Theatersaison in Siegburg

Spiegel einer absurden Zeit


„Ein heiter-grotesker Todestanz
auf der Rasierklinge des Lebens“: So kündigt die Studiobühne Eugène Ionescos Theaterstück „Das große Massakerspiel“ an – hier eine Szene daraus.
Die nächsten Vorstellungen sind am 1. Oktober und am 12. November.
FOTO: KIERAS

„Ein heiter-grotesker Todestanz auf der Rasierklinge des Lebens“: So kündigt die Studiobühne Eugène Ionescos Theaterstück „Das große Massakerspiel“ an – hier eine Szene daraus. Die nächsten Vorstellungen sind am 1. Oktober und am 12. November. FOTO: KIERAS

Siegburg. Die Studiobühne wartet in der neuen Spielzeit mit anspruchsvollem Theater auf und steht unter dem Motto: „Seltsame Zeiten, Schatz“.

An diesem Wochenende startet die Studiobühne in die Theatersaison 2016/17, die – wie die Spielzeiten in den Jahren zuvor – unter einem Motto steht. „Seltsame Zeiten, Schatz“ haben René Böttcher und Maike Mielewski, Leiter des Theaters, ihr Programm betitelt.

„Nur allzu oft erleben wir zurzeit, dass sich unser Alltag als seltsamer erweist als die Kunst. Die hingegen versucht sich anzupassen und wird dadurch nicht selten fad, statt mit wunderlich schönen Seltsamkeiten aufzuwarten“, erklärte Böttcher bei der Vorstellung des Programms. Die Studiobühne wolle ein Gegenpol sein. „Wir möchten keine seichte Unterhaltung bieten, sondern mit unserem Programm die heutige Zeit spiegeln, die selbst absurd ist“, so der Theaterleiter.

Dazu gehören unter anderem Eugène Ionescos Theaterstück „Das große Massakerspiel“ sowie „Der goldene Drache“ und „Odyssee | 4 Mal Leben“. Alle drei Stücke begeisterten das Publikum bereits bei allen bisherigen Aufführungen. Eine Premiere feiert die Studiobühne mit „Moby Dick“ nach der Romanvorlage von Herman Melville. Für die Inszenierung konnte das Siegburger Theater den Bonner Regisseur Axel Hinz gewinnen, der laut Böttcher den Roman „als Parabel über den wurzellosen modernen Menschen auf einer stetigen, ergebnisoffenen Suche nach Sinn zeigt“. Eine Besonderheit: Statt „harter Kerle“ stehen ausschließlich Frauen auf der Bühne. Eine weitere Premiere feiert Georg Büchners Klassiker „Woyzeck“. Allerdings nicht in der gewohnten Fassung, wie Böttcher ankündigte.

Denn Regisseurin Sarah Kortmann nutzt für ihre Inszenierung des Woyzecks die Fragmentierung des Stückes. Das entscheidende Verbrechen der Hauptfigur Woyzeck bildet den Auftakt des Stückes. Die einzelnen Handlungsabschnitte werden dann chronologisch rückwärts erzählt. Erst zum Schluss kennt der Zuschauer Woyzecks ganze Vorgeschichte. Aber die rückwärts verlaufende Handlung hat keine klare Reihenfolge, weil die Zuschauer darauf Einfluss nehmen können. „Wir sehen praktisch keinen Abend die gleiche Aufführung“, kündigte Böttcher an. Die Erotikreihe „Zwischen Lackschuh und Lippenstift“, seit Jahren ein Dauerbrenner, erlebt genauso eine Neuauflage wie das Tanztheater „Zwischen Schabernack und Sinnlichkeit“. Neu im Angebot ist ein Kinoabend, der an jedem ersten Mittwoch eines Monats in der Studiobühne stattfindet. „Alles Filme, die man als Trailer schon einmal gesehen hat und bei denen man denkt: Den musst du sehen“, beschreibt Böttcher die Auswahl. Los geht es am kommenden Mittwoch (5. Oktober, 20 Uhr) mit Roy Anderssons in Venedig preisgekrönter Komödie „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“.

Die Studiobühne lädt nach den Worten ihres Leiters auch in der neuen Spielzeit dazu ein, „zu staunen, sich unterhalten, verführen sowie verwirren zu lassen und sich selbst zu begegnen.“

Weitere Informationen zum Programm der Studiobühne unter www.theaterseite.de