Prozess vor dem Bonner Landgericht

82-Jährige stellt falschen Polizisten eine Falle

Zwei der drei Angeklagten mit ihren vier Rechtsanwälten vor dem Bonner Landgericht.

Zwei der drei Angeklagten mit ihren vier Rechtsanwälten vor dem Bonner Landgericht.

Bonn/Alfter. Falsche Polizisten: Vor dem Landgericht müssen sich drei Männer wegen Bandenbetrugs verantworten. Betrüger haben Senioren um Ersparnisse in Höhe von 170.000 Euro gebracht.

Der Trick der „Falschen Polizisten“ ist perfide, aber hocherfolgreich. Denn die Betrüger spielen raffiniert auf der Klaviatur der Angst, vor allem bei älteren Menschen: „Hallo, hier Kommissarin Fröhlich“, meldet sich im Februar 2018 eine weibliche Stimme bei einer 76-Jährigen in Daun/Eifel und warnt sie vor einer Einbrecherbande, die angeblich in ihrer Nachbarschaft unterwegs sei.

Zwei der Räuber seien gerade gefasst worden, dabei sei der Polizei eine Liste in die Hände gefallen, da stehe auch ihr Name drauf. Die 76-Jährige gerät in Panik. Die falsche Kommissarin – ganz besorgt – rät ihr dringend, Bargeld und Wertsachen, aber auch Erspartes auf der Bank, der Polizei zur Verwahrung zu übergeben. 77 000 Euro hebt die Seniorin schließlich bei ihrer Bank ab und überreicht sie einem jungen Mann, auf den sie ebenfalls vorbereitet wird: Der Polizeikollege habe ein südländisches Aussehen, erzählt ihr die Anruferin, und er weise sich mit den Worten aus: „Schöner Gruß von Schulz.“

Vor dem Bonner Landgericht müssen sich seit Donnerstag drei mutmaßliche „Falsche Polizisten“ im Alter von 24, 26 und 29 Jahren wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges verantworten. Neben dem Fall der 76-Jährigen in Daun werden ihnen vier weitere Fälle vorgeworfen, die sie bundesweit begangen haben sollen. Dabei haben sie Anfang des Jahres innerhalb von zwei Monaten eine Beute von 170 000 Euro gemacht.

Betrugsfälle in Türkei vorbereitet

Das Handwerk ist den drei Männern durch eine 82-Jährige aus Alfter gelegt worden. Auch sie glaubte zunächst den falschen Beamten und erzählte freimütig, dass sie 5000 Euro in bar und Schmuck zuhause habe. Als die Kommissarin sie jedoch aufforderte, auch noch ihre 100 000 Euro abzuheben, um das Ersparte angeblich vor korrupten Bankangestellten in Sicherheit zu bringen, wurde sie misstrauisch und informierte die echte Polizei. Zum Schein ging sie auf die Forderung ein. Bei der Übergabe von Geld und Schmuck an einen „Polizisten“ namens „Luigi“ an der Haustür wurden alle drei am 2. März 2018 festgenommen.

Die Angeklagten wollen sich zu den Vorwürfen äußern, erklärten sie gestern; der 26-Jährige hat sogar ein Geständnis angekündigt. Alle drei Männer – Deutsche mit türkischen Wurzeln – hoffen auf milde Strafen, da sie ja – so einer ihrer Verteidiger – „nur die kleinen Rädchen in einem großen Betrugs-System“ seien.

„Die Drahtzieher sitzen in der Türkei“, weiß Oberstaatsanwalt Patrick Wilhelm, von dort aus würden die Betrugsfälle vorbereitet und auch die geschickten Telefonate geführt. Die drei Angeklagten seien ausschließlich dafür eingesetzt worden, um das Bargeld an den Haustüren der Opfer abzuholen. Wie viel sie für den „riskanten Job an der Front“ bekommen haben, sei nicht bekannt. Der größte Teil der Beute jedenfalls wurde, laut Anklage, in die Türkei überwiesen.

„Rädchen hin oder her“: Für Oberstaatsanwalt Wilhelm, das wurde gestern in einem öffentlich geführten „Vorgespräch“ unter den Prozessbeteiligten deutlich, seien die Angeklagten dennoch Teil einer Bande. Ohne die kleinen Rädchen könnte das große Betrugssystem nicht funktionieren. Eine Haftstrafe unter fünf, sechs Jahren komme für ihn deswegen auch nicht in Frage.