Prozess vor dem Landgericht in Bonn

Betrüger zocken Kunden mit Fake-Online-Shop ab

Symbolbild

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Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Das Bonner Landgericht hat vier Angeklagte Strohmänner zu Haftstrafen verurteilt. Die Hintermänner des sogenannten Fake-Shops sitzen in der Türkei.

Einen echten Handelsregistereintrag, einen deutschen Firmensitz, eine gültige Gewerbeanmeldung und einen Telefonanschluss, unter dem sich auch tatsächlich jemand meldet: Jedes einzelne dieser wichtigen Kriterien, an denen Verbraucher einen echten Online-Shop erkennen können, wurde auch von „UpYou“ erfüllt. Dennoch handelte es sich bei dem Elektronikhandel, der neben Geschäftsräumen in Troisdorf sogar einen Show-Room in Hennef betrieb, um einen sogenannten Fake-Shop. Dessen einziges Ziel bestand darin Kaufinteressenten abzuzocken. Vor dem Bonner Landgericht sind nun vier Männer verurteilt worden, die allerdings nur als Strohmänner vor Ort fungierten – die Hintermänner, die noch weitere falsche Online-Läden betrieben haben sollen, sitzen in der Türkei.

Basis der Masche war eine bereits bestehende deutsche GmbH: Die wurde offiziell von zwei Männern übernommen, die nun vor dem Bonner Landgericht wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu fünf Jahren und drei Monaten beziehungsweise wegen Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden sind. Initiator war allerdings ein Bekannter, der sich mittlerweile in die Türkei abgesetzt hat. Und dort sitzen auch die weiteren Hintermänner des Onlinehandels: Die Rechner in den Büroräumen im Rhein-Sieg-Kreis wurden ebenfalls von dort aus ferngesteuert, die Strohmänner vor Ort in Deutschland waren nur die Visitenkarte des Unternehmens und leisteten hin und wieder technischen Support. Geworben wurde mit Preisen, die gerade so günstig waren, dass sie zwar in Vergleichsportalen an erster Stelle rangierten, die aber nicht niedrig genug erschienen, um Betrugsverdacht zu erwecken.

Dass ein Großteil der Bestellungen niemals ausgeliefert würde, gehörte zum Plan der Hintermänner: Nur erste Kundenaufträge wurden noch erfüllt, um positive Bewertungen zu bekommen. Die eingehenden Zahlungen der Kunden wurden direkt in die Türkei transferiert. Die Webseite bot zwar auch die Möglichkeit zur Bezahlung per Kreditkarte oder PayPal: Weil die Betrüger die Gewinne aber nur bei Zahlung auf Vorkasse schnell abgreifen konnten, erschien für die User eine Fehlermeldung.

Insgesamt sechs Männer, Türken und Deutsch-Türken im Alter zwischen 39 und 54 Jahren, waren im Rahmen des Verfahrens angeklagt: Bei zweien von ihnen wurde das Verfahren eingestellt, der Mitgeschäftsführer wurde in Bezug auf den Internethandel freigesprochen, muss jedoch wegen Bankbetrugs für drei Jahre und neun Monate in Haft.

Ein weiterer Beteiligter fungierte zunächst nur als Fahrer. Dank eines Liebesverhältnisses zu einer an den Straftaten nicht beteiligten Sekretärin, erhielt er aber Zugriff zu Informationen mit denen er schnell merkte, dass es mit der Legalität seines Arbeitgebers nicht weit her sein konnte. Weil er dennoch immer wieder Hilfsdienste verrichtete, wurde er zu zwei Jahren auf Bewährung wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug verurteilt.