Ausstellung auf Burg Wissem

Arbeiten von Heinrich Küpper in Troisdorf zu sehen

Troisdorf. Bilderbuchmuseum zeigt Arbeiten von Heinrich Küpper und dessen Schüler Hans-Theo Stammer. Zu sehen ist ein faszinierendes Spiel von Linien, Formen und Farben.

Ein Griff in seine Tasche, schon präsentiert Karl-Theo Stammer sein „Frühwerk“: in einem mit Glanzbildchen verzierten Einband aufbewahrte Zeichnungen aus seiner Zeit im Sinziger Kindergarten. „Ich habe gezeichnet, was ich gesehen habe“, sagt er. Karnevalszug, Maibaumaufstellen, Kirmes – alles findet sich auf den Seiten aus den 1950er Jahren. Gut 60 Jahre später bildet der in Bonn und im Südtiroler Bruneck lebende Künstler noch immer den Alltag ab – allerdings nutzt er nun Dinge des täglichen Lebens als Hilfsmittel für sein künstlerisches Schaffen. Ab Sonntag führt das Bilderbuchmuseum Burg Wissem Stammers aktuelle Arbeiten in der Ausstellung „Punkt – Linie – Farbe“ mit dem Werk seines Lehrers Heinrich Küpper zusammen.

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, regelmäßig Werke aus unserer Sammlung, Künstlerbücher in ihren vielfältigen Facetten und auch Arbeiten regional verorteter Künstler zu zeigen“, sagt Museumsleiterin Pauline Liesen. Diesen Dreiklang erfülle das Haus nun in einer Ausstellung. Die geht auf eine Idee von Jürgen Röhrig zurück. Als Journalist und Kunstpublizist hat er den zuletzt in Ruppichteroth lebenden Heinrich Küpper über Jahre begleitet. Im September wäre der Künstler 100 Jahre alt geworden. Deswegen regte Röhrig an, die 23 Künstlerbücher, die Küpper vor seinem Tod im Dezember 2009 dem Bilderbuchmuseum schenkte, erstmals öffentlich zu zeigen. Leihgaben von Privatleuten komplettieren die Ausstellung.

Der Künstler Hans Delfosse fand zudem, was Pauline Liesen zur Ergänzung der kleinen Küpper-Schau suchte: Hans-Theo Stammer, der in den 1970er Jahren an der Kölner Fachhochschule bei Küpper Freie Kunst und Design studierte. „Der Einfluss Küppers ist im Werk Stammers zu sehen, auch wenn dieser anders arbeitet“, beschreibt Liesen, was sie an der Doppelausstellung fasziniert.

In den Arbeiten beider gibt es viel zu entdecken. Küpper spielt mit Linien und Farben, bewegt sich zwischen Gestischem und Skriptualem. Körper verlieren sich gleich wieder im kunstvollen Geflecht. „Er hat mit Leidenschaft, Enthusiasmus und Manie immer weiter gezeichnet“, sagt Jürgen Röhrig. „Es ging ihm nie um das Gelingen des einzelnen Blattes, sondern darum, sich immer wieder Neues zu erarbeiten.“

Experimentieren, Neues erforschen – damit beschäftigt sich auch Karl-Theo Stammer in seinem als „Labor“ betitelten Atelier. Über den Linoldruck hat er zum Zeichnen und Malen gefunden. „Ich quäle mich gern“, sagt der passionierte Rennradfahrer. Sein Credo: Alles kommt zu dem, der warten kann. Dazu setzt er auf Rötel, Graphit, Kreide und viel Kreativität beim Umgang. So werden Buntstifte gestutzt und gebrochen und Kreiden eingekerbt, um sie über Papier zu rollen oder zu drehen. Dabei entsteht ein faszinierendes Spiel von Linien, Formen und Farben.

Das Bilderbuchmuseum Burg Wissem lädt für Sonntag, 7. April, ab 15 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung „Punkt – Linie – Farbe“ in die Burgallee 1 in Troisdorf ein. Zur Finissage gibt es am Sonntag, 19. Mai, ab 16 Uhr eine Führung mit Karl-Theo Stammer.