Fall Trudel Ulmen: Tag zwei im Prozess - Ein qualvoller Tod | GA-Bonn

Fall Trudel Ulmen

Tag zwei im Prozess - Ein qualvoller Tod

BONN/RHEINBACH.  Trudel Ulmen muss einen langsamen, qualvollen Tod gestorben sein. Am zweiten Tag im Prozess gegen den Ehemann der vor 16 Jahren angeblich verschwundenen und in Wahrheit von ihm getöteten Frau schildert der Bonner Rechtsmediziner, Professor Burkhard Madea, dem Bonner Schwurgericht, wie lange es dauert, einen Menschen mit dem Kissen zu ersticken.
So sieht es heute in der Nähe des Fundortes bei Rottbitze aus. Dort hatte ein Radfahrer vor 16 Jahren die Leiche von Trudel Ulmen entdeckt. Foto: Frank Homann

Und er erklärt: Hört man auf, sobald das Opfer ohnmächtig ist, setzt die Atmung meistens spontan wieder ein. Der 57-jährige Angeklagte hört ihm aufmerksam zu, er hatte am ersten Prozesstag geschildert, er habe seine vor Wut tobende Frau am 20. März 1996 nicht töten, sondern nur ruhigstellen wollen, um mit ihr zu reden.

Warum sie so getobt haben soll, konnte er indes nicht nachvollziehbar erklären. Völlig fertig sei er gewesen, als er ihre "leeren offenen Augen gesehen" habe und ihm sein Tun klar geworden sei. Dennoch hatte er sofort begonnen, die Tat zu vertuschen: Er verpackte die Tote in blaue Plastiksäcke und fuhr sie mit dem Auto in ein Waldstück bei Rottbitze, wo er sie vergrub. Dann brachte er ihr Auto zu ihrem Arbeitsplatz an der Rehaklinik Bad Godesberg und ging zur Arbeit. Abends rief er die angeblich beste Freundin seiner Frau an und erstattete mit ihr bei der Polizei Vermisstenanzeige.

Am 18. Juli 1996 fand ein Radfahrer die Tote. Dass es Trudel Ulmens Leiche war, ahnte niemand, denn nur vier Tage nach deren angeblichem Verschwinden hatte der Angeklagte der Polizei, Angehörigen und Freunden erklärt, Trudel habe angerufen, sich entschuldigt und gesagt, sie sei mit einem portugiesischen Geschäftsmann ins Ausland gegangen. Bei der Polizei gab es keinen Vermisstenfall mehr.

Wie und wo die vermeintlich unbekannte Tote damals gefunden wurde, schildert der Kriminalbeamte Michael Brück. Und es wird klar: Der Angeklagte muss sie ein ganzes Stück getragen haben, bevor er sie vergrub. "Nur 40 bis 50 Meter", erklärt der nun. "Na, ja, das ist ja doch ein ganzes Stück", kommentiert Schwurgerichtsvorsitzender Josef Janßen. 300 Spuren, so der Polizist, habe man damals verfolgt, keine Spur habe was gebracht.

"Aber die Spur 24", so Richter Janßen, "die wäre es gewesen." Spur 24 war der Hinweis eines Arbeitskollegen von Trudel Ulmen, der die Polizei auf einen möglichen Zusammenhang hinwies. Doch die gab sich damals mit der Auskunft des Angeklagten zufrieden, die an der unbekannten Toten gefundene Kleidung gehöre nicht seiner Frau. Und auch das Zahnbild passe nicht.

Mit bewundernswerter Fassung folgt Trudel Ulmens Bruder Thomas Lenerz den schwer erträglichen Schilderungen von Rechtsmediziner und Polizist. Und er hört aufmerksam zu, als die damals als einzige vom Angeklagten herbeigerufene Freundin als Zeugin aussagt. Die 46-Jährige, eine Kollegin aus Trudel Ulmens kurzer Zeit als Mitarbeiterin im Arbeitsamt, blickt immer wieder zum Angeklagten hin. Der lässt sie nicht aus den Augen, als sie berichtet, wie Trudel eine enge Freundin geworden sei, mit der sie viel unternommen habe.

Sie schildert Trudels Ehe mit dem Angeklagten als "toll". Über Eheprobleme habe Trudel nichts berichtet. Nur einmal habe sie gesagt: "Über Treue braucht mir niemand was zu erzählen." Sie habe nie nachgefragt, so die Zeugin. Nach Trudels Verschwinden habe sie eine Zeit lang mehr Kontakt zum Angeklagten gehabt. Bis seine zweite Frau diesen Kontakt nicht mehr gewollt habe. Diese Frau, die er schon vor Trudels Tod gekannt habe, sei bald bei ihm eingezogen. Erst vor sechs Jahren, seit seiner dritten Ehe, habe sie mit ihm wieder mehr Kontakt.

Sie habe ihm damals geglaubt. Und auch nicht nachgefragt, als er gesagt habe, das Kind, dass Trudel Anfang 1996 durch eine Fehlgeburt verloren habe, könne nicht von ihm gewesen sein. Laut DNA-Abgleich war es sehr wohl sein Kind. Dass der Angeklagte der Zeugin vier bis sechs Wochen nach Trudels angeblichem Verschwinden deren Nerzmantel und andere Kleider schenkte, bestätigt sie auf die Frage des Richters.

Ob sie ihn nicht gefragt habe, warum er so sicher sei, dass Trudel nicht wiederkomme, fragt der Richter. Sie habe gar nichts hinterfragt, erklärt sie. Und sagt: "Ich habe den Pelzmantel behalten für den Fall, dass Trudel wiederkommt." Wieder geht ihr Blick zum Angeklagten. Dass sie als angeblich beste Freundin so wenig nachfragte, irritiert nicht nur Trudel Ulmens Bruder.

Auch der nächsten Zeugin, einer Nachbarin, machte der Angeklagte klar, dass er die Vaterschaft von Trudels Kind bezweifle. "Er hat nach der Tat mit Schmutz nach ihr geworfen", sagt die 48-Jährige. Sie bestätigt, dass die zweite Frau, die sie schon vor Trudel Ulmens Tod mit dem Angeklagten Karneval zusammen gesehen habe, schnell im Haus gewesen sei. Als die Zeugin, der es gesundheitlich nicht gut geht, den Saal verlassen will, bricht sie ohnmächtig zusammen. Die Zuschauer sind geschockt. Ein Rettungswagen holt sie ab. Nächste Woche werden weitere Zeugen aus dem Lebensumfeld von Trudel Ulmen und ihrem Mann gehört.

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Der Fall Trudel Ulmen