Zu wenig Kapazitäten

2007 Unterschriften für neues Frauenhaus im Rhein-Sieg-Kreis

Diane Jägers (2.v.l.) und Sebastian Schuster (r.) erhielten 2007 Unterschriften für ein drittes Frauenhaus. Sie diskutierten mit Klaus-Werner Jablonski (3.v.l.) und Elisabeth Winkelmeier-Becker (3.v.r.).

Diane Jägers (2.v.l.) und Sebastian Schuster (r.) erhielten 2007 Unterschriften für ein drittes Frauenhaus. Sie diskutierten mit Klaus-Werner Jablonski (3.v.l.) und Elisabeth Winkelmeier-Becker (3.v.r.).

Troisdorf. Die Plätze in den Frauenhäusern sind knapp: Zum 25. Bestehen des Frauenhauses in Troisdorf haben die Organisatoren nun Unterschriften für eine weitere Einrichtung im Rhein-Sieg-Kreis übergeben.

„Nur jede fünfte Frau kann im Frauen- und Kinderschutzhaus aufgenommen werden“ stand auf einem Plakat, das an einem Schuhregal hing. Zu diesem führte ein Band aus roten Schuhen direkt neben dem Eingang zur Troisdorfer Stadthalle. Der Verein „Frauen helfen Frauen Troisdorf“ hatte anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Troisdorfer Frauenhauses zu einem Jubiläumsempfang ins Foyer eingeladen und mehr als hundert Besucher folgten, darunter auch zahlreiche Politiker. Die kamen unter Moderation von Cornelia Benninghoven auf der Bühne zu Wort.

„Als normaler Mensch kann man gar nicht nachvollziehen, warum man ein Frauenhaus braucht“, erzählte Troisdorfs Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski von seiner Einstellung vor seiner Tätigkeit als Schutzmann in den Kölner Stadtteilen Müngersdorf und Neu-Lövenich. Da habe er miterlebt, wie oft die Polizei zu Familien- und Ehestreitigkeiten gerufen werde und wie wichtig es sei, dass Frauen eine Zufluchtsstätte erhielten. Davon gibt es im Rhein-Sieg-Kreis indes nur zwei. Wie Landrat Sebastian Schuster sagte, sei er zwar stolz, dass es schon seit 30 Jahren im Kreis Frauenhäuser gebe, aber es seien einfach zu wenig.

Das fanden auch zwei Frauen aus dem Verein, die Schuster und Diane Jägers, der Leiterin der Gleichstellungsabteilung im NRW-Heimatministerium, zwei selbst gebastelte Papp-Häuser mit 2007 gesammelten Unterschriften für die Einrichtung eines dritten Frauenhauses überreichten. Laut Jägers müsse aber vor dem Bau neuer Frauenhäuser zunächst einmal eine Bedarfsanalyse durchgeführt werden, die eine Dunkelfeldstudie enthielte, in der auch die Frauen und Mädchen erfasst würden, „die nicht bei der Polizei landen“.

Zudem gebe es auch immer mehr häusliche Gewalt an Männern, ließ die Gleichstellungsleiterin wissen. „In Nordrhein-Westfalen gibt es 62 Frauenhäuser, die das Land bezuschusst“, sagte Jägers. Nach der Instanbul-Konvention sollte es aber pro 10.000 Einwohner einen Frauenschutzplatz geben, wie sie verlauten ließ. Im Rhein-Sieg-Kreis kommen 41 Plätze auf knapp 600.000 Einwohner. Diese decken gerade mal die Hälfte der geforderten Schutzplätze ab. So mussten in Troisdorf im vergangenen Jahr 197 Frauen und 240 Kinder wegen Platzmangels abgelehnt werden. In Sankt Augustin fanden 288 Frauen keinen Schutz.

Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker sprach von einem Runden Tisch, der laut Koalitionsvertrag zu diesem Thema auf Bundesebene eingerichtet werden soll. Allerdings sei die Umsetzung der Frauenhäuser Ländersache. Wohin die Frauen sollen, wenn sie aus der Einrichtung hinaus gingen, sprach Jägers an. Denn die Frauen hätten oftmals viele Kinder und kein Geld, so dass sich die Wohnungssuche schwierig gestalte. Diane Jägers wünschte sich dazu die Erarbeitung eines einheitlichen Konzeptes.