Verheerendes Feuer

Welle der Solidarität nach Großbrand in Siegburg

Siegburg. Nach dem Großbrand am Dienstag bieten zahlreiche Bürger ihre Hilfe an. Die Stadt Siegburg richtet am Samstag eine zentrale Annahmestelle ein.

Auf der Flucht vor den Flammen blieben den Anwohnern nur wenige Sekunden, um neben dem eigenen Leben noch einige Gegenstände zu retten. Bargeld, einige Akten mit wichtigen Unterlagen oder auch nur Babynahrung und eine Windel zählten dazu, wie Betroffene und Anwohner in der unmittelbaren Nachbarschaft am Dienstagabend berichteten. „Wir wussten, als wir das Haus verlassen haben, nicht, ob wir es wieder sehen“, sagte Helga Voges-Link, Anwohnerin Im Urnenfed. Am Morgen danach begannen die Bewohner der zerstörten Häuser sich ein Bild von den Überresten ihres Eigentums zu machen.

„Das Augenmerk liegt auf den Brandopfern, die in der vergangenen Nacht bei Freunden und Verwandten untergebracht wurden, nun weiter untergebracht werden müssen“, teilte Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn mit. Die Hilfsbereitschaft sei unmittelbar nach der Entwarnung auf dem Brückberg so groß gewesen, dass die Stadt jetzt schauen müsse, wie sie mit den Hilfsangeboten umgehe. Das von der Stadt eingerichtete Bürgertelefon zählte am Dienstag 250 Anrufe. Auch am Mittwoch hätten die Apparate pausenlos geklingelt. Zudem habe die Stadt Siegburg ein Spendenkonto eingerichtet. Bis Mittwochnachmittag seien nach Angaben der Stadt rund 700 Euro eingegangen.

Rund 50 Mitarbeiter der Stadt kümmerten sich um die zahlreichen Anfragen oder halfen unmittelbar bei der Versorgung der Evakuierten vor Ort. Auch beim General-Anzeiger meldeten sich am Mittwochmorgen zahlreiche Menschen, die darum baten, Hilfsangebote weiterzuleiten.

Ein großes Zeichen der Solidarität setzten zahlreiche Siegburger im sozialen Netzwerk Facebook. In der Gruppe „Brandopfer Siegburg und Umgebung“ boten Nutzer Spenden und ihre Hilfe etwa bei Aufräumarbeiten an. „Wir haben zwei voll eingerichtete Ferienwohnungen in Porz-Grengel, die im Moment frei sind. Es sind Schlafmöglichkeiten für bis zu 4 Personen pro Wohnung vorhanden, vor allem für Eltern mit Kindern geeignet“, kommentierte eine Nutzerin. Andere boten sogar Schlafmöglichkeiten in ihrer eigenen Wohnung an, für Betroffene zu kochen oder mit dem Auto und Anhänger beim Transport zu helfen. Ein in der Nähe gastierender Zirkus stellte 500 Freikarten für Betroffene und Angehörige zur Verfügung. Bereits am Dienstagabend zählte die Gruppe rund 2000 Mitglieder.

Am Mittwochnachmittag hatte sich die Zahl verdoppelt. Ins Leben gerufen wurde das Angebot von Manu Gardeweg vom Netzwerk „Lohmar hilft“. Das Wichtigste sei es jetzt, angebotene Spenden zu managen, sagte Gardeweg am Mittwochmorgen gegenüber dem General-Anzeiger. „Wir selbst haben bewusst keinen Spendenaufruf gestartet, weil wir in der Lage sind, umfassende Hilfe aus unserem Lagerbestand zu leisten“, erklärte sie. Nach Absprache mit der Stadt erhalten Betroffene, die Spenden des Netzwerks in Anspruch nehmen möchten, unbürokratisch und schnell Hilfe, so Gardeweg. Bedarfe sollen sie zunächst bei der Stadt Siegburg anmelden. Die Verwaltung kümmere sich um die Beförderung der Menschen zu den Sammelstellen.

Seit zehn Uhr am Mittwoch stand sie zusammen mit zwölf freiwilligen Helfern im Lager Lohmar bereit, um Sachspenden anzunehmen. In Kooperation mit dem Flüchtlingsnetzwerk hatte auch die kurdische Gemeinschaft in Siegburg eine Sammelstelle eingerichtet. „Wir sehen das als Nachbarschaftshilfe, die Menschen zusammenbringt“, so der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn, Musa Ataman. Zu den Ersten, die helfen wollten, gehörten Esther Swetik und ihre Tochter Anna-Marie aus Neunkirchen-Seelscheid, die schon öfter Kleidung vorbeigebracht haben. Auch am Mittwoch lieferten sie mehrere Kartons davon ab, die dann mit weiteren Spenden nach Lohmar verbracht wurden.

Große Spende eines Möbelhauses

Von vielen Seiten seien Anfragen an die Stadt Siegburg eingegangen. Eine zentrale Annahmestelle richtet die Stadt am Samstag, 11. August, zwischen 12 und 17 Uhr ein. Dann könnten auch privat gesammelte Gaben abgegeben werden. Erwartet werde dabei auch eine Lieferung von Sachspenden aus dem südlichen Münsterland. Wie der GA erfuhr, handelt es sich dabei um eine große Spende eines Möbelhauses, die die Stadt einlagere bis Betroffene Bedarf anmeldeten. Die Stadt Siegburg sieht sich für die kommenden Aufgaben gut aufgestellt. „Mit Sicherheit kommen uns jetzt auch die Erfahrungen, die wir bei der Flüchtlingsarbeit sammeln konnten, zu Gute“, sagte Stadtsprecher Jan Gerull.

 

Während die Spenden- und Hilfsaktionen in Siegburg und Umgebung anlaufen, sucht die Polizei weiter nach der Ursache des Feuers, das in der Böschung der Bahntrasse ausbrach und sich von dort rasend schnell ausbreitete. Im Zug der Brandermittlungen bittet die Kriminalpolizei Köln auch Zeugen um Mithilfe. Unterstützt wird die Ermittlungsgruppe von Experten des Landeskriminalamtes NRW.

Bislang ist die Brandursache laut Polizei völlig unklar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit spielten zur Brandzeit herrschende Wind und Luftverwirbelungen vorbeifahrender Züge eine Rolle, teilten die Beamten mit. Hinweise zur Entstehung des Feuers nimmt das Polizeipräsidium Köln unter der Rufnummer 0221/2290 oder die Polizeiwache Siegburg unter 02241/5413221 entgegen.