Bilanz für Hotels und Campingplätze 2018

So beliebt waren Bonn und die Region bei Touristen

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. Wandern in der Eifel, Sightseeing im Kölner Dom oder Segeln auf dem Möhnesee: NRW ist als Tourismusziel so beliebt wie nie. In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis fällt die Bilanz dagegen eher gemischt aus.

Mehr Gäste, aber weniger Übernachtungen: Die Bilanz für Hotels und Campingplätze im Rhein-Sieg-Kreis für das Jahr 2018 fällt gemischt aus. Laut aktueller Zahlen, die der Landesbetrieb Information und Technik (IT.NRW) am Montag vorgelegt hat, ist die Zahl der Gästeankünfte im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent auf rund 618.000 gestiegen.

Betrachtet man nur die Gäste aus dem Ausland, so gab es sogar einen Zuwachs von 2,5 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen ist im Kreis im Vergleich zum Vorjahr aber gesunken. Die Gäste blieben im Schnitt nicht mehr 2,2, sondern 2,1 Tage. Das schlägt kreisweit mit einem Minus von rund 43.000 Übernachtungen zu Buche.

In die Landestatistik fließen nur Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten ein. Gerade in den ländlichen Regionen des Rhein-Sieg-Kreises gibt es auch kleinere Pensionen und Ferienwohnungen, die nicht mit erfasst sind. Konkurrenz für die Hotels im Kreis ist vor allem durch die neuen Hotels in den benachbarten Großstädten zu spüren. „Auf unsere Übernachtungszahlen wirkt sich die massive Ausdehnung der Bettenangebote in Köln und Bonn aus“, sagte Hermann Tengler, Wirtschaftsförderer des Rhein-Sieg-Kreises, dem GA auf Nachfrage.

2012 hatte der Kreis seinen Übernachtungsrekord verzeichnet. Seitdem sind in Köln und Bonn rund 4900 neue Hotelbetten entstanden, während die Zahl im Kreis um rund 1000 zurückging. Die Auslastung in den 153 Betrieben im Rhein-Sieg-Kreis lag zuletzt bei 37,9 Prozent.

Bonn musste Minus bei Übernachtungen hinnehmen

Zum Vergleich: Die 100 Hotelbetriebe in Bonn waren 2018 zu 48,8 Prozent ausgelastet. In der Bundesstadt ging die Zahl der Gäste um 0,4 Prozent auf rund 853.500 zurück. Sie haben rund 1,6 Millionen Mal übernachtet, was einem leichten Plus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt laut Statistischem Landesamt in Bonn unter der im Kreis, die Gäste blieben im Schnitt 1,9 Nächte.

Wie sich die Schließung oder der Umbau von Hotels punktuell auswirkt, kann man 2018 an den Zahlen für Bad Honnef sehen. Dort ging die Zahl der Gäste, die 2017 nach dem Wegzug von KSI und Akademie für Internationale Zusammenarbeit um 15 Prozent eingebrochen war, noch einmal um rund 11 Prozent zurück. Ursache ist die vorübergehende Schließung der Hotels Commundo und Avendi. Ins Commundo zieht die Fortbildungsakademie der Finanzverwaltung NRW ein, das Avendi ist bereits als „Maxx by Steigenberger“ wiedereröffnet, sodass die Zahlen in diesem Jahr wieder nach oben gehen dürften.

Neben Bad Honnef haben im vergangenen Jahr auch Alfter (minus 6,2 Prozent), Hennef (minus 6,7 Prozent) und Rheinbach (minus 5,4 Prozent) Gäste verloren. Deutlich mehr Ankünfte verzeichneten Much (plus 19,9 Prozent), Siegburg (plus 11,8 Prozent) und Swisttal (plus 17,8 Prozent).

Kreisweit geht die Zahl der Betten und Betriebe zurück. Dieser Trend wird sich laut Tengler weiter fortsetzen, auch weil Nachfolger fehlen und Sanierungsstau herrscht. „Investitionen finden vor allem in den großen Städten statt, wo das Messe- und Kongresswesen boomt.“ Durch die neuen Hotels – vor allem in Köln – seien Messebesucher nicht mehr darauf angewiesen, weiter ins Umland auszuweichen.

Touristisch steht der Kreis nach Ansicht des Wirtschaftsförderers trotzdem gut da. Es sei vor allem in neue Freizeitangebote investiert worden, die Tagestouristen anziehen. Entlang der neuen Wander- und Radrouten zieht inzwischen auch die Hotellerie nach und lässt sich zum „Qualitätsgastgeber Sieg“ zertifizieren. Trotz allem: „Der Rhein-Sieg-Kreis ist keine Region, in der man lange Urlaub macht“, weiß Tengler.

Umso wichtiger sind neue Angebote für Ausflügler aus dem Umland. Die Tourismus & Congress GmbH Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T & C) legt 2019 einen Schwerpunkt auf das politische Erbe, um Gäste in die Region zu locken: 70 Jahre Grundgesetz, 30 Jahre Mauerfall und 25 Jahre Haus der Geschichte. Rhein in Flammen steht am 4. Mai unter dem Motto Freiheit. Sissel Theuerjahr von der T & C kündigt als neues Highlight neben Natursteig Sieg und Rheinsteig für Mai die Eröffnung der Apfelroute an, ein Themenradweg zum Obstanbau im Linksrheinischen. Im Herbst 2019 wird außerdem das Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach eröffnet.