Großbaustelle Brandschutz

So gehen die Bauarbeiten im Siegburger Kreishaus voran

Der Haupteingang am Kaiser-Wilhelm-Platz ist wegen der Arbeiten in der Eingangshalle derzeit gesperrt.

Der Haupteingang am Kaiser-Wilhelm-Platz ist wegen der Arbeiten in der Eingangshalle derzeit gesperrt.

RHEIN-SIEG-KREIS. Seit Sommer 2014 wird das Siegburger Kreishaus in Sachen Brandschutz aufgerüstet. Kostenpunkt: aktuell 37 Millionen Euro. Die Arbeiten laufen voraussichtlich noch bis Ende 2019. Ein Rundgang über die Baustelle.

Die Drehtür am Haupteingang steht seit Montag still. Hier geht es für die nächsten Monate nicht mehr rein ins Kreishaus. Warum, verrät ein Blick über die Absperrung: Kabel hängen von der Decke, Lüftungsschächte liegen frei, Teile sind mit Sperrholzwänden abgetrennt. Unverkennbare Zeichen dafür, dass dieser Teil des Erdgeschosses bereit ist für die aufwendige Aufrüstung in Sachen Brandschutz.

„Wir arbeiten uns Etage für Etage von oben nach unten“, sagt Peter Bruderreck. Das Foyer sei ein Sonderabschnitt, in dem parallel gearbeitet werde, erklärt der Architekt der Kreisverwaltung. Er leitet intern das Projekt Brandschutzsanierung, das seit Sommer 2014 den Alltag im Kreishaus beeinflusst.

Und auch noch eine ganze Weile begleiten wird. „Wir hoffen, dass die Arbeiten Ende 2019 abgeschlossen sind“, sagt Tim Hahlen, Chef der Gebäudewirtschaft. Nach den ersten Plänen sollte es eigentlich schon jetzt so weit sein. Mehrfach musste der Kreis aber die Dauer der Arbeiten nach oben korrigieren – wie auch die Kosten, von anfangs 13 Millionen auf aktuell 37 Millionen Euro. „Wir mussten zu einem Zeitpunkt Zahlen nennen, als die Planung noch nicht so weit war“, erklärt Hahlen den Sprung. Erst mit der Entwurfsplanung habe es realistische Zahlen gegeben.

Etagen zwölf bis sechs sind fertig

Mehr als die Hälfte der Etagen sind geschafft. „Wir haben für jeden Bauabschnitt ein halbes Jahr vorgesehen“, sagt Hahlen. Wegen Unstimmigkeiten mit Firmen, Neuvergaben, neuer Anforderungen oder Unvorhergesehenem habe es Verzögerungen gegeben. Der Spagat zwischen aktuellen Brandschutzanforderungen und der alten Bauweise seidie größte Herausforderung, erklärt Architekt Bruderreck. „Wir öffnen Schächte, die seit dem Bau verschlossen waren.“

Damit es dabei möglichst wenig unangenehme Überraschungen gibt, hat die Verwaltung vor Baubeginn im elften Stock alles in einem Musterbereich durchgespielt. So wie dort sieht es nun in den Etagen zwölf bis sechs aus: Auf den Böden liegen schlammgraue Teppiche mit orangefarbenen Akzenten, an den Decken sind LED-Leuchten angebracht. Neue Brandschutztüren sind eingebaut, Brandschutzklappen verhindern im Notfall die Ausbreitung von Rauch und Flammen, es gibt einen Panikraum und ein eigenes Rauchabzugssystem.

Noch ist der neue Teppich im dritten Stock mit Folie geschützt. Ende Oktober sollen die Arbeiten, die auch neue sanitäre Anlagen umfassen, abgeschlossen sein. Dann können die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes samt Ausstattung wieder in ihre angestammten Räume zurückkehren. Momentan arbeiten sie in den Etagen vier und fünf – dem hausinternen Interimsquartier. Das dort sonst untergebrachte Sozialamt sowie die Verkehrssicherung und Bußgeldstelle des Straßenverkehrsamtes sind nach Sankt Augustin ausgelagert.

Der Unterschied zwischen Alt und Neu ist groß

„Wir sanieren bei laufendem Betrieb“, sagt Peter Bruderreck, das bedeute eine enorme Koordination. Und Lärm, Schmutz und vorübergehende Umzüge für die Mitarbeiter. „Lärmintensive Arbeiten sind auf Kernzeiten begrenzt“, sagt Tim Hahlen. Diese ließen sich aber nicht immer einhalten. Etwa wenn Abhangdecken mit ihren mehreren Hundert Aufhängern montiert werden müssen.

Der Weg von der Baustelle zurück in den Kreishausalltag ist kein leichter. Absperrwände verhindern den direkten Übergang. Der Aufzug hält nicht. Aber Hahlen und Bruderreck kennen den Weg. Zurück in Etage zwei ist der Unterschied zwischen Neu und Alt fast erschlagend: Düster muten die Flure mit ihren grünen Teppichen an. Im Treppenhaus B brummen zudem Lüfter. „Hier gab es am Wochenende einen Wasserschaden“, so Hahlen. Der hat auch die Brandmeldeanlage ausgelöst.

Runderneuerung des Sitzungssaales

„Wir haben immer wieder Fehlalarme“, nennt er eine Begleiterscheinung der Sanierung. Das bedeutet, alle müssen raus aus ihren Büros. Den Ernstfall hat es im Kreishaus in den vergangenen zehn Jahren indes nicht gegeben. „Und davor hat höchstens einmal ein Adventskranz gebrannt“, sagt Bruderreck.

Aufzug A hält momentan nicht im Erdgeschoss. Seine Türen liegen im Bauabschnitt. Besuchern wie Mitarbeitern bleibt nur der Umweg über den Aufzug in Trakt B. „Wir versuchen, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, betont Bruderreck. Das gelingt nicht immer. Besondere Herausforderungen liegen noch vor den Planern: Etwa der Umzug der Druckerei, die erste Etage, in der der große Sitzungssaal liegt, oder die Leitstelle im Erdgeschoss.

Und auch für die Zeit, wenn der Brandschutz steht, gibt es erste Pläne. „Nach dem Projekt ist vor dem Projekt“, so Hahlen. Ein solches ist die jetzt ausgenommene Runderneuerung des Sitzungssaales.