Geburten haben sich "gut verteilt"

So geht es weiter nach dem Aus der Geburtsstation in Sankt Augustin

Die Geburtshilfe der Sankt Augustiner Asklepios Kinderklinik ist seit Mitte Februar geschlossen.

Die Geburtshilfe der Sankt Augustiner Asklepios Kinderklinik ist seit Mitte Februar geschlossen.

Rhein-Sieg-Kreis. Das Aus für die Geburtshilfe der Asklepios Klinik in Sankt Augustin im Februar macht sich bei vielen Krankenhäusern im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn bemerkbar. Das regionale Planverfahren zur Umverteilung der Betten läuft noch.

Es war eine Sorge vieler Menschen: Was passiert nach dem Aus für die Geburtshilfe an der Sankt Augustiner Asklepios Klinik? Inzwischen sind gut fünf Monate vergangen, seit der Konzern das vorzeitige Ende der Station verkündet hat – unter großem Protest von Bürgern und Politikern. Seither springen die umliegenden Krankenhäuser ein. Doch wie wirkt sich die Schließung bei den Kliniken und im Rettungsdienst aus?

„Grundsätzlich haben sich die Geburten gut verteilt“, sagt Ingo Morell, Geschäftsführer der Kliniken der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO). Die Gesellschaft betreibt vier Krankenhäuser mit Entbindungsstationen in der Region: in Troisdorf, Sieglar, Bad Honnef und Bonn. Morell geht davon aus, dass etwa die Hälfte der rund 1000 Kinder, die bislang jedes Jahr in Sankt Augustin zur Welt kamen, auf die GFO-Kliniken entfielen.

Der Rest teile sich auf andere Krankenhäuser in der Region auf. Prognostiziert hatte der Geschäftsführer für die GFO-Kliniken im Kreis im Frühjahr rund 20 zusätzliche Entbindungen pro Krankenhaus.

„Das kommt ungefähr hin“, sagt Morell nun und ergänzt: „Die Anmeldungen für den Sommer sind deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Wir merken es sogar bis nach Bensberg, dort haben wir auch eine Klinik.“ Bislang könnten die Stationen den Anstieg kompensieren. „Ich bin aber gespannt, was im nächsten halben Jahr passiert“, sagt er.

Auch im Bonner Universitätsklinikum macht sich die Schließung bemerkbar. Laut dem Ärztlichen Direktor Wolfgang Holzgreve hat es im ersten Halbjahr rund 150 Geburten mehr gegeben als im gleichen Zeitraum 2016. Dabei steige auch die Zahl der Mütter, die im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis wohnten.

Die Kapazitäten dafür habe die Klinik durch interne Umverteilungen bereitstellen können, so Holzgreve. Keine Veränderungen stellt hingegen der Rhein-Sieg-Kreis als Träger des Rettungsdienstes fest. Seit der Schließung habe es nicht mehr Fahrten gegeben, teilt Daniela Blumenthaler von der Pressestelle mit. Ob seither mehr Kinder im Rettungswagen auf die Welt gekommen sind, könne der Kreis nicht sagen. Das werde nicht gelistet, so Blumenthaler.

Erfolglose Proteste gegen Schließung

Wie berichtet, hatte der Konzern die gerade einmal sechs Jahre alte Geburtsstation Mitte Februar geschlossen. Ursprünglich sollte sie noch bis Ende Juni bestehen bleiben, aufgrund von Kündigungen und Krankheitsfällen fehlte jedoch ausreichend Personal.

Insgesamt waren laut Asklepios 44 Mitarbeiter von der Schließung betroffen. 29 hätten das Unternehmen verlassen, sieben seien auf andere Positionen in der Kinderklinik gewechselt. Acht Hebammen und Fachärzten für Geburtshilfe habe kein anderer Arbeitsplatz angeboten werden können. Die Klinik bemühe sich, mit ihnen einvernehmliche Regelungen zu finden, teilt Sprecherin Stefanie Klotz mit.

Die Schließung begründete die Kinderklinik mit einer stärkeren Fokussierung auf ihre Kompetenzen in der Kinderheilkunde, Orthopädie, Neurochirurgie, der Kinder-, Kinderherz- und Thoraxchirurgie sowie der Kinderkardiologie. Bürger, Stadt und Politik hatten mehrfach versucht, das Aus zu verhindern: Mütter und Hebammen demonstrierten bei zwei Mahnwachen vor der Klinik, der Sankt Augustiner Stadtrat und der Kreistag sprachen sich in Resolutionen für einen Erhalt der Station aus – ohne Erfolg.

Abschluss des Planverfahrens noch nicht absehbar

Im März startete das regionale Planverfahren zur Umverteilung der geburtshilflichen Betten. Laut Bezirksregierung Köln befindet es sich in der letzten Abstimmungsphase zwischen den Krankenkassen als Kostenträgern und den Krankenhäusern. „Wir haben unseren zusätzlichen Kapazitätsbedarf in der Geburtshilfe mit sechs Betten berechnet, diese Berechnung wurde seitens der Krankenkassen im Mai bestätigt“, sagt Wolfgang Holzgreve vom Universitätsklinikum.

Auch die GFO hat den Plänen der Krankenkassen laut Geschäftsführer Ingo Morell bereits zugestimmt. Wenn die Abstimmungen abgeschlossen sind, wird das Konzept zunächst der Bezirksregierung und dann mit entsprechendem Bericht zur abschließenden Prüfung an das NRW-Gesundheitsministerium geleitet. „Aufgrund der Komplexität und Vielzahl der an dem Verfahren Beteiligten ist ein konkreter Termin für den Abschluss des Verfahrens noch nicht absehbar“, teilt die Bezirksregierung mit.

Unabhängig vom Verfahrensstand sieht die Bezirksregierung die Versorgung im Kreis durch die bestehenden Kliniken als gesichert an. Das bestätigt auch GFO-Geschäftsführer Ingo Morell. „Die Versorgung an sich ist sichergestellt“, sagt er. Es bleibe aber die Frage, wie es genau im Windecker Ländchen oder im Oberbergischen aussehe.

Da werde es schon enger, so Morell. Generell bleibe es in der Geburtshilfe spannend: „Wir haben immer weniger Hebammen und es stellt sich die Frage, ob der Trend zur Schließung von Geburtshilfestationen weiter anhält“, sagt der Geschäftsführer. Denn: Nach der Kinderklinik in Sankt Augustin hat kürzlich auch das Sankt-Vinzenz-Hospital in Köln seine Entbindungsstation aufgegeben.