Freilichtwandertheater Alfter

Aufführungen tragen die Handschrift von Udo Seehausen

Musiker und Musikpädagoge mit Leib und Seele: Udo Seehausen aus Alfter. FOTO: WOLFGANG HENRY

Musiker und Musikpädagoge mit Leib und Seele: Udo Seehausen aus Alfter.

ALFTER. Udo Seehausen hatte einen musikalischen Großvater, der noch auf dem Sterbebett Mundharmonika spielte. "Irgendetwas ist hängengeblieben", resümiert der selbstständige Musiker und Musikpädagoge aus Alfter rückblickend seinen Werdegang.

Seit 2002, also von Beginn an, tragen die Aufführungen des Freilichtwandertheaters Alfter Seehausens musikalische Handschrift, die durchaus ungewöhnlich ausfallen kann. Abflussrohre aus dem Baumarkt beispielsweise eignen sich perfekt, um auf den Boden gestampft einen guten Basston im Freien zu erzeugen. Mehr als 100 Stücke und Lieder hat Seehausen inzwischen für die Produktionen des Freilichtwandertheaters komponiert und getextet.

Er entwickelt sie parallel zum roten Faden und Textbuch der jeweiligen Aufführung und überlegt genau, welcher Musikstil zu welcher Szene passt, welche Instrumente auch draußen noch gut klingen und wie sein Ensemble aussehen muss. "Die Musik kommt einfach, mit dem Text muss ich ringen", beschreibt der 57-Jährige seinen Arbeitsprozess.

Zwischen Weihnachten und Ostern schlägt dann die Stunde der Wahrheit, wenn Seehausen dem Regieteam seine musikalischen Ideen für die neue Aufführung präsentiert. "Ich hoffe, dass möglichst viel angenommen wird. Meistens klappt das." So mancher Einfall kommt auch erst in der Probenphase. "Da noch ein Klang, dort noch ein Tusch."

Der Anfang seiner Musikerlaufbahn war typisch für die 60er Jahre und lautete: Blockflöte. "Ich habe brav gemacht, was meine Eltern mir gesagt haben." Durch den Besuch der Musikschule in Leverkusen, wo er aufgewachsen ist und später auch seine ersten Berufsjahre verbrachte, geriet Seehausen an weitere Instrumente wie Altflöte, Cello und Gitarre.

Damals war auch Querflöte angesagt, doch die Musikschule hatte dafür nicht genügend Lehrer und Instrumente. Also versuchte sich Seehausen an der Oboe und blieb daran "hängen": Oboe studierte Seehausen an der Musikhochschule Düsseldorf später als Hauptfach. Schon als Student bekam er dauernd ausrangierte Instrumente geschenkt und nahm sie immer gern, ob Trompete, Mandoline oder Schlagzeug. Wie groß die Sammlung alter Schätzchen ist, weiß er nicht genau. Er hat längst aufgehört, sie zu zählen.

Irgendwann kannte Seehausen sich mit allem etwas aus, egal ob Zupf-, Streich- oder Blasinstrument. Das kam ihm bereits bei seiner ersten Anstellung als Lehrer an der Musikschule Leverkusen entgegen. Ihm war Instrumentenkunde zum Anfassen wichtig und schon damals machte er musikalische Angebote für Menschen mit Behinderung. "Ich war von Anfang an fasziniert, welch intuitiven Zugang Menschen mit Behinderung zur Musik haben", so Seehausen.

Von seiner Instrumentensammlung profitierten auch spätere Schüler. Zum Beispiel die Kinder der Waldorfschule in Remscheid, wo er von 1979 bis 1990 unterrichtete, oder die Schüler der Johannes-Schule in Bonn.

An dieser heilpädagogischen Waldorfschule war Seehausen Musiklehrer von 1994 bis 2010, gründete dort ein Schulorchester und baute in der Region weitere Musikprojekte für Menschen mit Behinderung auf. Als sich die Anfragen zu diesem Arbeitsschwerpunkt häuften, versuchte er es mit Teilzeit im Schuldienst, doch schließlich machte er sich ganz selbstständig.

Bei den verschiedensten Theaterproduktionen ist nun Seehausens Kompositions- und Improvisationstalent gefragt. Für die 2015 geplante Aufführung des Theaterstücks "Jim Knopf und die wilde 13" (siehe nebenstehenden Bericht) durch das Freilichtwandertheater Alfter hat er noch nichts komponiert, aber in seinem Kopf arbeitet es schon: "Die zwölf Seemänner aus der Geschichte, die müssen grölen", ist er überzeugt.

"Jim Knopf und die wilde 13"

Räuber Hotzenplotz ist dingfest gemacht, jetzt plant die Freilichtbühne Alfter bereits ihr Theaterprojekt für das nächste Jahr. Auf dem Programm des Freilichtwandertheaters steht 2015 "Jim Knopf und die wilde 13", ein Kinderbuchklassiker von Michael Ende. Teil 1, "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", wurde bereits 2005 und 2006 aufgeführt.

Die Fortsetzung soll möglichst vielen Laienschauspielern die Mitwirkung auf der Theaterwiese am Buchholzweg in Alfter ermöglichen. Die Mitbegründer des Freilichtwandertheaters, Ralf Hafner und Bernhard Altfeld aus Alfter, die auch als Komikerduo "Die Kavaliere" bekannt sind, bilden erneut die Säulen der neuen Produktion.

Die Rolle des Lokomotivführers übernimmt Ralf Hafner, Regie führt Bernhard Altfeld. Der Verein Freilichtbühne lädt zum Mitmachen ein: Gebraucht werden Menschen jeden Alters, die mit Schaufel, Hammer, Pinsel oder Nähmaschine umgehen können, sich an Kulissenbau und Kostümschneiderei beteiligen wollen, oder schauspielern und musizieren möchten. Auch Kinder unter 14 Jahren dürfen mitspielen, allerdings nur, wenn mindestens ein Elternteil ebenfalls an der Produktion beteiligt ist.

Interessenten können mit dem Vorstand Kontakt aufnehmen unter der E-Mail-Adresse info@freilichtbuehnealfter.de.