jedoch mit Gewalt geräumt wurde. Die Parallelen zum Braunkohletagebau, der sich aktuell in unserer Region den Hambacher Forst einverleiben möchte, gaben den „Spirit“, wie Sunder-Plassmann es ausdrückt, mit dem die Studenten an die Arbeit gingen. „In den Jahrzehnten scheinen die Menschen nichts dazugelernt zu haben“, so die vielfach ausgezeichnete Professorin. Die Menschen, die sich in den Wald zurückzogen, um wieder zu ihrem natürlichen Sein zurückzukehren, und damit auch ihren Verzicht auf die „Errungenschaften“ der Zivilisation demonstrierten, wurden zum Thema eines dreitägigen Fotoseminars.

Nachdem die Studenten bereits in einem vorangegangenen Kursus die Thematik „Selfie“ und „Anti-Selfie“ sehr kontrovers diskutiert und fotografisch untersucht hatten, galt es nun, sich in der Natur in Szene zu setzen – mit der von Sunder-Plassmann geforderten Sensibilität für das Miteinander von Mensch und Natur. „Letztlich ist das Thema der Empathiebildung für Künstler ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit mit den Studierenden“, betont sie.

Die Werkschau zeigt nun mit 40 sehenswerten Farbdrucken die Ergebnisse einer sensiblen Verwandlung der jungen Künstler, die den Versuch unternahmen, sich im Kottenforst auf „natürliche Weise“ wiederzufinden. Es sind beeindruckende Bilder entstanden, die dem Betrachter viel Raum zur Interpretation lassen und dabei keinesfalls zeigen, dass es sich „nur“ um die Werkschau von Erstsemestern handelt.

Die Ausstellung „Feral“ ist noch bis März 2019 in der Galerie der Cafeteria im Johannishof (Campus I) der Alanus Hochschule, Lohheckenweg in Alfter, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.