Weltkriegsbomben in der Region

Bombenentschärfungen in Rheinbach und Troisdorf erfolgreich

Bombenfund auch in Rheinbach

Der ungewöhnlich feste Lehmklumpen im Erdreich des künftigen Gewerbegebietes Wolbersacker kommt Antoon Verschooten merkwürdig vor. Der erfahrene Baggerführer und sein Kollege Güler Fikret wissen was zu tun ist: Sie steigen aus der Fahrerkabine ihrer Baumaschine und schauen genau, auf was sie in mehr als zwei Meter Tiefe beim Ausschachten für einen Kanal gestoßen sind. „Wir konnten erkennen, dass es eine Fliegerbombe ist“, sagt Fikret. Ihre Entdeckung hat Folgen: In Windeseile sind die Rheinbacher Feuerwehr und das Ordnungsamt der Stadt vor Ort, zeitgleich, die Uhr zeigt 9.42 Uhr, klingelt das Handy von Michael Daenecke vom Kampfmittelräumdienst.

Weniger als eine Stunde später ist der 46 Jahre alte Experte aus Kerpen an der Baustelle. „Für mich ist es schon die dritte Bombe“, sagt Verschooten. Seine Kollegen und er seien sensibilisiert dafür, bei solch ungewissen Funden im Untergrund stets mit Vorsicht zu agieren. Eine gottgegebene Engelsruhe strahlt Michael Daenecke aus – trotz Temperaturen, die langsam nahe an die 30-Grad-Marke rücken. Der Kennerblick des Truppführers beim Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Düsseldorf erkennt schnell, dass es sich bei der Bombe um ein 250 Kilo schweres Exemplar amerikanischer Bauart handelt. In der ersten Alarmierung war sogar eine 500-Kilo-Bombe vermutet worden.

„Wir sind bereits dabei, die Umgebung rund um den Fundort der Bombe im Umkreis von 300 Metern zu evakuieren“, berichtet Kerstin Knoch, Pressesprecherin der Feuerwehr Rheinbach. Bis 12.15 Uhr, dem Beginn der Entschärfung, werden die Rheinbacher Umgehungsstraße (B 266) und die Landstraße zwischen Meckenheim und Rheinbach (L 158) gesperrt. „Der Verkehr wird vorher großräumig abgeleitet“, so Knoch. Glücklicherweise ist das Areal rund um das künftige Gewerbegebiet nicht bewohnt. Lediglich die Kunden und Mitarbeiter des Obstbauunternehmens Krings und des nahen Obi-Marktes müssen für rund eine Stunde die beiden Gebäude verlassen.

An so vieles muss Laurenz Kreuser, Einsatzleiter und Chef der Feuerwehr Rheinbach, in dem Minuten vor dem Beginn der Entschärfung denken: Geräumt werden muss nämlich auch die benachbarte Baustelle des Bonner Logistikriese DHL, das erste Unternehmen, das sich im neuen Gewerbegebiet ansiedelt. „Die erwarten heute eine große Lieferung Beton. Die Betonmischer haben wir informiert und zurückfahren lassen“, sagt Kreuser. Denn: Müssten die schweren Mischfahrzeuge lange Zeit warten, nimmt das Baumaterial Schaden. Da der Radius um die Bombenfundstelle 300 Meter beträgt, muss die A 61 zwischen den Anschlussstellen Swisttal und Rheinbach ebenso wenig gesperrt werden, wie die S-Bahnlinie 23. Der Haltepunkt Rheinbach-Römerkanal der Voreifelbahn liegt außerhalb der Sicherheitszone.

Es ist 12.15 Uhr als Daenecke in die Baugrube hinabsteigt. Bevor er sich daran macht, die zwei Zünder des US-Kriegsgeräts abschrauben, muss er das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, das mehr als 70 Jahre im Erdreich ruhte, zunächst von allerlei Dreck befreien. Wie viele Bomben er in seinem Leben schon unschädlich gemacht hat, kann der Truppführer des Kampfmittelräumdienstes nicht mal überschlägig beantworten. „Viele, viele“, sagt er und lächelt. Nacheinander dreht der 46-Jährige mit ruhiger Hand zuerst den Heckzünder heraus, dann den Kopfzünder. Als er dann noch die Zündladung unschädlich macht, die sich im Zünder befindet, ist sein Werk getan (siehe Kasten).

Gegen 12.50 Uhr kann die Feuerwehr die Straßen wieder freigeben, die entstandenen Rückstaus lösen sich rasch auf. Antoon Verschooten und Güler Fikret sind da bereits nicht mehr auf der Baustelle. Nach dem Schreck haben sie wenigstens ein längeres Wochenende.