Kämpfer für eine gerechtere Welt

Andreas Englisch spricht in Oedekoven über Papst Franziskus

Vielen seiner Zuhörer erfüllt Andreas Englisch den Wunsch nach einer Buchwidmung.

Vielen seiner Zuhörer erfüllt Andreas Englisch den Wunsch nach einer Buchwidmung.

Alfter. Der Satz einer Freundin, „Das schaffst Du nie, den Englisch nach Alfter zu holen“, nahm Erika Mager, als persönliche Herausforderung an, das Gegenteil zu beweisen. Nun konnte sie am Freitagabend in der Pfarrkirche den Autor und Vatikan-Kenner Andreas Englisch begrüßen.

„Als ich angefangen habe, die Päpste zu begleiten“, sagte Andreas Englisch, der seit 1987 als Journalist und Publizist in Rom lebt und den Vatikan als seinen Arbeitsplatz bezeichnet, „da war ich kein Christ. Ich war ein ganz normaler rebellischer junger Mann aus Hamburg und Kirche interessierte mich überhaupt nicht.“

Die Katharsis, die Englisch in den letzten 30 Jahren erlebt haben muss, hat ihn inzwischen nicht nur zum profunden Kenner von Päpsten und der Kurie des Vatikans gemacht, sondern auch zu einem gläubigen Katholiken und vielgefragten Bestsellerautor sowie häufigen Gast in TV-Talkshows.

Der Satz einer Freundin, „Das schaffst Du nie, den Englisch nach Alfter zu holen“, nahm die Leiterin der Katholischen öffentlichen Bücherei von Sankt Maria Himmelfahrt, Erika Mager, als persönliche Herausforderung an, das Gegenteil zu beweisen. Eineinhalb Jahre später konnte sie am Freitagabend in der mit mehr als 250 Zuhörern selten vollen Oedekovener Pfarrkirche den prominenten Autor begrüßen. „Wir hätten auch das Doppelte an Karten verkaufen können, wir hatten nur keinen Platz mehr“, bedauerte Mager.

Alle Veranstaltungen ausverkauft

„Seit Franziskus zum Papst gewählt wurde“, staunte auch Englisch, „sind alle Veranstaltungen ausverkauft.“ Franziskus habe einen unglaublichen Boom ausgelöst. Plötzlich kämen sie alle in seine Lesungen: Protestanten, Nichtgläubige, Katholiken. Auf die Frage, woran das liegen könne, zuckte Englisch mit den Schultern: „Keine Ahnung!“ Alles, was er wisse, sei, dass etwa 90 Prozent weniger Interessierte bei Ratzinger gekommen seien.

Später am Abend gibt er dafür doch noch eine Erklärung. Mit Papst Franziskus sei ein Praktiker auf der Bühne erschienen. Ein Mann, der die Sorgen und Nöte der 1,2 Milliarden Katholiken im Blick habe. Ratzinger sei als Papst Benedikt XVI. dagegen der Theoretiker gewesen, der „seinen Laden nicht im Griff gehabt“ habe. Die Pfarrer Rainald M. Ollig und Georg Theisen nickten nachdenklich zustimmend in der ersten Bankreihe ihrer Kirche.

Benedikt XVI., der erste deutsche Papst seit Hadrian VI. (1523) und der zweite Papst in der Geschichte, der freiwillig von seinem Amt zurücktrat, habe den Fehler gemacht, den Vatikan und damit die Kurie in jedem Jahr von Juni bis Oktober verlassen zu haben. Dann habe er sich in seine Sommerresidenz nach Castel Gandolfo zurückgezogen und sich seinen theologischen und kirchenpolitischen Fragen gewidmet. „Und Sie wissen ja, wie es ist, wenn der Chef nicht im Haus ist“, sagte Englisch.

Kämpfer im Vatikan

Ganz anders dagegen der „Kämpfer im Vatikan“, wie er Papst Franziskus im Titel seines aktuellen Buches nennt. Ihm gilt neben Johannes Paul II. Englischs ganze Sympathie. Über eine Stunde lang berichtete er von seinen Beobachtungen, in denen der Argentinier Jorge Mario Bergoglio als Papst Franziskus mit seiner den Jesuiten eigenen Bescheidenheit den Kardinälen Roms das Fürchten lehrt. Franziskus nennt sie „einen Haufen gottloser Bürokraten“, die nur auf Machterhalt aus seien und wirft ihnen vor, Christus vergessen zu haben und in einer spirituellen Leere zu leben.

Englisch gelingt es an dem Abend ein Bild eines Papstes zu zeichnen, der sich für eine gerechtere Welt einsetzt. Der Vatikan-Kenner tut das mit vielen kleinen und erheiternden Geschichten, die seine Zuhörer amüsieren, bisweilen laut auflachen lassen. Viele dieser zunächst nur unterhaltsam erscheinenden Episoden werden noch eine nachhaltige Wirkung entwickeln können. „Das war weit mehr, als ich erwartet habe“, sagte Reinhold Gärtner, der aus der Eifel angereist war, um den bewunderten Autor zu erleben.