Kunst und Kultur in Alfter

Alanus Sommerakademie besteht seit 30 Jahren

Andrea Heidekorn (links) und Stefanie Gather erinnern sich mit alten Fotografien an längst vergangene Tage.

Andrea Heidekorn (links) und Stefanie Gather erinnern sich mit alten Fotografien an längst vergangene Tage.

Alfter. 3000 Teilnehmer seit 1998: Mit einem Fest wurde jetzt der runde Geburtstag der Sommerakademie der Alanus Hochschule gefeiert. Und nicht nur das - denn ein noch älteres Jubiläum gab Anlass zum Feiern.

Gleich zwei Jubiläen wurden am Samstag unter dem Motto „Kunst ist ein Fest“ im Innenhof des Campus I der Alanus Hochschule, dem Johannishof in Alfter, gefeiert. Vor 50 Jahren gründete sich 1969 der Verein der Alanus Gesellschaft, das heutige Alanus Forum für interkulturellen Dialog, und drei Jahrzehnte ist es her, dass 1989 im Johannishof mit einem Specksteinkursus die erste Sommerakademie stattfand. Diese führte im Laufe der Jahrzehnte rund 3000 Teilnehmer auf die Vorgebirgshöhen.

Eurythmie-Professorin Andrea Heidekorn, die zusammen mit Stefanie Gather und Janina Hutschenreuter das Vorstandstrio des Alanus Forums bildet, erinnerte in einem pünktlich zum Jubiläum erschienenen Buch über 30 Jahre Sommerakademie an die Anfänge der Alanus Hochschule. „Der Impuls zur Gründung der Alanus Hochschule ging von Wilfried Ogilvie zusammen mit engagierten Künstlern, Ärzten und Architekten aus dem anthroposophischen Umfeld rund um Stuttgart aus“, heißt es dort. Der Plan sei damals gewesen, eine Ausbildungsstätte zu gründen, in der ein neuer Kunstimpuls Raum greifen sollte, der die Künste selbst sowie ihr Zusammenwirken als einen Schulungsweg verstanden wissen wollte.

Am Anfang packten alle mit an

Dem Bildhauer Heinz Häußler ist es demzufolge zu verdanken, dass sich die Alanus Hochschule in Alfter ansiedelte. Nach langer Suche fand das Gründungsmitglied den damals noch verborgenen und als „ziemlich verfallen“ beschriebenen Johannishof, in dem jedoch schon 1973 mit 30 Studierenden die Eröffnung der Kunstschule gefeiert werden konnte. „Jeder Kurs musste sich erst einmal einen eigenen Arbeitsraum herrichten und ausbauen“, fasst Heidekorn in ihrer geschichtlichen Darstellung der Gründungsjahre zusammen.

Alle mussten damals mit anpacken. Festgelegte Renovierungsarbeiten und Baumaßnahmen wechselten sich mit künstlerischer Lehre und Arbeit ab. Geputzt und gekocht wurde gemeinsam. Es war nicht immer erkennbar, wer Dozent oder Student war. „Nur die Alfterer erkannten immer ziemlich schnell, wer zur Alanus gehörte und wer nicht“, so Gather. Gemeinsam wurde die Hochschule ausgebaut. „Ein tiefes und wirksames Gemeinschaftserlebnis ging von diesen Arbeiten aus“, beschreibt Heidekorn diese Zeit.

Alte Fotos fördern die Erinnerung

Man könne sich heute nicht mehr vorstellen, sagte Gather in ihrer Begrüßung der rund 50 Festgäste, dass die damaligen Gründer alles aus ihrer Eigeninitiative heraus geschaffen hatten. „Ohne Anträge oder irgendwelche Sicherungen, ohne die heute gar nichts mehr geht“, so die Leiterin der Sommerakademie. „Die haben es einfach gemacht.“ In wenigen Jahren wurden die wichtigsten Unterrichtsräume ausgebaut und erweitert sowie Werkstätten, Gärtnerei und ein Kindergarten im Alfterer Schloss angegliedert. Ein gemeinschaftliches Wirtschaften sei damals zwar geplant gewesen, aber immer wieder nur in Teilen verwirklicht worden, führte Gather aus. Mal nachdenklich und gerührt sowie oft auch amüsiert betrachten sie und Heidekorn die Memorabilien aus 30 Jahren Sommerakademie, die auf einem Tisch ausgelegt sind.

Neben Programmheften und Plakaten sind es vor allem die Kartons mit Fotografien aus der Anfangszeit, die auch einige der anwesenden Festgäste in ihren jungen Jahren zeigen. Sie wäre damals sicherlich Lehrerin geworden, wenn ihr als Abiturientin nicht ein Berufsberater des heimatlichen Arbeitsamtes in Mönchengladbach einen Flyer der Alanus Hochschule gezeigt hätte, berichtete Gather. Als ihr dann Ende der 80er Jahre Andreas Kienlin, der heutige Fachbereichsleiter für Bildhauerei, auf die Schulter klopfte und fragte, ob sie nicht mal einen Specksteinkursus anbieten wolle, konnte noch niemand ahnen, dass damit die nun 30-jährige Erfolgsgeschichte der Sommerakademie begann.