Interview mit Hans Liberg

Worüber die Deutschen (nicht) lachen

Hans Liberg wurde 1954 in Amsterdam geboren und hat sich schon seit Schülertagen mit dem Humor in der Musik auseinandergesetzt. Nach einem Studium der Musikwissenschaften und dem Erlernen einer Vielzahl an Instrumenten und Sprachen steht er als Musik-Komiker seit mehr als 30 Jahren in den Niederlanden und Deutschland sowie im französisch- und englischsprachigen Raum und auf der Bühne. Er erhielt etliche Preise und Auszeichnungen, wie den Wilhelmshavener Knurrhahn (1991), den Bayerischen Kabarettpreis "Der goldene Spaten" (2003) und den Ritter des Ordens vom Niederländischen Löwen (2008). Als Entertainer ist der 58-Jährige am 17. November mit seinem Programm "Ick Hans Liberg" in der Rhein-Sieg-Halle in Siegburg zu erleben. Karten ab 38,60 Euro gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

SIEGBURG. Er ist Multiinstrumentalist, Musikwissenschaftler, Mehrsprachler und Entertainer. Seit drei Jahrzehnten hält Hans Liberg (58) die Lachmuskeln seines Publikums im Dauerstress. Am 17. November ist der Niederländer in Siegburg in der Rhein-Sieg-Halle zu erleben. Über seinen Weg auf die Bühne, Humor in der Musik und das, worüber die Deutschen lachen, gab Hans Liberg Auskunft.

Sie werden oft als Musik-Clown bezeichnet und haben etliche Kabarettpreise gewonnen. Sind Sie Clown oder Kabarettist?
Hans Liberg: Weder noch. Ein Clown ist eine tragische Gestalt und ein Kabarettist ist für mich einer, der jeden Tag die Zeitung liest und darüber seine Witze macht. Ich würde mich als Musik-Komiker oder Humoristen bezeichnen.

Wann haben Sie entdeckt, dass man mit Musik andere Menschen unterhalten und zum Lachen bringen kann?
Liberg: Gelacht wird ja immer dann, wenn etwas schiefläuft, anders, als man es erwartet hätte. Als Achtjähriger machte ich eine solche Erfahrung bei einem Schulauftritt. Etwas lief falsch, einige Eltern lächelten, und als ich mich dann noch großartig dazu verbeugte, klatschte der ganze Saal. Das erzählt meine Mutter immer wieder. Mit 25 dann, erst nach dem Studium, habe ich in dieser Art begonnen, Programme zu machen.

Sie spielen hervorragend Klavier und auch etliche andere Instrumente. Wie viele sind es?
Liberg: Vieles klingt, als hätte man es gelernt, dabei ist es nur ähnlich. Viel gespielt habe ich Gitarre als junger Mensch. Dann kann man auch schnell Balalaika und Mandoline spielen. Und nach zwei Jahren Klarinettenunterricht reicht es dann auch für Saxofon, Querflöte und Trompete. Jedenfalls für meine Programme. Viele Instrumente werden dabei ja nur angespielt.

Ihre Programme sprechen Sie ja auch in mehreren Sprachen für internationale Auftritte: Niederländisch, Deutsch, Englisch und Französisch. Ist es nicht schwierig, immer den humoristischen Nerv eines Landes zu treffen?
Liberg: Vor allem die Volkslieder sind nicht überall bekannt. Da arbeite ich mich immer speziell ein. Aber eines ist überall gleich. Das Publikum reagiert immer stark, wenn Musik und Erotik zusammenkommen. Und da sind die Deutschen speziell. Ravels Bolero in meiner Schlafzimmer-Hitparade ging den Deutschen schon oft zu weit. Auch von Mozart weiß man, dass er einige solcher Texte selber geschrieben hat und eine kleine Drecksau war. Das will das deutsche Publikum aber nicht wahrhaben und protestiert anschließend.

Bach, Chopin, Beatles. In Ihren Programmen wird jeder mal kurz angeschnitten. Wer war oder ist denn nun der Größte?
Liberg: Schwer zu sagen. Das Empfinden hängt auch von Alter und Stimmung ab. Aber Beethoven finde ich sehr großartig und originell. Bach und Debussy, Mahler und Bruckner natürlich auch. Auch unbekannte Komponisten wie den Deutschen Franz Schmidt höre ist sehr gerne, aber für meine Programme kann ich Unbekanntes nicht verwenden. Der Humor funktioniert übers Wiedererkennen.

Was halten Sie von Musik-Shows, wie "Deutschland sucht den Superstar"?
Liberg: In solchen Shows ist Humor nicht so gefragt. Und die Teilnehmer sind tragische Gestalten. Man kann nicht glauben, dass man gewählt wird und dann ein Star ist. Eine Karriere muss man sich erarbeiten.

Und noch eine Dreiergruppe: Lotti, Rieu, Clayderman - Ihre Buhmänner. Die popularisieren die Klassik doch auch, wie Sie.
Liberg: Schon, aber sie nehmen sich schon sehr ernst und sind auch ziemlich kitschig.

Haben Sie einen von den dreien schon mal persönlich kennengelernt?
Liberg: Natürlich. Ich habe kein Problem mit denen. Lotti und einige Mitglieder seiner Limburger Symphoniker kommen immer gerne in meine Shows, wenn ich in Maastricht und Hasselt auftrete.

In ihren Programmen mischen Sie Klingeltöne, die Deutschlandhymne, ABBA-Hits, Beethovens 5.Sinfonie und Minimal Music - ist für Sie alles, was klingt, Musik?
Liberg: Nicht alles. Aber zwischen Klingeltönen und Klassik gibt es keinen großen Unterschied. Der Nokia Tune ist eine klassische Melodie des spanischen Gitarren-Komponisten Tarriega. Der ist so lange tot, dass man keine Gema-Gebühren mehr zahlen muss.

Das aktuelle Programm "Ick Hans Liberg" bringen sie im November in Siegburg. Zeigen Sie uns den wahren Hans Liberg?
Liberg: Da weiß ich ja selber nicht, wer das ist ... Nein, "Ick Hans Liberg" ist auch der Buchtitel meiner Autobiografie. Und einiges, was ich über meine Kindheit in Amsterdam und die ersten Begegnungen mit der Volksmusik geschrieben habe, kommt auch im Programm vor. Daher der Titel.

Siegburg ist übrigens auch Musikstadt - die Geburtsstadt Engelbert Humperdincks....
Liberg: Wenn ich in Bonn oder Salzburg auftrete, bringe ich auch immer etwas über die Komponisten, die mit der Stadt zu tun hatten. Ich hatte auch schon überlegt, etwas zu Humperdinck zu machen. Lassen Sie sich überraschen.