Nach dem Großbrand

Statiker prüfen Einsturzgefahr der zerstörten Häuser in Siegburg

Siegburg. Für die 20 Opfer des Großbrandes in Siegburg stehen richtungsweisende Entscheidungen an. Statiker haben am Montagmorgen begonnen, die vom Brand zerstörten Häuser unter die Lupe zu nehmen.

Für die 20 Bewohner, deren Häuser seit dem Großbrand in Siegburg unbewohnbar sind, stehen richtungsweisende Entscheidungen an. Gutachter haben am Montagmorgen begonnen, die Statik der vom Brand zerstörten Gebäude unter die Lupe zu nehmen. Bis zum Ende der Woche sollen die Betroffen Gewissheit haben, ob ihr Eigentum noch zu retten ist oder eventuell abgerissen werden muss. Das teilte die Stadt Siegburg auf GA-Anfrage mit. „Wir bereiten auf jeden Fall alles vor, um die Betroffenen so gut es geht zu unterstützen“, sagte Jan Gerull, Sprecher der Stadt.

Dazu werden etwa entsprechende Akten herausgesucht, um Abbruch- und Neubaugenehmigungen schnell bearbeiten zu können. Die Gutachter, die jetzt die Eigentümer beraten, haben eine weitere wichtige Aufgabe. „Sie stellen fest, welche Bereiche der Häuser betreten werden dürfen und welche nicht“, so Gerull. Noch immer sind einige Bereiche einsturzgefährdet. Das Betreten der Häuser ist nur in Begleitung der Experten erlaubt. Seit Montag sind die Eigentümer selbst und nicht mehr die Stadt für die Sicherheit in den Ruinen verantwortlich. Die Absperrungen an den Häusern bleiben aber noch weiter bestehen. Auch der Sicherheitsdienst, der seit einigen Tagen den Zugang zu den betroffenen Straßen regelt, bleibt im Einsatz. Weiter ungeklärt ist die Frage, was den Brand am Bahndamm in Brückberg verursacht hat.

Nachdem zunächst die Kriminalpolizei Köln die Ermittlungen aufgenommen hatte, führen jetzt Beamte der Kreispolizeibehörde die Untersuchung weiter. Einige Zeugenhinweise, darunter eine Video, das aus dem Führerhaus eines am Brandort vorbeifahrenden Zuges aufgenommen wurde, seien bereits eingegangen, sagte Polizeisprecher Georg Küpper. Bislang habe aber kein Hinweis zum Erfolg geführt. Wie berichtet, haben Luftverwirbelungen eines durchfahrenden ICE-Zuges vermutlich dazu geführt, dass sich das Feuer zu einem Großbrand ausweiten konnte. Betroffene äußersten Unverständnis, wieso der Zugverkehr nicht früher – spätestens nachdem bereits ein anderer Personenzug den Brandort passiert habe – eingestellt worden sei.

Stadt bietet Wohnungen an

Auch diese Frage sei Bestandteil der Ermittlungen, sagte Küpper. Gleichzeitig betonte er, dass die Flammen innerhalb weniger Minuten auf die andere Seite der Bahntrasse überschlugen und die Kommunikationswege, die zur Unterbrechung des Zugverkehrs führen, einige Zeit benötigen. Feuerwehr und Deutsche Bahn teilten bereits mit, dass die Sperrung sofort in die Wege geleitet worden sei. Von den 32 Menschen, die bei dem Brand verletzt worden sind, befindet sich laut Stadt mittlerweile niemand mehr im Krankenhaus. Eine pflegebedürftige Person, die zunächst in der Klinik medizinisch versorgt werden musste, befindet sich laut Stadt inzwischen in einer betreuten Wohneinrichtung.

Eine Familie, die ihr Haus seit dem Feuer nicht mehr nutzen kann, hat bereits eine vorläufige Unterkunft gefunden. „Sie hat sich selbst umgeschaut und eine neue Wohnung gefunden“, sagte Gerull. Andere Betroffene sollen im Laufe der Woche mit bei der Stadt eingegangenen Angeboten versorgt werden. „Erst wenn sie Klarheit über ihre weitere Wohnsituation haben, können die Menschen bedarfsgerecht auf die Spenden zurückgreifen“, so der Stadtsprecher. Und da ist die Auswahl weiter angewachsen.

Fünf Klassenzimmer voller Spenden kamen laut Gerull bei der großen Sammelaktion in der ehemaligen Schule im Haufeld am Samstag zusammen. Eingerichtet wurde die Abgabestation von der Stadt Siegburg. Zahlreiche Mitarbeiter der Stadt und Unterstützer der Initiative „Lohmar hilft“ sowie 15 Flüchtlinge nahmen die vielen Kisten und Kartons an und packten die Lieferungen an ihren Platz. Rund 200 Spender haben die Helfer registriert. „Viele haben aber einfach nur den Kofferraum entladen und sind sofort weiter“, sagt Manu Gardeweg, Vorsitzende des Netzwerks „Lohmar hilft“. Sie schätzt die Zahl der Spender auf mehr als 300. Die weiteste Anfahrt hatte ein Mann, der aus Belgien angereist war.

Fünf Tonnen Kleider

Gardeweg: „Es wurden irre viele Möbel abgegeben, darunter qualitativ echt hochwertige Stücke.“ Zudem nahmen die Helfer Flachbildfernseher, Bettwäsche, Geschirr und rund 2,5 Tonnen Kleidung in Empfang. „Die Organisation der Stadt war außerordentlich gut“, sagt Gardeweg. Nicht alles, was gespendet wurde, sei jedoch auch nützlich. „Es wurden zum Beispiel ein Weihnachtsbaum und Karnevalskostüme abgegeben“, so Gardeweg.

Mit den Spenden, die bereits in den ersten Tagen nach dem Brand gesammelt wurden, summieren sich die Kleidergaben auf rund fünf Tonnen. Um diese Masse bewältigen zu können, stellte das Deutsche Rote Kreuz der Initiative „Lohmar hilft“ am Montagabend ein großes Katastrophenschutzzelt zur Verfügung. Dort werden die Helfer am Dienstag beginnen, die Gaben zu sortieren.

Hilfe für die Betroffenen kam aber auch noch von anderer Seite. Die Pfadfinderstämme St. Johannes Sieglar und eXodus Kaldauen sammelten am Samstag parallel in Troisdorf und Siegburg Spenden in Höhe von rund 761 Euro.