Chronik eines Verbrechens | GA-Bonn

Chronik eines Verbrechens

Der Fall Trudel Ulmen weckte das bundesweite öffentliche Interesse, weil er 16 Jahre lang gar kein Fall war, sondern im März 1996 als "aufgeklärter Vermisstenfall" zu den Akten gelegt wurde.

 

 

  • 29. Januar 1955: Gertrud Gabriele Lenerz wird in Mayen (Eifel) geboren und wächst als mittleres von drei Kindern eines Bahnarbeiters auf. Nach sehr gutem Realschulabschluss absolviert sie eine Ausbildung zur Arzthelferin.
     
  • 9. Juli 1976: Trudel Lenerz heiratet ihren langjährigen, gleichaltrigen Jugendfreund und nimmt dessen Nachnamen an. Ihr Mann hat zuvor als Zeitsoldat eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister beim Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz absolviert. Das Paar zieht von Mayen nach Rheinbach, weil sich dort eine gemeinsame berufliche Perspektive bietet: die Übernahme des Martinsbads.
     
  • Dezember 1979: Das Ehepaar kauft und bezieht ein Einfamilienhaus am KAB-Ring.
     
  • 2. Januar 1995: Trudel Ulmen tritt eine Stelle als Halbtagskraft im Medizinischen Archiv des Neurologischen Reha-Zentrums Godeshöhe an. Das Martinsbad hat das Paar in der ersten Hälfte der 90er Jahre aufgegeben. Ihr Mann arbeitet als Lehrer an einer Bonner Fachschule für Physiotherapie.
     
  • 21. März 1996: Trudel Ulmen erscheint nicht an ihrem Arbeitsplatz in Bad Godesberg.
     
  • 18. Juli 1996: In Bad Honnef-Rottbitze findet ein Radfahrer im Wald die verweste Leiche einer Frau. Ihre Identität wird trotz intensiver Ermittlungen nicht geklärt, ein Zusammenhang mit dem vier Monate zuvor als "aufgeklärt" abgelegten Vermisstenfall nicht hergestellt - trotz des Hinweises eines Arbeitskollegen Trudel Ulmens.
     
  • Oktober 1996: Trudel Ulmens Mann reicht beim Amtsgericht Rheinbach die Scheidung ein. Im Folgejahr wird die Ehe in Abwesenheit der Frau geschieden. Sie gilt als "unbekannt verzogen".
     
  • 15. Dezember 2011: Im General-Anzeiger erscheint eine Bekanntmachung des Amtsgerichts Rheinbach. Darin wird Trudel Ulmen aufgefordert, sich bis zum 28. Februar 2012 in Zimmer 207 des Amtsgerichts einzufinden, weil sie sonst für tot erklärt wird.
     
  • 9. Januar 2012: Im General-Anzeiger erscheint der erste große Bericht über den mysteriösen Fall. Die Kripo nimmt nach 16-jähriger Pause die Ermittlungen auf.
     
  • 16. April: Kriminaldirektor Hans-Willi Kernenbach fährt nach Mayen und informiert persönlich die Familie Lenerz, dass ihre Trudel seit 16 Jahren tot ist. Der DNA-Abgleich mit der "unbekannten Frauenleiche" aus dem Siebengebirge beweist dies zweifelsfrei.
     
  • 16./17. April: Nach stundenlanger Vernehmung im Bonner Präsidium gesteht Trudel Ulmens damaliger Ehemann, seine Frau am Abend des 20. März 1996 im gemeinsamen Schlafzimmer mit einem Kissen erstickt zu haben.
     
  • 18. Mai: Im engsten Familienkreis wird die Urne mit den sterblichen Überresten auf dem Friedhof in Mayen beigesetzt.
     
  • 19. November: Vor dem Bonner Landgericht beginnt der Prozess gegen den Ex-Mann.
     
  • 18. Dezember: Das Bonner Schwurgericht verurteilt den heute 57-Jährigen wegen Totschlags zu elf Jahren Haft.

Weitere Informationen zu Trudel Ulmen finden Sie im GA-Spezial.

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Der Fall Trudel Ulmen