Tanztheater "Im Namen der Wellen"

Tanzen für mehr gegenseitiges Verständnis

Ein symbolisches Schiffswrack im Siegburger Bahnhof bietet Kulisse und Ausgangspunkt für die Tanz-Performances.

Ein symbolisches Schiffswrack im Siegburger Bahnhof bietet Kulisse und Ausgangspunkt für die Tanz-Performances.

Siegburg. Flüchtlinge machen unterschiedliche Perspektiven sichtbar: Kelvin Kilonzo und Ahmed Jada bewegen sich durch die Pendler und Passanten am Siegburger Bahnhof. Jada trommelt, Kilonzo tanzt und führt dabei starre Armbewegungen aus. Ab und zu bleiben die beiden stehen, die Trommel verstummt.

Nun liest Kilonzo eines der 30 Menschenrechte vor. Zeuge dieser Szenen konnte am Dienstagnachmittag jeder Passant des Bahnhofsgebäudes werden.

Die Darbietung war die zweite von insgesamt drei Performances zum Thema "Flucht und Migration", die das Siegburger Kulturprojekt "angekommen?" aktuell unter dem Titel "Im Namen der Wellen" durchführt, und Teil des überregionalen Kunst-Projekts "Empty Spaces" des Königswinterer Kunstvereins AntiForm.

Ausgangspunkt der Tänze ist jedes Mal die Installation eines Bootswracks in einem Raum neben der TouristInfo, gleich gegenüber der Haltestelle der Linie 66.

Am Samstag bereits war Premiere der ersten Darbietung: Rund 25 Flüchtlinge der Flüchtlingsunterkunft in Siegburg tanzten unter Anleitung der Tanzkünstlerin und -pädagogin Marguerite Apostolidis durch die Siegburger Innenstadt.

Sie richteten Fragen an deutsche Bürger und notierten diese. Hinter den Darstellungen stecke ein genau durchdachtes Konzept, erklärt Apostolidis: "Bei der zweiten Performance am Dienstag war es dann an der Reihe der Passanten, den Flüchtlingen Fragen zu stellen." Auf diese Weise sollen die Perspektiven beider Seiten dargestellt werden. Alle Fragen wurden später an der Kunstinstallation im Bahnhof angebracht.

Die zweite Performance am Dienstag steht symbolisch für die westliche Flüchtlingspolitik. In ihrem weiteren Verlauf baute sich der schwarz gekleidete Künstler Efe Kartaloglu mit strengem Blick am Bootswrack auf. "Als Grenzpolizist symbolisiert er die Exekutive", so die 34-jährige Apostolidis.  Weiter hinten im Raum saß Sonja Hellmann vor einem Stapel Papiere. Sie stellte die Verwaltung dar. 

Nur wenige Passanten befanden sich zu Beginn der Aktion am Dienstag im Bahnhof, doch fast jeder von ihnen blieb kurz stehen, als er die Künstler sah und hörte. Eine ältere Dame traute sich als erste und stellte eine Frage an die Flüchtlinge: "Fühlt ihr euch aufgenommen?" Die Frage wurde sofort aufgeschrieben und angeheftet.

Eigentlich sollte die Performance im gesamten Bahnhofsgebäude stattfinden. Nach Angaben von Helmut Lorscheidt, Vorsitzender des Kunstvereins AntiForm, musste sie sich nach Beschwerden von Bahnmitarbeitern jedoch auf den unteren Bereich beschränken.

Die dritte und letzte Tanz-Performance findet am Dienstag, 25. Oktober, ab 16 Uhr erneut im Siegburger Bahnhof statt.