"Vater und Sohn"-Ausstellung

Bilderbuchmuseum präsentiert Zeichnungen von Erich Ohser

Troisdorf. "Vater und Sohn" - Mit seinen anrührenden und humorvollen Bildergeschichten wurde der Zeichner Erich Ohser in den 30er Jahren über die Grenzen Deutschlands bekannt. Das Bilderbuchmuseum gibt aktuell einen Einblick in das Werk und das Leben des Künstlers.

Die Bilderserie beginnt mit einem Blick in das Esszimmer. Mutter und Vater sitzen am Tisch und warten. Das Essen ist fertig, aber der Sohn fehlt. Nächste Szene: Der Vater findet den Jungen im Kinderzimmer über ein spannendes Buch gebeugt. Der Vater schickt den Sohn zum Essen. Er erblickt das Buch, das schließlich auch ihn fesselt. Das Ende: Mutter und Sohn essen – ohne den Vater.

Es sind Bildergeschichten wie diese, mit denen Erich Ohser – auch bekannt unter seinem Pseudonym „e.o. plauen“ – seine Leser begeistert. Viele Worte benötigte er dabei in seinen pointierten, schwarz-weißen Tuschezeichnungen nicht. Immer wieder ließ er seine Hauptfiguren Vater und Sohn Situationen des Alltags auf rührend-heitere Weise meistern und seine Leser an der liebevollen Beziehung der beiden teilhaben. Dabei stehen die lustigen Bilderserien „Vater und Sohn“ in krassem Gegensatz zu der Geschichte seines eigenen Lebens, das 1944 im Alter von 41 tragisch endete: von den Nazis verfolgt und in den Selbstmord getrieben.

Einen spannenden Einblick in das Werk und das Leben Erich Ohsers und zahlreiche Bildgeschichten des Illustrators Ulf K. zeigt ab Sonntag, 25. Februar das Troisdorfer Bilderbuchmuseum. „Die Menschen konnten mit den Geschichte Ohsers aus der Alltagsrealität des NS-Regimes, in der die Rolle des Vaters eine ganz andere war, herausbrechen“, erklärt Pauline Liesen, Leiterin des Museums. „Ganz sicher war das ein Grund für seinen großen Erfolg.“ Rund 120 Werke präsentiert die Ausstellung, darunter originale Zeichnungen Ohsers, die die Erich Ohser – e.o. plauen-Gesellschaft zur Verfügung stellte, Zeitungsdrucke, aber auch weniger bekannte Porträts und Landschaftsgemälde des Künstlers. Zahlreiche Skizzen, sogenannte Scribbles, und Originale Ulf K.s runden die Ausstellung ab.

Erzählungen von „Vater und Sohn“ weiterentwickelt

Gemeinsam mit Zeichner Marc Lizano hauchte Ulf K. den Comics Ohsers mit seinen Bänden „Neue Geschichten von Vater und Sohn“ neues Leben ein. „Ohser hat ein Alleinstellungsmerkmal. Er schuf etwas, was es damals nicht gab und nach ihm lange Zeit nicht mehr geben sollte“, sagt Ulf K. Er zögerte zunächst, als der Vorschlag eines Kollegen kam, die Erzählungen von „Vater und Sohn“ auf eigene Weise fortzuentwickeln: „Der Fußabdruck von e.o. plauen ist so groß, dass ich erst einmal nachdenken musste.“

Erstmals erschienen sind die Geschichten von Vater und Sohn 1934 in der Berliner „Illustrierten Zeitung“. Für Ohser endete damit sein von den Nationalsozialisten verhängtes Berufsverbot. Unter seinem Namen durfte er allerdings nicht mehr zeichnen. Er wählte das Pseudonym e.o. plauen (bestehend aus den Initialen seines Namens und seinem Heimatort Plauen).

Auch politische Inhalte durfte Ohser nicht mehr thematisieren. Vor der Machtergreifung der Nazis karikierte der Freund Erich Kästners regelmäßig Hitler und Goebbels. Seine Zeichnungen erschienen unter anderem in der SPD-Zeitung „Vorwärts“. „Ohsers Zeichnungen zählten ebenso wie die Kästners zu den ersten Werken, die die Nazis bei Bücherverbrennungen zerstören ließen“, erklärt Liesen. Doch das NS-Regime, das ihn zunächst ächtete, bediente sich später für Propagandazwecke auch des großen Talents Ohsers. So arbeitete er zum Beispiel ab 1940 für die Zeitschrift „Das Reich“.

1944 von Nachbarn an die Nazis verraten

Ein letzter Band mit Geschichten von Vater und Sohn veröffentlichte Ohser 1938. Gefragt, woher er seine Ideen für die Geschichten hätte, antwortete er: „Ich bin als Sohn geboren und habe mich im Laufe der Jahre zum Vater emporgearbeitet.“ Arrangieren konnte er sich mit dem Nationalsozialismus allerdings nicht. Von seinem Nachbarn denunziert wurde Ohser 1944, damals selbst Vater eines 13-jährigen Sohnes, verhaftet. Dem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof entging er durch Selbstmord.

Seine Zeichnungen, vor allem die Bildergeschichten von Vater und Sohn, überdauerten den Terror und werden selbst heute noch häufig in Schulen als beispielhafte Bildergeschichten besprochen. „Viele Menschen, die die Zeichnungen sehen, fühlen sich an ihre Kindheit erinnert. Und wir hoffen, auch weiterhin Schulen auf sie aufmerksam zu machen und neue Generationen an die Geschichten heranzuführen“, so Liesen.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Vater und Sohn“ am Sonntag, 25. Februar, im Bilderbuchmuseum Burg Wissem, gibt Illustrator Ulf K. Einblick in seine Kunst und signiert seine Bücher. Beginn ist um 14. 30 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 1. Juli zu sehen.