Kreisumweltdezernent Christoph Schwarz im Interview: "Zu viel Ideologie ist schwierig" | GA-Bonn

Kreisumweltdezernent Christoph Schwarz im Interview

"Zu viel Ideologie ist schwierig"

RHEIN-SIEG-KREIS.  Im Siebengebirge gibt es viele offene Baustellen: Glaskubus, Eselsweg, Siegfriedfelsen, Chance 7. Immer beteiligt ist der Rhein-Sieg-Kreis.
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Seit 2008 Umweltdezernent: Christoph Schwarz. Foto: Eisner

VVS-Vorsitzender Herbert Krämer kritisierte kürzlich, dass der Eselsweg als traditioneller Weg auf den Drachenfels erst deutlich nach der voraussichtlichen Fertigstellung des Plateaus wieder nutzbar sein wird, wenn überhaupt. Wie beurteilt der Kreisumweltdezernent die vom Land geforderte Verträglichkeitsprüfung mehrerer Varianten?
Christoph Schwarz: Das geht schon in Ordnung. Wir mussten zunächst Finanzierungsmöglichkeiten ausloten. Es war klar, dass niemand vor Ort das nötige Geld hat, weder der VVS noch die Stadt Königswinter. Die Arbeitsgruppe hat dann vorgeprüft und festgestellt, dass die Beibehaltung des Eselsweges mit Felssicherung die beste Lösung wäre.
Es gäbe noch eine zweite, aber schon mit deutlichen Abstrichen. Das ist der Weg an der Gastrasse in Kombination mit dem Rheinsteig. Das Land hat gesagt, um guten Gewissens das viele Geld zu investieren, müssen wir detaillierte Angaben haben.

Ist die Verzögerung nicht dennoch ärgerlich?
Schwarz: Die Zeit sitzt uns im Nacken. Nicht wegen der Eröffnung auf dem Plateau, sondern weil wir die Fördermittel brauchen. Das Land hat nur noch in diesem Jahr Mittel für die Regionale, aber da muss auch bereits in diesem Jahr ein deutlicher Baufortschritt erkennbar sein. Wenn im Oktober mit der Felssicherung angefangen werden soll, müssen wir einen entsprechenden Vorlauf haben. Ich würde der Stadt dringend ans Herz legen, entsprechende Planungsaufträge zu vergeben.

Stattdessen wird über die Kosten für das Gutachten diskutiert...
Schwarz: Wir reden über Gesamtkosten von knapp 600 000 Euro. Vielleicht sollte man da bei dem Gutachten für 25 000 Euro nicht zu sehr aufs Detail gucken und zu viel Zeit verlieren. Wichtig ist, dass wir die Anträge stellen können, um an die Gelder zu kommen. Die gibt's nur in diesem Jahr.

Halten Sie es für ausgeschlossen, dass der Eselsweg auf Dauer gesperrt bleibt, weil sich das Land für eine andere Variante entscheidet? Wäre das nicht ein Desaster für alle Beteiligten?
Schwarz: Das glaube ich nicht, weil wir ja schon ermittelt haben, dass wir auch bei einem Verzicht auf den Eselsweg Felssicherungsmaßnahmen brauchen. Der Fels ist so porös, dass in jedem Fall eine Grundsicherung geschehen muss, damit auch darunter liegende Bereiche gesichert sind. Bei der Vorprüfung hat sich ja schon herausgestellt, dass die Sicherung des Eselsweges die günstigste Variante ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich das auch bei genauem Hinsehen nicht umdrehen wird.

Sie traten auch als Moderator im Streit zwischen BUND und den Bauherren des Glaskubus auf. Warum sind die Positionen beider Seiten unvereinbar?
Schwarz: Der Kreis ist nicht so sehr Moderator, sondern beklagte Partei. Der BUND hat ja die Kreisverwaltung verklagt. Als der Neubau beantragt worden ist, war das komplette Plateau noch Naturschutzgebiet. Für die Abbrucharbeiten und den größten Teil des Neubaus hat der Kreis damals eine Befreiung ausgesprochen. Später ist dann das Plateau aus dem Naturschutz herausgenommen worden. Die Befreiung ist immer noch da, streng genommen aber gar nicht mehr erforderlich. Diese Befreiung ist jetzt Klagegegenstand. Das ist eine ziemlich merkwürdige Situation. Wir überlegen, ob wir darunter einen Schlussstrich ziehen, indem wir den Bescheid einfach aufheben, denn die Baugenehmigung reicht ja aus.

Lösen Sie damit auch das Problem mit dem Glas?
Schwarz: Nein, erst einmal nur das mit dem Gerichtsverfahren. Wir sind beim Vogelschutzglas mit dem BUND sehr schnell an Glaubensfragen angekommen, wo man mit Sachargumenten nicht weiterkommt. Wenn es zu ideologisch wird, wird es schwierig. Andererseits will ich mich dem Vogelschutzproblem ja gar nicht verschließen. Da werden große Glasflächen geschaffen, und wir sind in einer sehr sensiblen Landschaftssituation. Die Situation wird auch deshalb kompliziert, weil der Glashersteller das Produkt gewechselt hat. Wir sind daher im Moment nicht mehr so ganz sicher, wie wirksam das neue Produkt ist. Wir haben deshalb ein Monitoringverfahren vereinbart. Sollte das Glas nicht so wirksam sein wie wir annehmen, werden wir reagieren und es nachträglich entsprechend bedrucken lassen.

Wie ist der aktuelle Stand beim Thema Siegfriedfelsen?
Schwarz: Da sind wir gemeinsam ganz gut unterwegs. Wir waren zusammen mit der Stadt Bad Honnef im Düsseldorfer Umweltministerium. Die Schwierigkeit ist auch hier gewesen, Fördermittel zu finden. In Bad Honnef haben wir keine Regionale. Es gibt aber vielleicht die Möglichkeit, über Flurbereinigungsmittel einen Zuschuss zu erreichen. Dazu brauchen wir erst einmal geologische Grundlagen. Die geologische Erstbegutachtung hat das Land zu unserer Freude in Auftrag gegeben. An denselben Gutachter, der auch am Eselsweg tätig ist. Er untersucht, ob überhaupt eine akute Gefahrenlage da ist, und wenn ja, schlägt er Lösungsmöglichkeiten vor. Wir haben einen sehr markanten Felsen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ihn mit Beton oder Draht verbauen wollen. Wir brauchen eine schlaue Lösung.

Welche Weinbergwege werden wegfallen?
Schwarz: Da will ich erst einmal das Gutachten abwarten. Was den obersten Weg betrifft, bin ich eher skeptisch, ob man ihn halten kann. Das war damals wahrscheinlich ein Fehler, den unmittelbar an den Felsfuß zu legen. Das ist aber nicht so tragisch, weil der Weg ohnehin in einer Sackgasse endet. Man müsste nur die Treppenanlage etwas vorziehen, damit man schon vor dem Felsen absteigen kann. Ich hoffe aber, dass der mittlere Weg erhalten bleibt.

Sie sagten über das Programm "Chance 7" vor einem Jahr, solch eine Chance bekämen wir nicht noch einmal. Bleiben Sie dabei?
Schwarz: Ja. Es läuft gerade der Rest der Bestandsaufnahme. Erste Ergebnisse gibt es schon. Das Planungsbüro wird uns vor der Sommerpause seine fachlichen Vorschläge übermitteln. Im zweiten Halbjahr wollen wir über die Vorschläge mit den Kommunen, den Eigentümern und den Pächtern sprechen, um daraus konkrete Angebote zu machen.

Beim Siebengebirge geht es ja eher um Obstwiesen und Weinbergsbrachen an den Rheinhängen. Welche Rolle spielt der Wald?
Schwarz: Beim Stadtwald Bad Honnef sind die Gespräche mit der Stadt schon sehr weit fortgeschritten. Dabei geht es vor allem um aktiven Umbau von Nadel- in Laubwald. Auch die privaten Waldbesitzer fangen an, sich für das Thema zu interessieren. Der Staatswald erarbeitet eigene Konzepte, und auch der VVS hat seine Flächen über den Wildnisvertrag ja schon abgesichert.

Ist das Siebengebirge nach dem Scheitern der Nationalparkpläne für die Zukunft gerüstet?
Schwarz: Das ist eine schwierige Frage. Natürlich trauere ich noch ein bisschen dem Nationalpark hinterher, weil das eine Gelegenheit gewesen wäre, von der Organisation her alle Naturschutzfragen in einer Hand, nämlich in der Hand der Nationalparkverwaltung, zu bündeln. So bleibt es dabei, dass wir verschiedene Zuständigkeiten haben. Wir müssen das große Siebengebirge von Siegburg aus mitverwalten, was den Naturschutz betrifft, zusammen mit anderen Akteuren wie Forstamt und VVS. Das ist von der Organisation her schon suboptimal. Es wird also immer eine Herausforderung bleiben.

 

Zur Person

Christoph Schwarz (53) ist seit 2008 Umweltdezernent des Rhein-Sieg-Kreises. Seit 2005 ist er beim Kreis beschäftigt, zunächst als Leiter der Fachdienststelle Natur- und Landschaftsschutz, ab 2007 als Co-Dezernent im Umweltdezernat. Der Diplomgeograf hatte zuvor als Fachreferent im Landesbüro der Naturschutzverbände NRW in Oberhausen gearbeitet und dort unter anderem den BUND beraten. Der gebürtige Gummersbacher wohnt in Oberdollendorf, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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