Sankt Augustiner erlebte das Fest in Afrika

Weihnachten feiern auf Kenianisch

07.01.2016 Sankt Augustin/Kenia. Der Sankt Augustiner Jan Ole Diekmann erlebt Festtage zwischen kenianischer Tradition und westlichen Bräuchen.

Weihnachten. In Deutschland und in anderen westlichen Ländern stellt man sich unter Weihnachten meist ein besinnliches Fest im Kreise der Familie oder Freunden vor. Ich persönlich ordne auch kaltes Wetter und gemütliche Stunden im Haus mit Weihnachtsgebäck und was man noch so alles in dieser Zeit macht, zu den mir bekannten Weihnachtstraditionen ein. Hier in Kenia ist da vieles völlig anders.

 Der westliche Einfluss ist allerdings auch an Kenia nicht spurlos vorbeigegangen und einige unserer Traditionen und Bräuche wurden übernommen. Eine der bekanntesten Traditionen in Deutschland ist der Weihnachtsbaum. In Kenia erfreut sich die künstliche, meist recht übermäßig geschmückte Variante des Weihnachtsbaumes, zumindest in den Supermärkten der großen Städte, großer Beliebtheit.

Auch meine Gastfamilie hat den Brauch des Weihnachtsbaumes laut meinem Gastvater schon seit einiger Zeit für sich übernommen. Unser diesjähriger Baum bestand aus einem Ast von einem der wenigen Nadelbäumen in der Nähe. In einem Eimer mit Erde befestigt, zierte dieser über die Festtage stilvoll mit viel Lametta, Glitzergirlanden, einer Lichterkette und Rewe Luftballons der Vorfreiwilligen das Wohnzimmer des Hauptgebäudes. Weihnachten wird in Kenia, wie auch in den USA am 25. Dezember gefeiert.

In einer durchschnittlichen Woche schwänzen auch die Kenianer gerne mal sonntags den Gottesdienst, um sich ihren Feldern oder notwendigen Arbeiten auf dem Hof zu widmen, doch an Weihnachten ist es besonders wichtig der Messe beizuwohnen. So gingen auch wir in die ungewöhnlich kurze Weihnachtsmesse der Gemeinde des Dorfes. Als "Wazungu" mussten wir uns auf Grund der ungewöhnlich großen Teilnehmeranzahl noch einmal gemeinsam mit unserem Gastvater vorstellen. Meinen sehr begrenzten Dholuo-Wortschatz, den ich bisher erworben habe, konnte ich bei diesem Anlass einmal einsetzen und mich in der Sprache des ansässigen Volksstammes der Luo persönlich vorstellen. Diese Bemühung meinerseits wurde mit großem Applaus und Dankesrufen wertgeschätzt.

Am Abend des 25. Dezember wurde dann im Haupthaus gemeinsam mit allen Familienmitgliedern und einigen Besuchern das Festmahl eingenommen, dass unsere Gastmutter schon den ganzen Tag vorbereitet hatte. Neben den täglichen Speisen wie Ugali (Maisbrei), Sukumawiki (ein Spinat ähnliches Gemüse) und einer Art Rührei gab es nun Huhn und Rind in einer Suppe gekocht, Kartoffeln mit Tomaten und Zwiebeln gebraten und das Hauptgericht Pilau. Pilau ist in der Region Kenias, in der ich zurzeit lebe, keine traditionelle Speise, sondern wurde von den meist islamisch geprägten Volksgruppen an der Küste übernommen. Bei dem Gericht handelt es sich um eine Mischung aus Reis, verschiedenem Gemüse, gebratenem Rindfleisch und einer bestimmten Gewürzmischung mit Kardamom, Zimt und anderen Bestandteilen.

Geschenke werden in Kenia an Weihnachten eigentlich nicht ausgetauscht, da aber die Eltern meiner Projektpartnerin die Feiertage hier in der Gastfamilie verbrachten, hatten sie einige Kleinigkeiten für die vielen Kinder mitgebracht.

Das neue Jahr wird in Kenia ähnlich gefeiert wie das Weihnachtsfest. Besonders in den ländlichen Gegenden geht man mindestens einmal am Ersten des Jahres in die Messe und feiert abends mit einem großen Essen. Ein Feuerwerk oder Ähnliches ist eher unüblich und für die meisten Familien zudem viel zu kostspielig und der Nutzen nicht wirklich erkennbar. Allerdings wird wie bei allen Veranstaltungen aus meist riesigen Lautsprechern lokale Musik in extremer Lautstärke gespielt.

Das Neujahrsfest habe ich nicht im Dorf meiner Gastfamilie verbracht, sondern war mit einer meiner Mitfreiwilligen für eine Woche als Backpacker unterwegs. Am Abend des 31. Dezember waren wir auf einem Campingplatz in einer ebenfalls ländlichen Gegend. Der Besitzer des Campingplatzes, ein Amerikaner, veranstaltete eine große Feier an diesem Abend. Außer uns waren noch genau zwei weitere "Wazungu", die ebenfalls Deutsche waren. Gemeinsam mit den Kenianern, die von Beginn an ausgelassen zu nun auch teilweise internationaler Musik tanzten, wurden auch wir mit der Zeit in ihre Mitte aufgenommen. Es wurden uns einige traditionelle und weniger traditionelle Tanzstile gezeigt, bei denen es hauptsächlich darum ging, seine Hüfte möglichst locker kreisen zu lassen. Für uns Europäer war das gar nicht so einfach, und so wurden wir das ein oder andere Mal von einigen Kenianern nachgeahmt.

Um Mitternacht gab es dann ein kleines Feuerwerk, bestehend aus zwei Raketen, von denen eine über den Boden schoss und neben der Toilette explodierte. Danach tanzten wir weiter zusammen und diskutierten mit einigen Einheimischen über Politik, Geschichte und Europa. Auf diese Weise endete das Jahr 2015 für mich. Das neue Jahr beginnt nun wieder mit meiner Arbeit in der Schule, auf die ich mich sehr freue. (Jan Ole Diekmann)