"Achtung Satire"

Vom Kaftan in die Jogginghose

Dirndl und Deutschlandfahnen: Das Theaterensemble bediente sich bei der satirischen Aktion der Holzhammer-Methode.

Dirndl und Deutschlandfahnen: Das Theaterensemble bediente sich bei der satirischen Aktion der Holzhammer-Methode.

SIEGBURG. Theaterensemble "Vielfach" nimmt in Siegburg mit bitterböser Satire Integration und Leitkultur aufs Korn.

Die Passanten in der Siegburger Fußgängerzone waren einigermaßen irritiert: Mit orangefarbenen Warnwesten bekleidet schoben einige Männer und Frauen Mülltonnen vor sich her, liefen im Gänsemarsch vom Museum zur Apotheke an der Ecke unterer Markt.

Zu schneidiger Musik trommelten sie rhythmisch auf die Tonnen. Angeführt wurde die Truppe von einer Dame, die den Passanten zuwinkte und ein Schild mit der Aufschrift "Achtung Satire" hochhielt. Am Ziel angekommen, griff sie zum Megafon und forderte mit scharfem Ton: "Asylbewerberinnen und Asylbewerber, verehrte Insassen der Übergangswohnheime, bitte finden Sie sich hier an der Sammelstelle ein."

Eine Handvoll Menschen, die der Anweisung nachkamen, folgte auch der Aufforderung, ihre Ausweispapiere, "oder das, was wir dafür halten sollen" an ihre Kollegen zu übergeben, die sie postwendend in den Müllbehältern entsorgten.

Was es damit auf sich hatte? Ein Flyer klärte auf: Es handelte sich um eine satirische Performance zum Thema Integration des Ensembles "Vielfach" vom Verein "Facettenreich" unter Leitung von Maria Havermann-Feye und Eva Barbara Klein.

Zu der internationalen Gruppe gehören auch viele Flüchtlinge, die in Siegburg und Nachbarkommunen leben. Was die Zuschauer am Freitagnachmittag zu hören und sehen bekamen, war "Die Holzhammer-Methode" zur Integration, so auch der Titel.

Es gab "Hinweise zu unseren Integrationskursen", die die Wortführerin mit Megafon, Sabine Elze, ankündigte. So wurden die vermeintlichen Asylanten direkt mit dem wichtigen Kulturgut "Deutsches Volkslied" vertraut gemacht. "Lebt denn der alte Holzmichel noch", schallte es.

Mit tumbem Gesichtsausdruck schlugen die Warnwestenträger im Takt auf ihre Tonnen. Dann ging es um angemessene Kleidung. Titel des Kurses: "In 10 Minuten von der Burka in die Kittelschürze, vom Kaftan in die Jogginghose."

Als Sprachkurse wurden "Kölsch, Twitter und Facebook" beworben, beim Kochkurs "Deutsche Hausmannskost" stand die Zubereitung von Tiefkühlpizza auf dem Plan. Beim Spiel "Reise nach Jerusalem" um freie Betten sollten die Verlierer den nächsten Regio zu einem Ankerzentrum nehmen, so der "gut gemeinte" Ratschlag der Sprecherin.

Die Theaterperformance  war einer von insgesamt drei Beiträgen von "Facettenreich" zum diesjährigen Programm "Fluchtpunkt" im Rahmen des Siegburger Kulturprojektes "Angekommen", das sich seit 2015 mit dem Thema Flucht und Migration beschäftigt.

Die Performance solle eine Abrechnung mit dem sein, was viele Deutsche für ihre Kultur halten, wie Havermann-Feye erklärte. Eine fragwürdige Kultur, die man Migranten überstülpen wolle, ohne deren eigene zu respektieren.