Hilfe für Frauen und Kinder im Rhein-Sieg-Kreis

Troisdorfer Verein fordert drittes Frauenhaus

Schutz vor Gewalt: Der Troisdorfer Verein „Frauen helfen Frauen“ ist bereit, im Linksrheinischen ein weiteres Frauenhaus zu eröffnen. FOTO: DPA

Schutz vor Gewalt: Der Troisdorfer Verein „Frauen helfen Frauen“ ist bereit, im Linksrheinischen ein weiteres Frauenhaus zu eröffnen. FOTO: DPA

Rhein-Sieg-Kreis. Ein Troisdorfer Verein fordert ein drittes Frauenhaus für den Kreis im Linksrheinischen. Allein im vergangenen Jahr konnte die Einrichtung 197 Frauen und 240 Kindern keinen Schutz gewähren, weil alle Plätze belegt waren.

Anfang des Jahres ist der Entschluss gereift: „Wir brauchen dringend ein drittes Frauenhaus in der Region“, so der Verein „Frauen helfen Frauen“, der eines der zwei Frauenhäuser im Rhein-Sieg-Kreis betreibt. Zu vielen Frauen und Kindern mussten die Mitarbeiterinnen der autonomen Einrichtung in Troisdorf in der Vergangenheit sagen, dass sie sie nicht aufnehmen, ihnen keinen Schutz bieten können – weil ihr Haus voll war. In einer Onlinepetition sucht der Verein, der ein neues Frauenhaus im linksrheinischen Kreis einrichten möchte, seit März Unterstützer für seine Forderung. Die ist nun zu einem konkreten Antrag an den Kreissozialausschuss avanciert. Der befasst sich am Donnerstag mit dem Thema.

Laut einer Empfehlung des Europarates müsste es im Kreis, gemessen an seiner Einwohnerzahl, vier Frauenhäuser mit je 20 Plätzen – insgesamt also 80 Plätzen geben. Es gibt aber nur zwei, neben dem Troisdorfer noch das Frauenhaus des Kreises in Sankt Augustin. Zusammen bieten sie 41 Plätze für Kinder und Frauen. „Es ist also nur die Hälfte der empfohlenen Schutzplätze vorhanden“, sagt Michiko Park. Sie ist eine von sieben Mitarbeiterinnen, die im Troisdorfer Frauenhaus arbeiten, und weiß aus eigener Erfahrung, wie angespannt die Situation ist.

Allein im vergangenen Jahr konnte die Einrichtung 197 Frauen und 240 Kindern keinen Schutz gewähren, weil alle Plätze belegt waren. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ rechnet damit, dass die Zahl weiter steigen wird. Als Gründe führt er etwa die „katastrophale Lage auf dem Wohnungsmarkt“ an, die die Suche nach einem neuen Zuhause und damit auch den Aufenthalt im Frauenhaus in die Länge zieht. Auch die Auslastung der kreiseigenen Einrichtung in Sankt Augustin ist hoch. Das belegen Zahlen, die die Verantwortlichen für den Ausschuss zusammengetragen haben. 2016 mussten 288 Anfragen aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt werden.

Auch die SPD-Kreistagsfraktion sieht akuten Handlungsbedarf. Auf ihren Antrag hin, berichten am Donnerstag die Leitungen beider Frauenhäuser im Ausschuss über die aktuelle Situation ihrer Häuser. In Sankt Augustin trägt der Kreis allein die Personal- und Sachkosten. In Troisdorf beteiligte er sich 2016 mit rund 34,5 Prozent an den Gesamtkosten. 42,5 Prozent deckten Landesmittel ab und die restlichen 23 Prozent der Kosten trug der Verein „Frauen helfen Frauen“ über Spenden, Bußgelder und einen Zuschuss der Stadt Troisdorf.

Seit seiner Eröffnung 1993 hat das Frauenhaus in Troisdorf 2850 Frauen und Kindern, die aus Sicherheitsgründen in der Regel nicht aus der Region kommen, Schutz vor häuslicher Gewalt, Zwangsverheiratung und angedrohtem Ehrenmord gegeben. Um diesen notwendigen Schutz garantieren zu können, drängt der Verein nun auf ein weiteres Frauenhaus im Linksrheinischen. „Wir sind bereit, die Einrichtung zu betreiben“, sagt Michiko Park. Der Verein habe in den zurückliegenden Jahren viele Erfahrungen gesammelt und sei inzwischen eine Fachstelle für schutzsuchende Frauen und Kinder. Der Wille und das Wissen sind also da. „Der Kreis müsste allerdings, wie bisher, die in einer Leistungsvereinbarung festgelegten Sachkosten übernehmen“, fordert der Verein. „Wenn wir diese Zusage haben, können wir im Land einen Antrag auf Landesförderung stellen“, so Park.

Die Sozialpädagogin hat in den vergangenen Wochen mit vielen Politikern gesprochen – und ist durchweg auf großes Interesse gestoßen. Mit seinem Antrag wolle der Verein die politische Diskussion im Kreis anstoßen. Im Doppelhaushalt 2017/2018 des Kreises sind indes keine Mittel für ein weiteres Frauenhaus eingeplant, sagt Kreissprecherin Rita Lorenz auf Nachfrage. Man stehe gerade am Anfang der Diskussion. Beratungsbedarf gibt es auch in einem weiteren Punkt: So beantragt der Verein „Frauen helfen Frauen“ die Finanzierung einer Vollzeitstelle für die ambulante Begleitung nach dem Aufenthalt im Frauenhaus. Kostenpunkt 53 405 Euro.

Der Sozialausschuss tagt am Donnerstag ab 16 Uhr im Sitzungssaal A 1.16 im Kreishaus in Siegburg.