Gegen Hochwasserrückhaltebecken

Alfterer kämpfen für Broichpark

Volker Helwich an einem der beiden Teiche im Broichpark. (Archivfoto)

Volker Helwich an einem der beiden Teiche im Broichpark.

ALFTER. Nach dem Konzept zur Minimierung der Überschwemmungsgefahr in Alfter fordern die Broichpaten den Erhalt der Grünfläche, die einem Hochwasserrückhaltebecken weichen soll.

Ein Hochwasserrückhaltebecken im Broichpark sollte auch künftig keine Option zur Eindämmung von Überschwemmungen bei Starkregen im Alfterer Ortskern sein. Diese Position vertreten die Broichpaten, die diese Grünanlage ehrenamtlich pflegen. Ihr Sprecher Volker Helwich: "Die seinerzeit in einem schwierigen Prozess gefundene Entscheidung, zukünftig ohne den Standort Broichpark für ein Hochwasserrückhaltebecken auszukommen, sollte weiter verfolgt werden."

Die Broichpaten reagieren damit auf das fortgeschriebene Konzept zur Minimierung der Überschwemmungsgefahr in der Ortslage Alfter, das jüngst im Betriebsausschuss vorgestellt wurde. Dabei kam heraus, dass der angestrebte Schutz vor Unwettern, die statistisch gesehen alle hundert Jahre vorkommen können (HQ 100), für den unteren Stühleshof nicht gewährleistet sei, wenn das von den Ingenieuren vorgeschlagene Hochwasserrückhaltebecken im Broichpark entfällt. Das hatte Martin Dörr vom beauftragten Ingenieurbüro Osterhammel auf Nachfragen von Ausschussmitgliedern gesagt.

Für den Schutz des Broichparks hatten sich 2013 Bürgerschaft, Broichpaten und Politik stark gemacht, nachdem der erste Entwurf für ein Konzept zum Schutz vor Überschwemmungen vier Standorte für ein Hochwasserrückhaltebecken vorsah, davon eines im Broichpark. Aufgrund der Proteste dagegen wurde eine Überarbeitung des Konzeptes in Auftrag gegeben - und zwar ohne Berücksichtigung des Broichparks. "Es gibt mindestens vier Gründe für die Richtigkeit der vor gut einem Jahr gefällten Entscheidung", beschreibt Helwich die Position der Broichpaten:

  • Demnach handelt es sich bei dem Broichpark um eine "wertvolle Grünfläche" und einen "lebenswichtigen Bestandteil des historischen Ortskerns von Alfter". Er sei "ein Teil der Ortsgeschichte", naturnahes Biotop, sorge für ein gutes Ortsklima, habe große soziale Bedeutung und biete eine häufig genutzte fußläufige Verbindung ins Ortszentrum.
  • Das jetzt vorliegende Hochwasserkonzept führt laut den Broichpaten eine Fülle von möglichen Maßnahmen auf, um die Zielvorgabe HQ 100 auch ohne das Hochwasserrückhaltebecken Broichpark zu erfüllen. Die Unterlage enthalte keinen Hinweis, dass diese Zielvorgabe nicht erreicht werden kann.
  • Der Broichpark liegt in einem geologisch sehr kritischen Gebiet von Alfter. Das bewiesen die Kanalbaumaßnahmen in Olsdorf mit ihren folgenschweren Auswirkungen für die Anwohner und explodierenden Baukosten. Es ist deshalb zu befürchten, dass umfangreiche Erdarbeiten für ein Rückhaltebecken im Broichpark schwer kalkulierbare Auswirkungen auf das umgebende Areal zur Folge haben können.
  • Das Konzeptpapier weist darauf hin, dass jedes Hochwasserrückhaltebecken ein Risiko bedeutet. Bei außergewöhnlichen Regenfällen kann es zum Überlauf beziehungsweise Dammbruch kommen. In diesem Fall wird das unterhalb gelegene Gebiet unkontrolliert überflutet. Auf Grund seiner direkt anschließenden Wohnbebauung wäre dies beim Hochwasserrückhaltebecken Broichpark geradezu katastrophal.

In der Stellungnahme der Broichpaten führt Helwich weiter aus, dass gemäß dem überarbeiteten Konzept die Verringerung von Versiegelungsflächen im Alfterer Hangbereich erhebliches und schnell realisierbares Potenzial für die Verbesserung des Hochwasserschutzes biete, um den angestrebten Schutzgrad HQ 100 zu erreichen.

"Konkretes Zahlenmaterial, zum Beispiel darüber, welche Niederschlagsmenge je 1000 Quadratmeter versiegelter Fläche anfällt, würde eine fundierte Diskussion des Hochwasserschutzes ermöglichen." Helwich schlägt vor, "pragmatisch" mit den leichter realisierbaren, wirkungsvollen und weniger kostenintensiven Maßnahmen anzufangen, um schnell Erfolge zu erzielen.

Der Broichpark

Der Broichpark im Herzen von Alfter beginnt am Ende der Bachstraße und erstreckt sich zwischen den Straßen Olsdorf und Görreshof. Die Grünfläche umfasst rund 4000 Quadratmeter und wird als fußläufige Verbindung, als Aufenthaltsort für Jung und Alt sowie von Hundebesitzern als Auslauffläche gern genutzt.

Zwei Teiche, ein kleiner Bachlauf und viele Quellen inmitten von Rasenflächen und hohem Baumbestand kennzeichnen die Naturidylle. Sie wurde in ihrer heutigen Form in den 70er Jahren von der Gemeinde Alfter angelegt. In dem Park steht auch ein Pumpenhäuschen, das zwischen 1920 und 1930 direkt über einer ergiebigen Quelle gebaut wurde. Eine Pumpe drückte seinerzeit das Wasser über eine Rohrverbindung zu einem Wasserspeicher in der Nähe des Gemeindefriedhofes. Von dort wurde der Ort Alfter bis Anfang der 60er Jahre mit Wasser versorgt.

Seit 2012 kümmern sich die Broichpaten, die seit 2008 ehrenamtlich den Park pflegen, auch um die Restaurierung des Pumpenhäuschens mit seiner weitgehend erhaltenen Technik. Als "Arbeitsgruppe Wasser" haben sich die Broichpaten Anfang 2013 dem Förderverein "Haus der Alfterer Geschichte" angeschlossen.