Weltreise von Troisdorf aus

Vom Kölner Dom zum Titicacasee

TROISDORF. Der Spicher Michael Schreiber bricht zu einer fast 17000 Kilometer langen Reise auf – mit dem Rad.

Am Samstag geht es wieder los: Der 46-jährige Spicher Michael Schreiber schwingt sich in den Fahrradsattel und strampelt. Zunächst zum Kölner Dom. Dort wird der gläubige Katholik eine Kerze entzünden, und dann wird er sich aufmachen zu einer fast 17 000 Kilometer langen Reise nach Südamerika.

„Die Kerze hat schon bei der jüngsten Tour geholfen“, sagt der durchtrainierte Mann. Die führte ihn durch den Nahen Osten und weiter bis nach China. Nach einem halben Jahr Pause hat ihn nun das Reisefieber erneut gepackt, und es soll in die neue Welt gehen. Irgendwann im kommenden Jahr wird er dann wieder zurück sein.

60 Kilogramm Gepäck hat er auf sein Rad gepackt. Kleidung, einige Lebensmittel, ein kleines Zelt, Geschirr und einen Benzinkocher. Und Wassersäcke. Denn spätestens in Südamerika, wenn es in die Atacama-Wüste in Chile oder andere unwirtliche Gebiete geht, ist sauberes Wasser oft nicht immer verfügbar. Bis zu acht Liter des überlebenswichtigen Stoffes kann der gelernte Maschinenbauer dann mitführen.

Der erste Teil der Reise führt quer durch Europa

Doch zunächst radelt er von Köln bis nach Lissabon. Quer durch Frankreich geht es, über den sehr gut ausgebauten Radwanderweg entlang der Loire, dann über einige Etappen Richtung Spanien. Ein Abstecher in den Wallfahrtsort Lourdes ist ebenso eingeplant wie Besuche an markanten Punkten des Jakobsweges bis hin nach Santiago de Compostella. Von dort ist es dann nicht mehr weit bis Lissabon, und dann geht es erst mal in die Luft. Von der portugiesischen Hauptstadt nach Madrid, und von da aus fliegt Schreiber nach Trujillo in Peru. Zum Titicacasee führt sein Weg, und immer weiter nach Süden wird er fahren, irgendwann nach Osten abbiegen und über den Paso de la Cumbre zwischen Santiago de Chile und Mendoza in Argentinien den Hauptkamm der Anden überqueren. „Die Ruta 40 ist dort mein Ziel“, freut sich Schreiber schon auf eine der längsten (5301 Kilometer) Fernstraßen, die ihn dann fast ans Ende der Welt führen wird. Schließlich geht es wieder zurück bis nach Brasilien und dort von Rio de Janeiro zurück nach Hause.

Wie sieht es nun mit der Verständigung auf einer solchen Reise aus? „Kein Problem“, lacht Michael Schreiber und zieht ein kleines Buch hervor. Ein „Ohne Wörter-Buch“. Es ist voll mit Bildern, mit deren Hilfe man seinem Gegenüber klarmachen kann, was gerade benötigt wird oder woran man gerade leidet. Ein Blick ins Büchlein zeigt, es sind alle denkbaren Lebensereignisse bis hin zu Montezumas Rache abgebildet. Ansonsten helfe er sich mit Englisch weiter.

Wie kommt nun ein Mensch, der in Wissen an der Sieg geboren wurde und heranwuchs, Maschinenbautechnik lernte und sich auf programmierbare Lösungen spezialisierte, auf die Idee, so völlig aus dem überschaubaren Leben und einem festen Arbeitsverhältnis auszusteigen? „Ich habe vor Jahren mal einen Vortrag der Kölner Dorothee Krezmar und Kurt Beutler gehört. Die sind auch schon seit Jahren mit dem Rad unterwegs. Da habe ich Lust bekommen und erst mal ganz langsam angefangen. Daraus entstand dann der Plan, ebenfalls für lange Zeit durch die Welt zu radeln“, erklärt Schreiber seine Reiselust, die nach wie vor ungebrochen ist.

Und mit großer Freude zeigt er dann seine Tourplanung im Computer. „Da ist alles akribisch durchgeplant, aber ich lasse mir natürlich genügend Freiheiten, Stopps einzulegen, wo immer ich möchte. Denn immer wieder gibt es Sehenswürdigkeiten, die meine Aufmerksamkeit fesseln und die ich nicht einfach ‚mal so‘ anschauen möchte.“ Da sagen ihm die Weggefährten: Na, dann man los. Gute Reise, und möge die Kerze helfen.

Michael Schreiber berichtet über seine Reisen auf der Website www.traum-radreise.de. Dort finden sich auch viele Informationen etwa zu seiner technischen Ausrüstung und zum Reiseverlauf.