Jubiläum der Sieg-Fähre

Fährmann, hol' über

BEUEL. Vor zehn Jahren sammelte der Heimat- und Geschichtsverein Beuel Spenden für die neue Sieg-Fähre. Diese gehört fast zu gleichen Anteilen der Stadt und dem Heimatmuseum.

Menschen, Tiere, Fuhrwerke und Güter - alles musste übergesetzt werden zwischen Geislar und Bergheim. Denn eine Brücke über die Sieg gab es im 17. Jahrhundert dort noch nicht. Aber damals gab es regen Handel, und so wurde ein Fährbetrieb über die Sieg eingerichtet. Nach einer großen Begradigung des Flusses nahm die "Berchemer Fahr" 1777 ihren Betrieb an der heutigen Stelle, neben der Gaststätte "Zur Siegfähre, auf.

Die Jahrhunderte und zwei Weltkriege vergingen. 1947 nahm die Gierfähre "Sieglinde" ihre Arbeit auf. 58 Jahre tat sie ihren Dienst, wenn der Ruf "Fährmann, hol' über" erklang. Bis ein Gutachter im Jahr 2005 den Betrieb einstellen ließ - wegen Hinfälligkeit der "Sieglinde". Ein Ersatz musste her, die Träger der Fährrechte, die Städte Bonn und Troisdorf, waren in der Pflicht. Doch die klamme Bundesstadt verweigerte ihren Zuschuss.

So kam es am 14. Juni zu einem klugen wie weitsichtigen Beschluss im Unterausschuss Denkmalschutz der Stadt Bonn: "Nachdem ich mich bereits um interfraktionelle Unterstützung für die Ersatzbeschaffung eingesetzt hatte, wurden der Heimat- und Geschichtsverein Beuel sowie das Heimatmuseum gebeten, Sponsoren zu suchen", erinnert sich Hans Lennarz.

Und wer, wenn nicht der langjährige Stadtbezirksverordnete selbst, konnte diese Mission sicher zum Erfolg führen? Lennarz machte in Beuel mobil, und innerhalb von nur 14 Tagen hatte er die Summe von 13.500 Euro eingeworben - das war mehr als die anteilige Hälfte der neuen Fähre, die 23.800 Euro kosten sollte.

"Ich bin immer noch tief beeindruckt und überwältigt, was Hans Lennarz und die Beueler in so kurzer Zeit geschafft haben. Respekt", sagt Karl-Heinz Stocksiefen, Ortsvorsteher von Bergheim, noch zehn Jahre nach der Spenden-Aktion.

"Die Fähre blickt auf eine lange Geschichte zurück und wurde an einem historisch bedeutsamen Verkehrsweg eingerichtet. Das ist lebendige Regionalgeschichte", sagt Volker Engel, Vorsitzender des Heimatvereins. Die neue Fähre wurde von der Lux-Werft in Mondorf gebaut und am 13. August 2005 auf den Namen "St. Adelheid" getauft.

"Das war eine Riesen-Einweihungsfeier. Rund 1500 Menschen waren begeistert, dass die neue Fähre ihren Betrieb aufnehmen konnte", sagt Lennarz. Weitsichtig wie immer schloss er umgehend einen Vertrag mit der Stadt Troisdorf: Zu 51 Prozent gehört die Siegfähre seither der Stadt, 49 Prozent gehören dem Heimatverein.

"Man weiß ja nie, wie der Betrieb weitergeht. Aber so ist alles abgesichert, keiner von beiden Partnern kann allein entscheiden", sagt der Leiter des Heimatmuseums mit einem Augenzwinkern.