"Frauen helfen Frauen" braucht Zuschuss

Troisdorfer Frauenhaus will nach Siegburg umziehen

Frauen und ihre Kinder finden im für den ganzen Kreis zuständigen Troisdorfer Frauenhaus Schutz vor gewalttätigen Männern.

Frauen und ihre Kinder finden im für den ganzen Kreis zuständigen Troisdorfer Frauenhaus Schutz vor gewalttätigen Männern.

Rhein-Sieg-Kreis. Das Troisdorfer Frauenhaus will nach Siegburg in ein größeres Gebäude umziehen. Um dies zu finanzieren, benötigt der Verein "Frauen helfen Frauen" allerdings einen höheren Zuschuss vom Rhein-Sieg-Kreis.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ Troisdorf, der das Frauenhaus in Troisdorf betreibt, sucht bereits seit Langem nach einer neuen Unterkunft. In Siegburg ist er nun fündig geworden. Mitte Juni hat ihnen eine Vermieterin dort ein Haus angeboten. Um das Gebäude anmieten zu können, benötigt der Verein jedoch höhere Zuschüsse. Deshalb hat er sich Ende August an den Sozialausschuss des Rhein-Sieg-Kreises gewandt. Die Bitte: Den Tagessatz für die untergebrachten Frauen und Kinder zu erhöhen, um so die höheren Kosten aufzufangen.

Bislang bringt der Verein bis zu acht Frauen und zwölf Kinder in einem Einfamilienhaus in Troisdorf unter. Für alle stehen dort zwei Bäder sowie eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. „Das führt in Krankheitsfällen schnell zu einer Epidemie im Haus und hohem Konfliktpotenzial insbesondere in den Wintermonaten“, schreibt der Verein in einem Brief an die Sozialausschussmitglieder. Hinzu komme, dass es kaum Rückzugsmöglichkeiten gebe. „In diesem Haus ist bis zum letzten Zentimeter alles ausgenutzt. Hier geht nichts mehr“, führen Martina Bláhová-Müller und Michiko Park vom Vereinsvorstand weiter aus.

Haus ins Siegburg ist deutlich größer

Das Haus, das ihnen in Siegburg angeboten wurde, hat hingegen in elf Zimmern Platz für 23 Personen – und damit für drei mehr als bisher. Laut Verein besitzt es sechs Bäder, zwei Küchen, zwei Wohnräume und es gäbe Platz für einen angemessenen Kinderbereich mit Tageslicht, Wirtschaftsräume und Büros. Obwohl das Land Nordrhein-Westfalen für jeden zusätzlich geschaffenen Platz für Frauen einen Zuschuss von 7000 Euro biete, reiche das jedoch nicht aus, um die höheren Kosten zu decken, so der Verein. Deshalb bittet er den Kreis darum, den Tagessatz kurzfristig zu erhöhen – beispielsweise auf 15 statt bisher knapp zehn Euro. Dabei dränge die Zeit: Ursprünglich wollte die Vermieterin bis Mittwoch diese Woche eine Zu- oder Absage haben.

Nach einer ersten Berechnung, die die Kreisverwaltung im Sozialausschuss vorlegte, entsteht dadurch eine Kostensteigerung von rund 30.000 Euro pro Jahr. Davon hätte der Kreis etwa 4500 Euro zu tragen – für die Frauen, die aus den 19 kreiseigenen Kommunen kommen. Denn der Tagessatz wird von den Jobcentern der Herkunftsgemeinde der untergebrachten Frauen übernommen.

Stephan Liermann, Leiter des Kreissozialamts, gab dazu zu Bedenken, dass dafür im Haushalt 2018 keine Mittel vorgesehen seien. Für die Folgejahre stünden die Haushaltsberatungen demnächst an, so Liermann weiter. Der Sozialdezernent des Kreises, Dieter Schmitz, ergänzte: „Wir sind grundsätzlich nicht abgeneigt zu unterstützen.“ Aber man habe die Verwaltung ein bisschen in den Antrag hineingetrieben. „Wir können es derzeit nicht valide abschätzen.“

Fraktionen sehen Vorhaben positiv

Die Fraktionen sahen das Ansinnen des Vereins positiv. Es gehe um eine schnelle Entscheidung, sagte Harald Eichner (SPD). Dem Verein sei nicht damit geholfen, auf die Haushaltsberatungen zu warten. Christoph Küpper (FDP) verwies auf den angespannten Wohnungsmarkt. „Wenn wir entschieden haben, ist das Haus weg“, sagte er. Die CDU wies allerdings darauf hin, dass kein Geld ausgegeben werden könne, das derzeit im Haushalt nicht vorhanden sei. Nun soll der Kreisausschuss am Montag, 24. September über eine mögliche Erhöhung des Tagessatzes entscheiden. Bis dahin soll eine bessere Zahlengrundlage vorliegen.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ möchte in der Zwischenzeit versuchen, mit der Vermieterin zu sprechen und einen Aufschub zu bekommen. „Wir hoffen sehr, dass sie mit der Option wartet“, sagte Michiko Park. Denn das Haus biete auch Perspektiven. So sei etwa eine Aufstockung der Plätze möglich, denn die Vermieterin stelle weitere Umbauten in Aussicht.

Damit könnte gegebenenfalls, so der Verein, auch der hohe Bedarf an weiteren Plätzen abgedeckt werden. Wie berichtet, hat Frauen helfen Frauen bereits im September 2017 ein Antrag für ein drittes Frauenhaus im Kreis gestellt. Denn die Einrichtung in Troisdorf wie auch das Frauenhaus des Kreises in Sankt Augustin mussten in den vergangenen Jahren viele Frauen und Kinder abweisen. Der Bedarf für ein weiteres Haus wird auch von der Politik gesehen. Derzeit arbeitet die Verwaltung dazu an einer Gesamtkonzeption.