Nach Zugunglück in Bad Aibling

So funktioniert die Sicherheitstechnik bei Voreifelbahn und Linie 18

Unter der Kottenforststraße in Volmershoven verläuft die Voreifelbahn eingleisig.

Unter der Kottenforststraße in Volmershoven verläuft die Voreifelbahn eingleisig.

11.02.2016 RHEIN-SIEG-KREIS. Nach dem schweren Zugunglück im bayerischen Bad Aibling, bei dem auf einer eingleisigen Strecke zwei Regionalzüge frontal zusammenstießen, rückt auch die Sicherheit auf anderen eingleisigen Strecken in den Fokus.

So steht für die Voreifelbahn (S 23) zwischen Euskirchen und Bonn sowie die Straßenbahnlinie 18 zwischen Köln und Bonn auf einigen Abschnitten nur ein Gleis für Züge in beide Fahrtrichtungen zur Verfügung. Der GA hat dazu bei der Deutschen Bahn und der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) nachgefragt.

Die Deutsche Bahn möchte sich im Zusammenhang mit dem Zugunglück zu einzelnen Streckenverläufen nicht äußern, teilt ein Sprecher mit. „Die Bahn ist eines der sichersten Verkehrsmittel. Sicherheit ist bei uns oberstes Gebot“, heißt es allgemein in der schriftlichen Antwort. Die Bahn betont dabei: „Bei unseren Sicherheitseinrichtungen unterscheiden wir nicht nach ein- und zweigleisigen Strecken. Deshalb ist auch die Annahme, eingleisige Strecken seien weniger gesichert, nicht richtig.“

Grundsätzlich seien alle Strecken mit der sogenannten Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) ausgestattet. Diese Sicherungseinrichtung, die bis Tempo 160 greift, soll dafür sorgen, dass ein Zug zum Stehen kommt, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässige Geschwindigkeit nicht eingehalten wird. Die Informationsübertragung und die Überwachung erfolgen punktförmig durch Sensoren am Gleis und am Fahrzeug: Überfährt ein Zug ein haltzeigendes Signal, wird er automatisch gebremst.

Tempo der Züge wird überwacht

Außerdem überwacht das System nach Angaben der Bahn an bestimmten Stellen das Tempo des Zuges: Ist er an den Messpunkten, etwa vor einer engen Kurve, zu schnell, wird der Zug automatisch gebremst. Von dem insgesamt rund 33.200 Kilometer langen deutschen Schienennetz sind laut der Bahn rund 15.000 Kilometer eingleisig. Dazu zählen die Abschnitte der S 23 zwischen Witterschlick und Meckenheim-Kottenforst sowie zwischen Rheinbach und Euskirchen-Kuchenheim.

Auch für die Straßenbahnen der Linie 18 steht zwischen Alfter und Dransdorf, Bornheim und Roisdorf-West, Waldorf und Bornheim, Schwadorf und Merten sowie zwischen Brühl-Mitte und Schwadorf jeweils nur ein Gleis zur Verfügung. Wie Michael Fuchs, Pressesprecher der HGK, erklärt, wird auf der gesamten von der HGK betriebenen Strecke der Linie 18 zwischen Klettenbergpark und Stadtgrenze Bonn eine sogenannte Gleisfreimeldeanlage eingesetzt. Diese hochwertige Signaltechnik gewährleiste zuverlässig einen sehr hohen Sicherheitsstandard, so Fuchs.

Fahrsperre bremst automatisch

Sie stellt mittels Impulsgebern am Gleis vollautomatisch fest, in welchen Streckenabschnitten Bahnen unterwegs sind und welche frei sind. Sobald eine Bahn in einen bestimmten Abschnitt einfährt, wird dieser als „besetzt“ gemeldet. Das bedeutet, dass in der Gegenrichtung sämtliche Signale auf Halt stehen. Sollte ein Bahnfahrer das Haltesignal verbotswidrig überfahren, wird die Bahn laut HGK durch eine Fahrsperre automatisch gebremst. Die automatischen Prozesse werden zusätzlich durch einen Fahrdienstleiter im Stellwerk in Hürth-Kendenich überwacht. Dort kann dieser jederzeit sehen, in welchen Abschnitten welche Bahnen unterwegs sind. Außerdem kann er mit jedem Fahrer per Funk kommunizieren.

Auch der Zugverkehr der Deutschen Bahn wird durch bundesweit rund 3000 Stellwerke gesteuert und überwacht. In diesen stellen mehr als 12.000 Fahrdienstleiter die Weichen und Signale für bestimmte Streckenabschnitte.

 

(Antje Jagodzinski)