Situation im Rhein-Sieg-Kreis

Wohnungssuche für Flüchtlinge eine große Hürde

Markus Wrobel (rechts) und Hausmeister Valerj Braun (links) im Gespräch mit Familie Abassi aus Afganistan, die in der Unterkunft Frankfurter Straße in Siegburg ein neues Zuhause gefunden hat.

Markus Wrobel (rechts) und Hausmeister Valerj Braun (links) im Gespräch mit Familie Abassi aus Afganistan, die in der Unterkunft Frankfurter Straße in Siegburg ein neues Zuhause gefunden hat.

Rhein-Sieg-Kreis. Wohnungen zu finden, ist für viele anerkannte Flüchtlinge ein Problem. Kommunen betreuen noch immer zahlreiche Menschen in städtischen Unterkünften.

Die Zeiten, in denen viele Turnhallen als Notunterkünfte für Flüchtlinge dienten, sind vorbei. Die Kommunen im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis betreuen aber immer noch viele Menschen. Wie viele sind es, wo sind sie untergebracht und welche Perspektive haben sie? Der GA hat bei den Städten nachgefragt.

477 Flüchtlinge versorgt Sankt Augustin derzeit in städtischen Unterkünften. Darunter sind nicht nur Menschen im Asylverfahren, sondern auch bereits anerkannte Flüchtlinge oder abgelehnte, die aber geduldet sind. Demgegenüber stehen 969 Plätze. „Wir haben Überkapazitäten“, sagt Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. „Wir hatten ja selbst zu Jahresanfang noch eine andere Prognose.“ Hinzukommen 308 Asylbewerber, die in der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes leben.

Die derzeitige Lage bringt der Stadt neue Flexibilität. Zum einen könnten die Unterkünfte nun entspannter belegt werden, was das Zusammenleben einfacher mache. Zum anderen biete es die Chance für dringend benötigte Sanierungen, so die Stadtsprecherin. So müsse etwa an den Unterkünften Am Kreuzeck und an der Großenbuschstraße einiges getan werden. Darüber hinaus versucht die Stadt aber, sukzessive Wohnungen wieder abzugeben, die sie für Flüchtlinge angemietet hatte. „Wir möchten sie gerne an Flüchtlinge oder andere Menschen, die Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt haben, weitervermitteln“, so Stocksiefen. Denn: Wohnungen zu finden, sei für viele anerkannte Flüchtlinge ein Problem – vor allem für alleinstehende Männer. „Da ist Sankt Augustin aber keine Besonderheit. Das ist in anderen Städten genauso.“

Unterkünfte sind unterbelegt

Und wie sieht es mit den Kosten aus? „Sehr unterschiedlich“, sagt die Stadtsprecherin. 2016 seien die Kosten der Unterbringung nahezu gedeckt gewesen. „Da haben wir aber noch viele Turnhallen genutzt, für die die laufenden Kosten sowieso entstanden wären.“ Das seien nicht so hohe Kosten gewesen, wie sie nun für die Einrichtungen entstünden, so Stocksiefen. Hinzu komme, dass die Kosten seit Jahresanfang monatlich angepasst würden und nicht mehr jährlich. Das heißt: Anerkannte oder abgelehnte Flüchtlinge fallen relativ schnell aus der Landespauschale von 866 Euro pro Monat und Asylbewerber raus. „Für 2017 haben wir noch zu wenig Daten. Wir gehen aber davon aus, dass wir eine Kostendeckung von deutlich unter 50 Prozent haben werden.“

In Siegburg ist die Zahl der Flüchtlinge in den zurückliegenden Monaten leicht angestiegen. Laut Co-Dezernent Bernd Lehmann kommen mehr als die Hälfte der aktuell 660 Geflüchteten aus dem Irak und Syrien. Anders als vor mehr als einem Jahr prognostiziert, sind die städtischen Unterkünfte damit unterbelegt. 384 Menschen leben in den insgesamt neun Unterkünften. Erste Anlaufstelle ist der Siegdamm. Weitere 276 Flüchtlinge sind in Wohnungen untergebracht. Mittlerweile fielen die Unterkünfte im Stadtbild kaum noch auf, sagt Markus Wrobel, Sachgebietsleiter Flüchtlingsangelegenheiten. Genau das sei Ziel der dezentralen Aufteilung auf viele Unterkünfte gewesen.

385 Flüchtlinge in Siegburg sind inzwischen anerkannt

Laut Stadt sind 385 der Geflüchteten inzwischen anerkannt, 143 befinden sich noch im Verfahren. Für 132 endete das Verfahren zwar mit einer Ablehnung, sie sind aber geduldet. Die meisten der 249 Kinder und Jugendlichen sind in den Kindergärten und Schulen der Stadt untergekommen. „Problemgruppe sind die 16- bis 23-Jährigen, da das Berufskolleg nicht ausreichend Plätze hat und somit viele die Schule gar nicht oder nur unzureichend besuchen können“, so Lehmann. Abgesehen von den städtischen Personalkosten seien die Kosten im Bereich Asyl 2015 und 2016 gedeckt gewesen. Das werde auch für 2017 angestrebt, allerdings könnte sich die steigende Zahl an Ablehnungen negativ auswirken.

In der Stadt Hennef gibt es noch keine abschließenden Zahlen zu den Kosten. „Aber die Tendenz ist nicht kostendeckend“, sagt Stadtsprecherin Mira Steffan. 300 Flüchtlinge verteilt auf 172 Haushalte befinden sich in Hennef noch im Asylverfahren. Davon seien 52 in der Gemeinschaftsunterkunft an der Reutherstraße gemeldet, die restlichen in Wohnungen, sagt die Stadtsprecherin. Hinzu kommen 78 Menschen, die abgelehnt aber geduldet sind. Der Großteil von ihnen ist in eigenen Wohnungen untergebracht, acht wohnen ebenfalls an der Reutherstraße. Anerkannt sind 172 Flüchtlinge, von denen die meisten in von der Stadt angemieteten Wohnungen leben. Über das gesamte Stadtgebiet verteilt, hat die Kommune insgesamt 85 Wohnungen angemietet. Sie seien individuell belegt, so Steffan. Die beiden Gemeinschaftsunterkünfte an der Reutherstraße bieten bis zu 240 Plätze.

Die Stadt Troisdorf versorgte zum Stichtag 30. Juni 456 Flüchtlinge, darunter 85 Geduldete. Von den 1067 Plätzen in den städtischen Unterkünften sind laut Ulrike Hanke, Leiterin des Sozial- und Wohnungsamts, jedoch 660 belegt – 450 in Gemeinschaftsunterkünften und 210 in Wohnungen. „Aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes leben noch viele Personen, die nicht mehr im Asylverfahren sind und schon eigenen Wohnraum anmieten könnten, in städtischen Unterkünften“, erklärt Hanke die Differenz. Wie hoch die Kosten für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge im ersten Halbjahr war, darüber sollen die politischen Gremien nach der Sommerpause informiert werden. Laut der Sozialamtsleiterin sind die Kosten durch die Zuschüsse nicht gedeckt.

501 Flüchtlinge leben derzeit in Niederkassel, 105 von ihnen sind geduldet. Laut Pressestelle sind 362 Geflüchtete in städtischen Unterkünften untergebracht, 139 in Wohnungen. Insgesamt bietet die Kommune 569 Unterbringungsplätze. Ein weiteres Gebäude werde errichtet und ein zweites sei in Planung.