Josef Esch

Troisdorfer Unternehmer scheut Öffentlichkeit

TROISDORF. Als "unheimlicher Bau-Herr" wurde er bezeichnet, als "heiliger Josef", "Abgreifer von Köln" oder "das Phantom von Troisdorf". Die älteren Sieglarer kennen ihn als "Esche Jüppche". Sein Name fällt im Zusammenhang mit Deutschlands Super-Reichen wie dem Bonner Haribo-Eigentümer Hans Riegel, der Bielefelder Pudding-Dynastie Oetker und dem Industriellen-Clan Haniel.

Er verdiente Geld bei umstrittenen Projekten im Kölner Klüngel, immer dabei die mittlerweile klamme Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Der Troisdorfer Bauunternehmer, Projektentwickler und Vermögensverwalter Josef Esch ist bekannt wie kaum einer seiner Branche. Gleichzeitig kennt ihn kaum einer persönlich.

Esch lebt und arbeitet im Verborgenen. Die wenigen Fotos zeigen einen rundlichen Mann mit Schnauzbart und getönter Brille, die Anzüge sitzen oft etwas zu eng. Er wirkt weder wie ein Millionen-Jongleur noch wie ein Vertrauter der deutschen Unternehmer-Elite. Aber auch nicht wie der Maurer-Meister, der er seit der Ausbildung im Betrieb seines Vaters im Troisdorfer Stadtteil Sieglar vor mehr als 30 Jahren ist.

Für Interviews steht Esch grundsätzlich nicht zur Verfügung. Er schickt seinen Geschäftsführer - ebenfalls einen in der Region bekannten Strippenzieher: den ehemaligen Kölner Stadtdirektor und SPD-Politiker Lothar Ruschmeier, der vor rund zehn Jahren durch seinen Wechsel aus dem Rathaus zum Esch-Imperium in die Kritik geriet.

Ruschmeier empfängt nicht etwa in seinem Troisdorfer Büro. Er nimmt Fragen in einem angemieteten Besprechungsraum des Kölner Nobel-Hotels Excelsior entgegen. Zwischen Wandverkleidungen aus dunklem Holz und schweren Samtstoffen herrscht kühle Atmosphäre.

Ruschmeier fühlt sich und das Unternehmen von der Presse verfolgt, ungerecht behandelt. Trotzdem, man wolle Unstimmigkeiten im öffentlichen Bild von Esch "geraderücken". Der mit angereiste PR-Berater nickt.

"Ruschmeier ist bei allen öffentlichen Auftritten das Sprachrohr von Josef Esch", sagen Verhandlungspartner. Der eine rede, der andere handele.

"Es gibt jede Menge Gerüchte über Josef Esch", sagt Ruschmeier. "Vieles stimmt nicht." Wahr sei: Josef Esch ist 53 Jahre alt, wohnt in seiner Heimatstadt Troisdorf, kinderlos, verheiratet.

Seine Frau heißt Irma. Angeblich ist sie 16 Jahre älter als Esch und war einmal mit dem ehemaligen Bundesligatorwart Manfred Manglitz verheiratet.

Und dann gibt es noch die vielen anderen Geschichten. Etwa, dass Esch mehrere Tage am Krankenbett der Schuh-Fabrikanten-Gattin Deichmann bei einer Hüftoperation ausgeharrt habe, um der damals treuen Kundin Beistand zu leisten. "Da ist nichts dran", sagt Ruschmeier und lächelt fein. Aber es habe auch keinen Grund gegeben, das Gerücht zu dementieren.

Mittlerweile bringt die Strategie des eisernen Schweigens Esch jedoch offenbar mehr Nach- als Vorteile. Die fetten Jahre sind vorbei: Gegen den Troisdorfer Geschäftsmann ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Köln.

Es geht um Korruptionsverdacht beim Bau der Kölner Messehallen. Dem Geschäftspartner Sal. Oppenheim ist das Geld ausgegangen, er wird geschluckt von der Deutschen Bank. Die Esch-Kundin und KarstadtQuelle-Erbin Madeleine Schickedanz: finanziell am Ende.

Der Esch-Geschäftspartner und frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff: wegen des Vorwurfs, er habe private und geschäftliche Interessen vermischt, in der öffentlichen Kritik.

"Ein gewisses Problem" räumt Ruschmeier denn auch bei den fünf Fonds ein, über die Esch-Anleger in Karstadt-Immobilien investiert haben. Von den Vorwürfen gegen Middelhoff, der als privater Anleger an den Mietzahlungen der von ihm geführten Karstadt-Mutter Arcandor verdient hat ganz abgesehen: Ob und wie viel Geld die Esch-Anleger vom Pleite-Händler Karstadt erwarten können ist offen.

Branchenkenner schätzen die Rendite bei vielen der Oppenheim-Esch-Fonds auf zehn bis 20 Prozent. Von dieser ungewöhnlich lukrativen Geldvermehrung dürften die Arcandor-Fonds - auf 789 Millionen Euro summiert das Unternehmen den finanziellen Gesamtaufwand - weit entfernt sein.

Auch für Neuauflagen von Immobilienprojekten in bewährten Kölner Geschäfts-Partnerschaften zwischen Stadt, Privatbank Sal. Oppenheim und Sparkasse KölnBonn bestehen laut Branchenkennern für Esch kaum noch Chancen.

"Das dürfte nach dem Wechsel im Rathaus der Domstadt vorbei sein", sagt ein Insider. Schließlich hat der neue Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) bei seinem Amtsantritt im Oktober 2009 dem Kölschen Klüngel ausdrücklich den Kampf angesagt.

Esch-Geschäftsführer Ruschmeier zeigt sich dagegen optimistisch. Die seiner Ansicht nach zu Unrecht öffentlich kritisierten Projekte in Köln, der Messe-Neubau und die KölnArena, seien schließlich nur ein Ausschnitt der Geschäfte des Troisdorfers.

Insgesamt verwaltet die Oppenheim-Esch-Holding rund 70 Fonds mit einem Anlagevermögen von insgesamt rund 4,5 Milliarden Euro. Jahrelang gehörte das Unternehmen zur Hälfte der Kölner Privatbank. In Folge der Krise des Kredithauses übernahmen Mitglieder aus dessen Eigentümerfamilien maßgebliche Anteile.

Diese haben nun erst einmal andere Probleme. Esch-Geschäftspartner und Sal.-Oppenheim-Geschäftsführer Matthias Graf von Krockow hat seinen Posten zwei Tage vor Weihnachten geräumt.

Hintergrund waren nicht zuletzt Spekulationen, die Bank habe Mitgliedern der Eigentümerfamilien besonders günstige Kredite eingeräumt.

Damit scheint die bisher enge Verbindung der Troisdorfer zu der Kölner Bank endgültig gekappt. Bisher funktionierte das Geschäft so: Josef Esch sammelt gemeinsam mit Sal. Oppenheim bei seiner betuchten Klientel Geld für die steuerlich attraktiven Investments ein.

Davon wird gebaut - oft über eine auf die Umsetzung spezialisierte Tochterfirma des Troisdorfer Imperiums - unter der Leitung von Josefs Bruder Matthias Esch. Die Anleger profitieren von Mieten und Wertsteigerungen. "Unser Prinzip ist es, möglichst alle Leistungen aus einer Hand anzubieten", sagt Ruschmeier.

Josef Esch übernehme dabei vor allem die persönliche Betreuung der wichtigsten Kunden. Betreuung ist bei Esch ein weit gefasster Begriff. Richtig sei der "Spiegel"-Bericht, nachdem die Privat-Autos von Thomas Middelhoff über Esch gekauft und angemeldet wurden. "Aber selbstverständlich müssen die Kunden für alle Leistungen bezahlen", so Ruschmeier.

Zu Eschs Rund-um-sorglos-Paket für die Wohlhabenden gehören auch Sicherheit und Luftverkehr. Challenge Air heißt die Privat-Fluggesellschaft, an der Esch zu 50 Prozent beteiligt ist.

Drei Maschinen in Köln und eine in Paderborn ermöglichen Reisen in Diskretion. Hier soll ein alter Bekannter gerne seine Vorstands-Flüge gebucht haben: Thomas Middelhoff. Die Esch-Firma Consulting Plus gilt als einer der größten Anbieter von Personenschutz und Wachdiensten in Deutschland. Mit 250 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro.

Consulting Plus dürfte auch das Personal liefern, mit dem Esch sich selber von seiner Umwelt abschottet. Sein Privathaus in Sieglar gleicht einer Festung, ist angeblich rund um die Uhr von Bodyguards bewacht.

Dabei ist die Familie Esch in ihrer Heimat fest verwurzelt. Die Zufahrt zur Firmenzentrale wurde 2004 von Steinstraße in Christian-Esch-Straße umgetauft, benannt nach dem Vater und Firmengründer. Über Bruder Matthias hält der Bauunternehmer-Clan den Kontakt zu den Sieglarern.

Brudermeister bei der Schützenbruderschaft St. Hubertus, Bezirksbrudermeister: Matthias Esch ist dabei und - so sagen die Troisdorfer - er lässt sich, wenn es um finanzielle Unterstützung geht, nicht lumpen. Auch soziale Einrichtungen des Heimatortes würden von der Unternehmerfamilie großzügig bedacht.

"Eine durch und durch positive Rolle" für Sieglar bescheinigt Josef Esch ein ehemaliger Lokalpolitiker, der - wie alle, die auf den Unternehmer angesprochen werden - nicht namentlich genannt werden möchte. "Ich sage nichts", heißt es. "Weil er das so will."

Doch selbst in Sieglar läuft nicht immer alles nach Eschs Willen. Der Neubau des Geschäfts- und Wohnblocks im Ortszentrum vor rund zehn Jahren stieß auf erbitterte Proteste von Anwohnern, die ihre "Rathauswiese" nicht zubetonieren lassen wollten. "Esch war stinksauer", sagt ein Beteiligter.

Heute erinnert nichts mehr an den Clinch von damals. Zwischen Raiffeisenbank, Reisebüro und Parfümerie herrscht um die Gebäudeblocks ruhige Vorstadt-Atmosphäre. Nur ein Bewohner gibt sich durch kein Türschild, keinen Wegweiser zu erkennen.

"Die Firma Esch sitzt oben im zweiten Stock", sagt eine Verkäuferin aus der Boutique im Erdgeschoss. Zwischen Empfangstheke und Aufzügen im Parterre herrscht Leere. Vor der Tür wartet ein schwarzer Mercedes mit getönten Scheiben.