Brückberg-Kaserne

Wachbataillon verabschiedet sich aus Siegburg

SIEGBURG. Vor zwölf Jahren ist Babak Zand nach Siegburg gekommen. In der Brückberg-Kaserne hat er seinen Grundwehrdienst geleistet und ist geblieben, hat sich für zwölf Jahre zum Dienst beim Wachbataillon, der Ehrenformation des Bundesverteidigungsministeriums, verpflichtet. Und der 31-Jährige bleibt, obwohl das Wachbataillon nun geht.

Die 3. und 6. Kompanie verabschieden sich am Samstag mit einem Großen Zapfenstreich auf dem Markt vom Siegburger Standort.

Beide Einheiten ziehen nach Berlin. So hat es der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière in seinem Ende 2011 vorgelegten Stationierungskonzept vorgesehen. 780 Soldaten waren seinerzeit in Siegburg stationiert, darunter 244 Soldaten des Wachbataillons. "Die Masse wird die Streitkräfte verlassen", sagte der damalige Kommandeur der Protokolleinheit, Michael Krobok.

Er behielt recht: Nur 35 Soldaten zogen tatsächlich Ende März mit der 3. Kompanie nach Berlin, etwa fünf Soldaten der 6. Kompanie folgen Ende September, so Oberstabsfeldwebel Andreas Peltzer vom Presse- und Informationszentrum. "Bei den restlichen endet der Zeitvertrag oder sie werden in der Region versetzt."

Für Babak Zand hat sich die Frage, nach Berlin zu ziehen, nie gestellt. Der Oberfeldwebel ist für sein Studium vom Soldatendienst freigestellt. Seine Dienstzeit endet im März 2015. Siegburg wäre aber ohnehin sein Lebensmittelpunkt geblieben. "Ich habe hier meine Frau kennengelernt, meine Kinder sind hier geboren und wachsen hier auf, Siegburg ist für mich Heimat geworden", sagt Zand.

Der Abschied vom Wachbataillon fällt ihm nicht schwer. "Die Bundeswehr war für mich ein Lebensabschnitt, kein Lebensinhalt", sagt der Mann, der in Stolberg bei Aachen aufgewachsen ist. Gleichwohl habe die Zeit ihn geprägt. "Sie war wichtig für mich, beruflich wie privat."

Ehe er 2002 zum Grundwehrdienst eingezogen wurde, hat Babak Zand eine Zeit lang bei seinem iranischen Vater auf Teneriffa gelebt. Von der Kanareninsel ging es in die Kreisstadt, vom Strand in die Kaserne. Bei der Protokolleinheit gefiel es ihm so gut, dass er den Wehrdienst nach neun Monaten freiwillig verlängerte und sich dann mit dem Feldwebelantrag für zwölf Jahre verpflichtete.

"Semper talis" ist der Leitspruch der Eliteeinheit, "immer vortrefflich". Ein hoher Anspruch. "Der Dienst beim Wachbataillon ist anstrengend", so Zand, "aber herausfordernd und abwechslungsreich." So sah er als Glied der Ehrenformation viele Persönlichkeiten vorbeischreiten.

Die Queen ist ihm in Erinnerung geblieben und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der die Ehrenposten bei einem Staatsbankett auf Schloss Bellevue warten ließ. Mitunter ging es vom Truppenübungsplatz direkt zum Einsatz. "Einmal mussten wir spontan nach Wilhelmshaven, um bei einem Großen Zapfenstreich eine Perlenkette zu stellen", erinnert sich Zand.

Als großen Einschnitt bezeichnet der Vater zweier Töchter den Schritt zum Informationsfeldwebel. Als solcher war er zuständig für externe und interne Kommunikation, arbeitete an zwei Festschriften des Wachbataillons, organisierte Festlichkeiten und erhielt mit anderen Autoren den Jahrespreis Politische Bildung.

Berufsbegleitend machte er den Online-Marketing-Fachwirt. "Ich suche immer Herausforderungen", erklärt er, warum er 2012 für ein Jahr als Medienadministrator nach London ging. Im Grunde war das bereits der Abschied vom Wachbataillon. Zurück in Siegburg, studiert er seither Medienwirtschaft in Köln, macht 2015 den Bachelor und will danach im Stadt- oder Regionalmarketing arbeiten.

Wenn Babak Zand die Luisenstraße 109 passiert, beschleicht ihn kurz Wehmut. "Die 3. Kompanie war eine Familie für mich." Aus Kameraden sind Freunde geworden. "Wir wurden in Berlin oft als Insel der Glückseligen bezeichnet", verrät er. Die gehört nun der Vergangenheit an.

Was der Brückberg-Kaserne bleibt, ist das Bundeswehrmusikkorps, eine Abteilung des für Reservistenangelegenheiten zuständigen Bundesamts für Personalmanagement, kleinere Einheiten sowie Teile des Logistikamtes, die jedoch in drei Jahren wegziehen. Dann sind voraussichtlich rund 360 Soldaten in Siegburg stationiert - und die Rehe, die sich auf dem Areal heimisch fühlen. Babak Zand blickt nach vorne: "Ich habe meine Zukunft klar vor Augen." Die liegt in Siegburg.

Der Große Zapfenstreich

Der Große Zapfenstreich am Samstag, 26. April, ab 20.45 Uhr, ist nicht der erste, den die Bundeswehr auf dem Siegburger Markt abhält. So richtete sie bereits im Juni 2007 auf dem Marktplatz einen aus - anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Wachbataillons. Hunderte Bürger erlebten damals das hohe Zeremoniell mit Musikzügen, Waffen- und Fackelträgern. Im Jahr 2012 gab es einen Großen Zapfenstreich in der Brückberg-Kaserne.

Das Ritual geht in seiner heutigen Form auf das 19. Jahrhundert zurück. Seit dem Jahr 1922 wird auch die Nationalhymne gespielt. Das Wachbataillon, das Siegburg offiziell bis zum 30. September verlässt, sieht dem Ereignis mit Wehmut entgegen. "Wir sind seit 1959 mit Siegburg verbunden", so Oberstleutnant Axel Dohmen, Kommandeur des Wachbataillons. Er sagt: "Wir haben immer viel Anerkennung bei Stadt und Bevölkerung gefunden."

Die Geschichte des Wachbataillons in Siegburg

Sie sind der erste und der letzte Eindruck eines Staatsgastes - seit insgesamt 57 Jahren übernehmen die Soldaten des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung die militärische Repräsentation Deutschlands. Am 15. Februar 1957 wurde die 1. Kompanie, der Soldaten von Heer, Luftwaffe und Marine angehörten, als Stabs- und Versorgungskompanie in Rheinbach aufgestellt. Zwei Jahre später zog sie schließlich mit dem gesamten Wachbataillon in die Brückberg-Kaserne in Siegburg. Auch das Musikkorps der Bundeswehr ist seither dort stationiert.

Ab September 1961 konnten Wehrpflichtige ihren Grundwehrdienst in der Kreisstadt ableisten. Mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 nahmen die protokollarischen Einsätze in Berlin zu, so dass Kompanien aus dem Rheinland nach Berlin verlegt wurden. Als im Sommer 1999 auch Bundestag und Bundespräsident nach Berlin zogen, wurde der größte Teil des Wachbataillons in die Bundeshauptstadt verlegt.

Die 3. Kompanie ist Ende März gefolgt. Ende September geht die 6. Kompanie, die derzeit den Grundbetrieb am Brückberg erhält, nach Berlin - und das Siegburger Kapitel des Wachbataillons endet. Nicht aber die Partnerschaft, die Wachbataillon und Siegburg seit dem Jahr 1988 verbindet. Die soll weiterhin gelebt und gepflegt werden.