Sommerakademie der Alanus Hochschule Alfter

„Hingabe mit allen Sinnen ist Glück“

Die Bonner Malerin Sonja Simone Albert erklärt den Teilnehmerinnen ihres Aktzeichenkurses worauf bei der Darstellung des menschlichen Körpers zu achten ist.

Die Bonner Malerin Sonja Simone Albert erklärt den Teilnehmerinnen ihres Aktzeichenkurses worauf bei der Darstellung des menschlichen Körpers zu achten ist.

ALFTER. In den Sommerkursen im Alanus-Werkhaus experimentieren die Teilnehmer bis zum 20. August mit Licht und Schatten, Farbe und Wahrnehmung. Es gibt noch freie Plätze - und öffentliche Veranstaltungen für Interessierte.

„An etwas Konkretem die Fragen der Kunst zu entfalten“, das ist einer der Gründe, warum das Aktzeichnen zum Ausbildungskanon vieler künstlerischer Studien gehört. So ist auch der zweiwöchige Zeichenkursus, den die Bonner Malerin Sonja Simone Albert in der inzwischen 27. Sommerakademie des Alanus-Werkhauses in Alfter gibt, ein viel genutztes Angebot.

„Am menschlichen Körper kann man alles üben“, erklärt Albert und ergänzt: „Ob ich mich mit Licht und Schatten beschäftige, mit Proportion, Komposition, mit der Frage nach Linie und Fläche, beim Aktzeichnen kommt alles zusammen und kann am Modell gelernt und überprüft werden“.

Der Gipsabdruck des eigenen Gesichtes als Grundlage des Maskenbaus, den die Kunsturlauber bei Silke Geyer erlernen können, zielt bereits bei dem Entstehungsprozess auf eine spätere Verwendung in Theaterstücken ab. Überdies kann während der vielschichtigen Erarbeitung einer Figur auf der Grundlage des eigenen Gesichts ein Alter Ego entstehen – so lernen es die Teilnehmer –, das im Spiel mit den Masken zu ungeahnten Empfindungen führen kann, die tragisch oder komisch sind und die Wahrnehmung der eigenen Person schärfen.

Die unter anderem an der Clownsschule in Paris ausgebildete Silke Geyer, die mit dem Theater „Wilde Hummel“ in Bochum ein eigenes Figurentheater betreibt, hat ihrem Kursus in der Alanus-Sommerakademie im Werkhaus das Motto „Hingabe mit allen Sinnen ist Glück“ gegeben. Und wenn man ihre Schüler beobachtet, sieht es so aus, als erfülle sich dies.

Überhaupt lässt sich aus den Leitsätzen, die die Dozenten für ihre Kursankündigungen auf Bitte von Stefanie Gather, der Leiterin der Sommerakademie, selbst formulierten, immer wieder eine besondere Art der Zugewandtheit erkennen. Das wiederum erklärt sich durch den anthroposophischen Ursprung der Alanus Kunsthochschule. So fragt der Australier Paul Pollock: „…und gibt es etwas Erfrischenderes als einen beherzten Schritt über die Grenzen?“. Er fordert damit seine Kursteilnehmer auf, die eigenen Grenzen über die künstlerische Arbeit kennenzulernen. Pollock sieht sich dabei als Fragensteller und Experimentbegleiter in einem.

An den Kursen von Malerei über Schauspiel und Eurythmie bis zu Akkordeonspiel beteiligen sich zudem zwei „Künstler vor Ort“ in den vier Wochen der Sommerakademie, die die besondere Atmosphäre des hoch auf dem Vorgebirgshang gelegenen Johannishofes für sich nutzen können. Für die Alfterer Architektin Ursula Rosiny-Moos geht mit dem Bau eines Labyrinths im geschützten Raum der Hochschule ein Traum in Erfüllung, genauso wie für die 26-jährige Larissa Mühlrad, die in Leipzig Kunst studiert.

Vor fünfzehn Jahren verließ sie mit ihren Eltern die gemeinsame Wohnung im Schloss Alfter, um in die Steiermark zu ziehen. Sie will nach eigenem Bekunden versuchen, auf den Spuren ihrer Kindheit ein Werk zu schaffen, das vielleicht auch ihren Heimatgefühlen einen Ausdruck verleihen kann.

„Die meisten Fotografen fotografieren nicht das Nichts, sondern das Etwas“, beschreibt Martin Timm den Minimalismus. Er möchte Hobbyfotografen seines Kurses dazu anregen, das Flüchtige zum Thema zu machen. Grundlage ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Natur, wie sie in der fernöstlichen Ästhetik vorkommt. So sollte es die Spaziergänger im Kottenforst nicht verwundern, wenn in den nächsten Wochen hier und da ein Fotograf auf den Bäumen sitzt.