Vortrag zur rheinischen Sprache in Alfter

„Hör' auf, du sprichst wie 'ne Immi!“

Luise Wiechert (rechts) hält auf Einladung von Sigrid Pippon vom Witterschlicker Heimatkulturverein und dem CDU-Vorsitzenden Holger Gratz einen Vortrag zur rheinischen Sprache.

Luise Wiechert (rechts) hält auf Einladung von Sigrid Pippon vom Witterschlicker Heimatkulturverein und dem CDU-Vorsitzenden Holger Gratz einen Vortrag zur rheinischen Sprache.

ALFTER-WITTERSCHLICK. Luise Wiechert erklärt mit viel Gefühl und großem Sachverstand die rheinische Sprache. Dabei gelang es der stellvertretenden Bürgermeistering, den Rheinländer zu durchleuchten und ihm Wahrheiten vor Augen zu führen.

„Ich bin ein Aborigine, eine echte Rheinländerin“, antwortete die stellvertretende Bürgermeisterin von Alfter, Luise Wiechert, auf die Frage nach ihrer Motivation, einen Vortrag über die rheinische Sprache zu halten. Etwas ernsthafter begründete sie ihr Anliegen mit der Sorge, dass die rheinische Mundart als Alltagssprache verloren gehen könne und nur noch auf Karneval und Klamauk reduziert werde.

„Wenn ich den Begriff ‚Heimat‘ für mich definiere, ist das Rheinland ohne seine Sprache nicht vorstellbar“, versichert Wiechert, die auf Einladung des Witterschlicker Heimatkulturvereins und im Rahmen der CDU-Themenwoche „Heimat“ im Haus Kessenich vor etwa einem Dutzend Zuhörern viel Wissenswertes zum Thema der heimatlichen Mundart vorzutragen hatte. „Am Anfang“, so Alfters CDU-Vorsitzender Holger Gratz, hätte Luise Wichert davon gesprochen, dass „vielleicht etwas Neues“ zu hören sei und am Ende konnte er in seinen Dankesworten resümieren, dass er „immens was gelernt“ habe.

Schon mehrfach hat Luise Wiechert im Alfterer Haus der Geschichte zum Thema der rheinischen Sprache Vorträge gehalten, wobei sie, nach eigenem Bekunden, immer für den ernsthafteren Teil zuständig gewesen war und die Anekdoten meist von anderen ergänzt wurden. Bei der Veranstaltung in Witterschlick hatte sie nun vor, beide Rollen zu übernehmen, was ihr auch auf eine amüsant kompetente Weise gelang.

Recherche mit ganzem Herzen

Selbst in den eher sprachwissenschaftlichen Anteilen ihres Vortrags ließ sie nie vergessen, dass hier eine Rheinländerin mit ganzem Herzen über ihre Sprache recherchiert hat. Eine Sprache, die in der Regel auch bei ihr zu Hause gesprochen wird. „Das geht so weit, dass ich manche Worte im Hochdeutschen gar nicht kenne: ‚Hösch‘ zum Beispiel, die ‚Hacke‘ wusste ich nicht, weil es ein Wort ist, das ich ja nur für unsere Gartenarbeit und innerhalb der Familie brauche“, erzählt sie ihren meist älteren Zuhörern, die kopfnickend bestätigen, dass es ihnen wohl ähnlich geht.

Doch die gelernte Bibliothekarin Wiechert beschränkte sich in ihrem Vortrag nicht nur auf die Wiedergabe der rheinischen Idiome, sondern drang etwas weiter in die linguistischen Tiefen des Rheinischen vor. So war zu erfahren, dass es sich bei dem Platt, das im Vorgebirge gesprochen wird, um das Dialektgebiet des Ripuarischen, was sich vom lateinischen „ripa“, dem Ufer, ableiten lässt, handelt. Die Ripuarier waren in der späteren römischen Zeit die an den Flussufern des mittleren Rheins, der oberen Maas, der Sieg, an Ahr und Rur siedelnden germanischen Franken. Im Süden werden wir von dem moselfränkischen Dialekt, im Norden von dem maasländischen und im Osten vom westfälischen Sprachraum begrenzt. Im Westen gibt es den „harten Schnitt“, da dort das Ripuarische auf die französische Sprache der Wallonie trifft.

Etwa 250.000 bis 750.000 Menschen sprechen noch das Ripuarische, was von drei bis fünf Millionen Menschen verstanden wird. Die großen Differenzen ergeben sich durch den Umstand, dass nur noch wenige, meist alte Menschen, ausschließlich Platt sprechen, jedoch viele jüngere es nur noch anwenden, um sich mit den älteren zu verständigen.

So sei es auch in ihrer eigenen Familie, „wenn mein Jüngster anfängt, Platt zu sprechen, sag ich, hör auf, du sprichst wie ne Immi“. Doch Luise Wiechert weiß, dass ihr Sohn alles versteht. „Und er versteht auch das, was man meint und nicht sagt“, denn da sei der Rheinländer „besonders groß drin, Dinge zu sagen, die er ganz anders meint“. So sei vor allem auch der Singsang, die Modulation des Landkölschen, mit dem unser engerer Sprachraum bezeichnet wird, sehr typisch für den Rheinländer, da er hier die Möglichkeit hat, ein und dasselbe durch unterschiedliche Intonation in das vollkommene Gegenteil zu verkehren.

Es gelang der stellvertretenden Bürgermeisterin, den Rheinländer zu durchleuchten und ihm Wahrheiten vor Augen zu führen, ohne dass er sich auch nur im Geringsten angegriffen fühlte. Eben typisch Rheinisch.