Nach Großbrand

Unzählige Spendenaktionen für Brandopfer in Siegburg

SIEGBURG. Die Stadt Siegburg und das Netzwerk "Lohmar hilft" verzeichnen Tausende Spenden und Hilfsangebote nach dem Großfeuer in Siegburg. Am Samstag öffnet die Stadt für einige Stunden eine Sammelstelle in der ehemaligen Schule am Haufeld. Dabei wird ein großer Ansturm erwartet.

Ungebrochen ist die Hilfsbereitschaft nach dem verheerenden Großfeuer in Siegburg. Bei der Stadt Siegburg sind bereits Hunderte Angebote und Anrufe von Bürgern eingegangen, die den Betroffenen helfen wollen. Allein die Initiative „Lohmar hilft“ hat laut der Vorsitzenden Manu Gardeweg 2300 Pullover, 1800 Hosen, 700 T-Shirts und 600 Paar Schuhe erhalten. „Es ist irre, was da in Bewegung gekommen ist“, sagte sie. „Wir haben keinen einzigen Spendenaufruf gestartet, es kam alles über soziale Netzwerke.“

Die Initiative betreibt in Lohmar und Siegburg drei Sammelstellen und hat ein Lager in Troisdorf. Ursprünglich habe man nur Lagerbestände für die Brandopfer anbieten wollen, so Gardeweg. Doch dann habe sich ein Spender nach dem anderen bei dem Verein gemeldet, der sich als Dienstleiter für Not- und Katastrophenfälle versteht – auch überregional. Die Stadt Siegburg hat laut Sprecher Hunderte von Hilfsangeboten für die Brandopfer erhalten, meist über das eigens eingerichtete Bürgertelefon. Für Samstag erwartet die Stadt einen großen Ansturm bei der Sammelstelle für Sachspenden in der ehemaligen Hauptschule Innere Stadt (Haufeld 22). Diese ist zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. Dort wird auch ein 40-Tonnen-Lastwagen aus dem Münsterland erwartet, der Möbel bringt.

Die Stadt bittet Autofahrer, von der Wilhelmstraße ins Haufeld einzufahren, vor dem Gebäude Sachspenden auszuladen und dann zügig den Platz freizumachen für nachfolgende Fahrzeuge. Die Ausfahrt erfolgt dann über die Von-Stephan-Straße zurück zur Wilhelmstraße. Ein längeres (und am Samstag kostenloses) Parken ist auf dem nahe gelegenen großen Parkplatz im Haufeld möglich. Unter anderem wird auch ein 40-Tonner aus dem Münsterland erwartet, der Möbel bringt.

Wie berichtet, hatte sich am Dienstag ein Böschungsbrand an der Bahnstrecke rasend schnell zu einer Feuerwalze entwickelt, die binnen Minuten einen Hang und oberhalb gelegene Wohnhäuser erfasste. Die Ursache ist weiterhin unklar. Die Ursache ist weiterhin unklar. Die betroffene Straße „Im Urnenfeld“ ist abgesperrt und wird von einem Sicherheitsdienst kontrolliert. Auch die Polizei schaut regelmäßig vorbei, nicht zuletzt, um Gaffer fernzuhalten.

Nutzungsverbot für sieben Häuser

Laut Stadtverwaltung sind sieben Einfamilienhäuser unbewohnbar. Bislang war immer von neun die Rede. Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen durften die Bewohner ihre Häuser inzwischen wieder betreten, allerdings nur in Begleitung der Feuerwehr. Die Gebäude sind einsturzgefährdet. Zerstört sind vor allem die Dachgeschosse. Die Stadt verhängte ein formales Nutzungsverbot für die Gebäude, die jetzt von Statikern und anderen Versicherern genauer untersucht werden. Unklar ist, inwieweit die Häuser abgerissen werden müssen.

 

Mehr als 20 Anwohner sind betroffen. Sie sind vorerst bei Verwandten und Freunden untergekommen. „Wir sind mit ihnen im Gespräch und beziehen sie bei Entscheidungen mit ein“, sagte Bürgermeister Franz Huhn dem GA. „Es ist wichtig, diese Menschen jetzt erst einmal aus ihrem Trauma herauszuholen.“ Zu den wichtigsten Fragen gehöre zunächst, was überhaupt benötigt werde.

Deshalb sind zumindest einige der betroffenen Anwohner anwesend, wenn die Sammelstelle der Stadt am Samstag öffnet. Dort werden die Sachspenden gesichtet, aufgelistet und angenommen. Dabei sind städtische Mitarbeiter im Einsatz, unterstützt von Bewohnern einer Siegburger Flüchtlingsunterkunft. Auch das Netzwerk „Lohmar hilft“ ist dann vor Ort.

"Bloß keinen Schrott"

„Die Leute sollen bloß keinen Schrott vorbeibringen“, sagt Franz Huhn. „Wer meint, er könne diese Aktion zum Anlass nehmen, seine Garage zu räumen, ist falsch bei uns.“ Die Sachspenden müssten nicht schön sein, aber in jedem Falle brauchbar. Auch Manu Gardeweg befürchtet, dass alte Röhrenfernseher und „Oma Lieschens Sofa aus den 70er Jahren“ abgegeben werden. Für diesen Fall werde man freundlich auf die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft verweisen, so Gardeweg.

Von der Hilfsbereitschaft ist der Bürgermeister angetan: „Es ist einfach verrückt, was hier in Siegburg los ist. Diese Situation schweißt zusammen.“ Inzwischen gibt es zahlreiche Hilfs-Initiativen. Früh fand sich die Facebook-Gruppe „Brandopfer Siegburg und Umgebung“ zusammen. Die katholische Kirche hat eine Sonderkollekte eingerichtet. „Wir werden unsere Türen öffnen, um im gemeinsamen Gebet, in Gesprächen und mit finanzieller Unterstützung da zu sein“, so Diakon Marc Kerling. Wie auch die Stadt will die Kirche bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten behilflich sein. Für Samstag lädt die Gemeinde ab 19 Uhr zum Gebet in die Brückberger Kirche Sankt Joseph ein.

Bahnverkehr rollt wieder

Das Siegburger Baustoffzentrum Henrich ruft seine Kunden auf, Arbeitsstunden zu spenden. Dort können sich Handwerker in Listen eintragen. „Vielleicht finden sich so Dachdecker, Handwerker und Zimmerleute“, sagt Geschäftsführer Michael Schröder. „Außerdem wollen wir helfen, sobald der Materialbedarf festgestellt wurde.“ Auch die Pfadfinder vom Stamm Sankt Johannes Sieglar engagieren sich. Sie sammeln Geld: am Freitag in Troisdorf, am Samstag ab Mittag auf dem Siegburger Markt. Außerdem unterstützen die Pfadfinder ein Benefiz-Fußballturnier, das für den 19. August im SoccerDome Rhein-Sieg geplant ist (Heinkelstraße, 2 Troisdorf, 10 bis 15 Uhr). „Wir hoffen, durch die drei Aktionen 2000 bis 2500 Euro einzunehmen“, so Marcus Biener von den Pfadfindern. Auf dem städtischen Spendenkonto sind inzwischen rund 20 000 Euro eingegangen, wie Bürgermeister Huhn sagte. Ebenso wie die angekündigten 500 000 Euro der Deutschen Bahn, die als Soforthilfe gedacht sind.

Die Bahnstrecke ist in Siegburg seit Freitag wieder voll in Betrieb. Seit Freitag rollt wieder der Nahverkehr, der ICE fährt bereits seit Dienstag.