Serie "Ich sehe was, was du nicht siehst..."

So sieht die JVA Siegburg von innen aus

Gespentische Ruhe im Gang der JVA Siegburg.

Siegburg. In unserer Serie "Ich sehe was, was du nicht siehst..." nehmen wir Leser mit an Orte, an die sie sonst nicht kommen. Diesmal gewährt die JVA Siegburg einen Blick hinter ihre Gefängnismauern.

Der schwere Eisenschlüssel dreht sich im Schloss. Sobald sich die Tür der Zelle schließt, steigt das beklemmende Gefühl in mir auf: Hier komme ich allein nicht mehr raus. Dunkle, kahle Wände unterstreichen die düstere Stimmung. Der Blick durch die vergitterten Fenster zeigt auf einen Innenhof. Diesen Ausblick sehen täglich die rund 400 Insassen der Justizvollzugsanstalt Siegburg. Ich werfe einen Blick in die JVA Siegburg - auch hinter die Zellentüren.

Die Einrichtung wurde 1886 als königlich-preußische Strafanstalt in den Gebäuden der Abtei auf dem Michaelsberg eröffnet und in den Jahren 1893-1896 auf dem heutigen Gelände in der Luisenstraße in Siegburg neu gebaut. Damals bot die Einrichtung Platz für 204 Frauen und 521 Männer. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Anstalt neben männlichen Erwachsenen auch jugendliche Straftäter auf.

Das beklemmende Gefühl will nicht abklingen. Möglicherweise liegt das am Wissen über die Geschehnisse, die sich 2006 hinter diesen Mauern und der schweren Eisentür ereignet haben. In der Nacht zum 12. November wurde ein Gefangener von drei Mithäftlingen über Stunden in seiner Zelle gefoltert, vergewaltigt und schlussendlich dazu gezwungen, sich zu strangulieren. Seit dem Vorfall 2006, bei dem ein 17-Jähriger als Anstifter gilt, nimmt die JVA Siegburg nur noch erwachsene Straftäter auf.

Gänsehaut steigt auf, als der Blick an der verriegelten Tür hängenbleibt. Eine Welle der Erleichterung überkommt mich, als der Wärter von außen nach rund zwei Minuten Haftzeit wieder aufschließt. Anders als die Insassen darf ich schnell wieder raus.

Die Serie Ich sehe was, was du nicht siehst... gewährt Lesern Eindrücke von Orten, an die sie sonst nicht kommen. In der ersten Folge geht es in die Justizvollzugsanstalt Siegburg.