Fall Trudel Ulmen: GA-Reporter Wolfgang Kaes musste in den Zeugenstand | GA-Bonn

Fall Trudel Ulmen

GA-Reporter Wolfgang Kaes musste in den Zeugenstand

BONN.  Wie dankbar Trudel Ulmens Bruder Thomas Lenerz war, dass sich jemand nach all den Jahren für den Verbleib seiner Schwester interessierte, schildert an diesem ersten Prozesstag GA-Reporter Wolfgang Kaes im Zeugenstand. Das Schwurgericht will ihn als Zeugen hören, um ein Bild von der ersten Reaktion der Familie zu bekommen. Und Kaes war der erste, der Ende vergangenen Jahres an Lenerz herantrat, um zu erfahren, wieso dessen Schwester seit 1996 spurlos verschwunden war.
Kurz vor Prozessbeginn: Nebenkläger Thomas Lenerz im Gespräch mit seiner Anwältin Gudrun Roth.
							Foto: Max Malsch
Kurz vor Prozessbeginn: Nebenkläger Thomas Lenerz im Gespräch mit seiner Anwältin Gudrun Roth. Foto: Max Malsch

Im Gespräch mit Lenerz habe er den Eindruck gewonnen, dass der nicht mehr daran glaubte, dass seine Schwester noch lebte, obwohl der nun angeklagte Schwager die Familie seit 1996 mit Geschichten versorgte, um sie genau das glauben zu machen. Lenerz habe ihm berichtet, so Kaes, dass die Familie sogar eine Wahrsagerin bemüht habe, um herauszufinden, wo Trudel stecke. Auch habe ihm Lenerz geschildert, wie oft die ältere Schwester bei der Polizei in Bonn angerufen und zu hören bekommen habe: Da könne man nichts machen.

Aber das Gericht will von dem Zeugen auch wissen, wie die Polizei sich verhalten habe, als er sie mit seinen Recherchen konfrontierte. Der erste Beamte, mit dem er über den Fall gesprochen habe, so Kaes, habe ihm zu verstehen gegeben: Auch er glaube, da stimme was nicht mit der Geschichte vom spurlosen Verschwinden. Doch als dieser Beamte krank geworden sei, hätten andere Kriminalbeamte den Fall übernommen, und er habe den Eindruck gehabt, sie seien nicht wirklich interessiert.

Diesen Eindruck habe ihm damals Anfang des Jahres Thomas Lenerz bestätigt und geschildert: Er sei von den Beamten nicht gut behandelt worden, sie hätten ihm das Gefühl gegeben, er sei lästig. Denn als er den Polizisten einen vollen Aktenordner mit Unterlagen zum Verschwinden seiner Schwester überreicht habe, habe er ihn zurückerhalten mit der Anmerkung: "Da steht ja nichts Wichtiges drin."

Nach weiteren Veröffentlichungen zu dem Fall sei er noch einmal von der Polizei geladen worden, schildert Kaes. Diesmal habe ihn ein leitender Beamte befragt, und der sei sehr interessiert gewesen. Anschließend sei auch Thomas Lenerz Aktenordner wieder von Interesse gewesen.

"Und danach", so Kaes, "hatte ich das Gefühl, dass anders ermittelt wurde." Per DNA-Vergleich stellte die Polizei fest, dass eine bereits im Juli 1996 bei Asbach gefundene Frauenleiche, die noch immer als unbekannt galt, Trudel Ulmen war. Am 16. April wurde ihr Mann festgenommen und legte schließlich nachts nach stundenlangem Verhör ein Geständnis ab.

Der Zeuge hatte im Rahmen seiner Recherche auch den Angeklagten angerufen und nach Trudel Ulmens Verschwinden gefragt. Doch der habe ihn abgewiesen mit den Worten: Er habe das Ganze psychisch verarbeitet und wolle nicht mehr darüber reden.

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