Überfall mit Samurai-Schwert

Troisdorfer Ex-Polizist schildert Angriff vor Gericht

Das Samuraischwert wurde als Beweismittel im Prozess eingebracht.

Das Samuraischwert wurde als Beweismittel im Prozess eingebracht.

Bonn/Troisdorf. Im Bonner Mordprozess gegen einen 26-jährigen Angeklagten tritt das 65-jährige Opfer in den Zeugenstand und schildert den brutalen Angriff. Die Anwälte einigen sich auf 50.000 Euro Schadensersatz für das Opfer.

Der lange Weg zum Zeugenstuhl fiel ihm gestern schwer: Langsam zog der pensionierte Polizeibeamte sein rechtes Bein nach, die verkrüppelte Hand legte er vorsichtig auf den Tisch. Zwei Stunden lang musste sich der 65-Jährige gestern vor dem Bonner Schwurgericht an den Abend erinnern, der sein Leben und das seiner Frau völlig verändert hat.

Wegen versuchten Mordes aus Heimtücke und Mordlust muss sich ein 26-jähriger Mann verantworten. An den Angriff gegen den 65-Jährigen will sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Freunden soll er zuvor erzählt haben, dass er einen Menschen töten wollte.

Die Tat geschah am 9. April 2018. Das 65-jährige Opfer hatte mit seiner Ehefrau einen Krimi angeschaut. Anschließend war er mit seinem Rad aufgebrochen, um eine Runde zu drehen: Dabei wollte er zwei leere Flaschen in den Leergut-Container auf einem Supermarkt-Parkplatz in Sieglar entsorgen.

Mit fester Stimme berichtete der 65-Jährige: „In der Dunkelheit hörte ich als erstes einen seltsamen Schrei, ein langgezogenes Uuuh, ein Aaaah. Als ich mich umdrehte, sah ich eine silberne Keule über mir, die mit großer Wucht auf mich zukam“, schilderte der Zeuge die Details des Angriffs. Was dann folgte, war der Kampf um sein Leben. „Ich versuchte, meine Arme schützend über den Kopf zu halten, was beim ersten Schlag nicht gelang. Es folgten weitere drei, vier gezielte, wuchtige Schläge, die auf meinen Armen landeten.“

Die Schläge des 26-Jährigen mit dem Samuraischwert durchtrennten sämtliche Sehnen und Nerven der rechten Hand. „Dabei hatte ich großes Glück, meine Armbanduhr wurde zweimal getroffen und hat mein Leben gerettet“. Als die Hand wegklappte und das Blut spritzte, seien keine Schläge mehr gekommen. Er selbst sei zwischen die Container geflüchtet und habe mit dem Handy Hilfe geholt. Acht Stunden musste er notoperiert werden.

Er überlebte, aber seine Selbstständigkeit hat er verloren. „Unser Leben ist fremdbestimmt“, beschrieb es seine Ehefrau gestern. Die 64-Jährige schilderte als Zeugin, dass das Wesen ihres Mannes sich verändert hat: Er sei schreckhafter, stiller und zurückgezogener geworden. Ein behindertengerechtes Dreirad ist das Äußerste an Mobilität. Der 65-Jährige hat aufgehört zu fragen, warum ihm das passiert ist: „Es gab überhaupt keinen Grund für den Angriff. Ich war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen“, sagte er und fügte an: „Was in solchen Hirnen vorgeht, weiß ich nicht. Das ist nicht normal.“

Der Angeklagte hörte aufmerksam zu, ohne erkennbare Emotionen, und will sich entschuldigen. Das sei nicht erwünscht, sagte die Nebenklagevertreterin. In einem Vergleich einigten sich die Rechtsanwälte am Rande des Prozesses, dass der Ex-Polizist einen Schadensersatzanspruch von 50.000 Euro hat. Eine Absichtserklärung auf Papier, mit Geld vom Angeklagten rechnet der Ex-Polizist nicht.