Verheerendes Feuer

Stadt Siegburg schirmt Brandruinen vor Gaffern ab

SIEGBURG. Ein Sicherheitsdienst regelt den Zugang zum Brandort in Siegburg-Brückberg. Die Deutsche Bahn beginnt zudem mit Fällarbeiten am Bahndamm. Die betroffenen Bewohner durften inzwischen ihre zerstörten Häuser betreten.

Nach dem verheerenden Großfeuer in Siegburg dürfen die Bewohner ihre zerstörten Häuser betreten. Dabei können sie sich ein Bild davon machen, was ihnen nach dem Brand noch geblieben ist. Allerdings dürften die Häuser nur in Begleitung von Feuerwehrleuten begangen werden, erklärte Burkhard Rick, Sprecher der Siegburger Polizei. "Es besteht Einsturzgefahr."

Rick zufolge sind die polizeilichen Ermittlungen in und an den Brandruinen abgeschlossen. Die Sperrung der Häuser bleibe aus Sicherheitsgründen bestehen. "Wir haben die Spuren zusammengetragen und werten diese nun in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt aus", sagte Rick dem GA. Außerdem sucht die Polizei weiterhin nach Zeugen, die Angaben zu dem Brand machen können. Die bisherigen Zeugenaussagen hätten nicht viel eingebracht. Die Brandursache ist weiterhin unklar.

Wie berichtet, hatte sich am Dienstag an der Bahntrasse in Siegburg ein Böschungsbrand rasch zu einem Großfeuer entwickelt, , das auf eine Böschung und auf Gebäude übergriff. Neun Häuser sind dadurch unbewohnt. Als sicher gilt lediglich, dass die Trockenheit, die Dauerhitze und der Wind zur raschen Ausbreitung des Feuers beigetragen haben. Nach Einschätzung der Polizei hat auch ein vorbeifahrender Zug das Feuer aufgewirbelt und damit zur Ausdehnung beigetragen.

 

Stadt lässt Zugang von Sicherheitsleuten bewachen

In den Straßen auf dem Siegburger Brückberg war am Donnerstag Ruhe eingekehrt. Die Straße "Im Urnenfeld", wo die zerstörte Häuserreihe steht, ist abgeriegelt. Wer keine Zugangsberechtigung hat, kommt nicht herein. Dafür sorgen Sicherheitskräfte, die die Stadt engagiert hat. "Eine Sicherheitsmaßnahme", wie Jan Gerull, Sprecher der Stadt Siegburg, erklärt.

 

"Auf Grund der Wetterprognose mit möglichem Unwetter und Sturm möchten wir verhindern, dass jemand von Trümmerteilen der zerstörten Häuser getroffen werden könnte, denn dann wäre die Stadt in der Haftung", so Gerull. Aus demselben Grund hat die Feuerwehr Dachziegel von den zerstörten Häusern abgetragen.

Dass die Straße abgesperrt ist, begrüßen Kim und Guido Düster, Anwohner am nahe gelegenen Hohlweg. Ihr Wohnhaus blieb bei dem Brand unbeschädigt. Sie sind genervt von den Katastrophentouristen, die sich auf den Weg nach Siegburg gemacht hatten. "Zu Fuß, mit dem Auto oder auf dem Quad sind sie hierdurch gekommen und wollten sehen, wie es hier aussieht", berichtet Guido Düster. Ihre Nummernschilder hätten verraten, dass sie teils aus entfernten Städten angereist seien.

An eine Rückkehr zur Normalität sei noch nicht zu denken, sagt Guido Düster. Die Flammen reichten bis in den Garten der Nachbarn auf der anderen Seite des Weges. Als klar war, das das Feuer nicht mehr zu löschen ist, klingelten er und seine Familie schnell die Nachbarn heraus, schnappten sich die Haustiere und flüchteten. Düster: "Was hier passiert ist, kann ich immer noch nicht fassen." Seiner Ansicht nach hätte sich das Feuer, das in der Böschung an der Bahntrasse seinen Anfang nahm, eigentlich früher eingedämmt werden müssen. "Das Feuer in der Böschung hatte sich schon fast erledigt", so Düster, der selbst Augenzeuge war. Doch dann sei der ICE gekommen und habe im Vorbeifahren die Flammen angefacht, so dass es zu Funkenflug kam. "Ich verstehe nicht, warum nicht früher der Bahnverkehr eingestellt wurde." Spätestens nachdem ein vorausfahrender Personenzug die Brandstelle passiert hatte, hätte die Bahn reagieren müssen.

Feuerwehr und Deutsche Bahn betonten indes auf GA-Anfrage, dass die Sperrung sofort in die Wege geleitet worden sei. Laut Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg war die Feuerwehr um 14.38 Uhr am Ort, an dem das Feuer ausgebrochen war: direkt neben der Bahnlinie. Die Leitstelle habe sofort bei der Bahn die Streckensperrung beantragt. Diese sei binnen Minuten erfolgt, so Engstenberg. Wie eine Bahnsprecherin ergänzte, habe auch ein Lokführer den Brand direkt gemeldet. Wegen Restspannung musste die Oberleitung vor Ort aber noch von einem Notfallmanager der Bahn geerdet werden – zu welcher Uhrzeit er eintraf, darüber liegen keine Informationen vor.

Feuerwehr-Chef: Schnelleres Eindämmen unmöglich

Die Feuerwehr konnte nach der Sperrung zwar schon die Gleise betreten, durfte aber noch nicht über den Gleiskörper hinweg löschen: Das sei angesichts der Restspannung in der Leitung nicht machbar gewesen, so Engstenberg. Letztlich sei das aber unerheblich. Begünstigt durch die trockene Vegetation und die topographischen Verhältnisse - der Hang zum Brückberg hin ist recht steil - habe sich das Feuer rasend schnell ausbreiten können. Diese beiden Faktoren seien entscheidend gewesen, sagt der Feuerwehrchef. "Binnen zehn Minuten hat es sich voll auf die Wohngebäude ausgedehnt - das ist extrem." Es sei unmöglich gewesen, unter diesen Bedingungen die Ausbreitung schneller zu stoppen. Auch hält er es für müßig, darüber zu diskutieren, ob ein anderer Böschungsbewuchs weniger schnell gebrannt hätte: "Dann müsste man konsequenterweise alle Böschungen betonieren."

Probleme machte bei dem Einsatz zunächst der Wasserdruck: Da die Feuerwehr mehrere Hydranten gleichzeitig anzapfte, sank der Druck. Die ganze Infrastruktur der Wasserversorgung sei nicht darauf ausgelegt, dass mehrere Häuser auf einmal brennen, sagt Engstenberg. Die Einsatzkräfte entnahmen teilweise auch aus dem Mühlengraben und aus einem Weiher Löschwasser. Außerdem forderte sie gegen 16 Uhr zwei Wasserwerfer der Bundespolizei an, die in Hangelar stationiert sind. Der erste war kurz nach 17 Uhr da. "Schneller ging es nicht", so Bundespolizei-Sprecher Jens Flören auf Anfrage. "Die Meldung erreichte uns außerhalb der Dienstzeit der Fahrzeugführer. Sie waren schon auf dem Nachhauseweg." Sie hätten erst noch umdrehen und die Fahrzeuge in Hangelar in Empfang nehmen müssen. Die massiven Fahrzeuge konnten zwar nicht direkt an den Häusern eingesetzt werden, da die Straße "Im Urnenfeld" zu schmal ist. Sie wurden dann bei den Löscharbeiten an der Böschung eingesetzt.

Unteressen arbeitet die Bahn weiterhin daran, die Strecke wieder voll in Betrieb zu nehmen. Der ICE fährt seit Mittwoch wieder, Freitag wird der Regionalverkehr wieder Fahrt aufnehmen. Betroffen sind die Linien RE 9, S 12 und S 19. "Mit großem Engagement sind alle verfügbaren Bahnmitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz, um die Strecke wieder instand zu setzen", heißt es in einer Mitteilung. Bei dem Brand war die Oberleitung auf einer Länge von rund 350 Metern beschädigt worden. Auch an Kabeln der Leit- und Sicherungstechnik gibt es erhebliche Schäden. Zahlreiche Bäume, die durch das Feuer erfasst wurden und nicht mehr standfest sind, werden laut Bahn vorsorglich entfernt.