Passagiere der Kleinbuslinie 680 in Alfter sind verärgert

Endstation Bahnschranke

Ein Bus der Linie 680 in Richtung Alfter, dahinter der Bahnübergang im Weck-Werk.

Ein Bus der Linie 680 in Richtung Alfter, dahinter der Bahnübergang im Weck-Werk.

26.01.2016 Alfter-Oedekoven/Duisdorf. Es ist eine Szene, wie sie Manuela Darkow und Rosemarie Heiliger an vielen Tagen auf dem Weg zur Arbeit erleben. Die beiden Frauen aus Oedekoven sitzen in einem Kleinbus der Linie 680, als dieser um 9.03 Uhr aus Richtung Alfter kommend am Bahnübergang am Weck-Werk vor der geschlossenen Schranke hält.

Auch als der Zug in Richtung Euskirchen durchgefahren ist, bleibt die Schranke geschlossen. Eine Minute. Zwei Minuten. Und so weiter. Um 9.09 Uhr fährt der Zug in Richtung Bonn durch. Darkow und Heiliger blicken ihm hinterher. Auch an diesem Tag werden sie ihn nicht mehr bekommen. Nach sieben Minuten öffnet sich die Schranke wieder.

Als der Bus den Bahnhof Duisdorf erreicht, fährt der Zug gerade ab. Den beiden Frauen und anderen Passagieren des Busses bleibt nichts anderes übrig, als 15 Minuten zu warten, bis der nächste Zug nach Bonn kommt. Was Darkow und Heiliger dabei ärgert: Es gibt Tage, an denen sich die Schranke zwischen den beiden Zugdurchfahrten öffnet.

„Das ist wirklich ärgerlich“, sagt Heiliger, die seit 25 Jahren beruflich pendelt. „Auch die Busfahrer sind genervt“, ergänzt Darkow, Pendlerin seit sieben Jahren. Zumal die im Dezember vergangenen Jahres eingerichtete Linie 680 sehr zuverlässig und pünktlich sei, fügt sie hinzu. Man habe das Gefühl, das Schließen und Öffnen der Schranken geschehe nach reiner Willkür.

Von Willkür könne jedoch keine Rede sein, erläutert Dirk Pohlmann von der Pressestelle der Deutschen Bahn auf Anfrage des General-Anzeigers. In der Tat sei es planmäßig, wenn die Schranke zu der beschriebenen Zeit sieben Minuten geschlossen bleibe. Das liege daran, dass die Züge auf den Schienen bestimmte Kontakte auslösen, damit sich die Schranke schließe beziehungsweise öffne. Eine manuelle Steuerung der Schranke erfolge nicht.

In den Fällen, in denen sich die Schranke zwischen den beiden Zugfahrten öffne, liege das daran, dass der zweite Zug verspätet sei. Dann löse der erste Zug den Kontakt zum Öffnen der Schranke aus, bevor das zweite Fahrzeug den Kontakt zum Schließen betätige, so Pohlmann weiter. Eine kurzfristige Änderung sei nicht möglich. Zudem räume man den Zügen Vorrang im Verkehr ein, sagt der Pressesprecher.

Vonseiten der Bahn können Darkow, Heiliger und andere Passagiere der Linie 680 also keine Hilfe bei ihrem Problem erwarten. Doch wie sieht es bei den Stadtwerken Bonn (SWB), dem Betreiber der Buslinie, aus? Wie SWB-Sprecherin Veronika John sagt, freue man sich immer über Hinweise von Reisenden über Probleme im Linienverkehr. Aus Sicht der Stadtwerke funktioniere die neue Linie 680 bislang gut.

Generell sei es nicht so einfach möglich, den Fahrplan der Linie um einige Minuten anzupassen, damit die Busse nicht vor der geschlossenen Schranke warten müssten, erläutert John. Selbst ein, zwei Minuten könnten massive Auswirkungen auf den Fahrplan, Anschlüsse zu anderen Linien und den Einsatz von Personal sowie Fahrzeugen haben. Sprich: Das könnte sehr teuer werden.

Eine Verbesserung der Situation für die Pendler, die von der Linie 680 in den Zug nach Bonn wechseln wollen, ist also nicht in Sicht. Ob sie die Voreifelbahn erreichen, bleibt weiterhin ein Glücksspiel. (Christoph Meurer)